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Wimbledon-Finale : König Federer gegen den freundlichen Riesen

  • -Aktualisiert am

Roger Federer will auch am Sonntag nach dem Finale jubeln. Bild: EPA

Roger Federer kann mit seinem achten Triumph in Wimbledon einen Rekord aufstellen. Doch der Schweizer Maestro bekommt es mit einem Hünen zu tun, mit dem Federer eine ziemlich schlechte Erinnerung verbindet.

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          Gibt es einen Menschen, der Roger Federer den achten Wimbledon-Titel nicht gönnen würde, der ihn zum alleinigen Rekordhalter machte? Außerhalb Kroatiens wird man lange unter den siebeneinhalb Milliarden Bewohnern des Planeten Erde suchen müssen, bis sich ein paar finden lassen. Der 35 Jahre alte Schweizer Tennisprofi hat sich im Laufe seiner langen Karriere nur Freunde gemacht. Wegen seines einmalig eleganten Stils, wegen seiner einzigartig positiven Ausstrahlung, wegen seines untadeligen Lebensstils und wegen des Respektes, den er jedem zollt, der ihm begegnet.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Sollte jedoch Marin Cilic an diesem Sonntag (15.00 Uhr MESZ / Live bei Sky und im Wimbledon-Ticker bei FAZ.NET) tatsächlich die große Überraschung gelingen und er das Finale im Einzel für sich entscheiden, dann wären ihm auch nicht viele böse. Denn nach Federer gehört der 28 Jahre alte Kroate, der aus der Ferne zum Fürchten aussieht, zu den nettesten und beliebtesten Spielern im Herrentennis. „Er ist ein toller Typ“, schwärmt auch Federer. „Ich kenne ihn sehr gut, ich habe schon einige Showkämpfe mit ihm bestritten, er ist ein Freund.“

          1,98 Meter groß, 90 Kilogramm schwer, das Gesicht mit einem Bart zugewachsen, wirkt Cilic im ersten Moment grobschlächtig und gefährlich. Doch ein Blick in seine weichen braunen Augen genügt, um ihn als freundlichen Riesen zu erkennen. Ein Riese, der sich auch zu bewegen versteht. Nicht so leichtfüßig und geschmeidig wie Federer, aber doch alles andere als plump. Cilic ist der beste Tennisspieler unter den Hünen, die wegen ihrer körperlichen Vorteile immer wieder mal eine Bedrohung für die großen vier des Tennis (Federer, Nadal, Murray und Djokovic) darstellen, vor allem auf schnellen Belägen.

          Wie bei Raonic, Querrey, Isner, Berdych und Karlovic baut das Spiel des Kroaten auf einem fulminanten Aufschlag auf. In seinen bisher sechs Matches in Wimbledon in diesem Jahr schlug er 130 Asse (Federer 64), 60 Prozent seiner ersten Aufschläge vermochten seine Gegner nicht ins Feld zurückzuspielen. Aber auch sein Return kann sich sehen lassen, und bei längeren Ballwechseln punktet er nicht nur mit seinen machtvollen Grundschlägen, sondern auch mit kreativen Lösungen.

          An seinen sehr guten Tagen ist gegen Marin Cilic kein Kraut gewachsen. Federer erlebte das 2014 im Halbfinale der US Open. „Er hat mich damals vom Platz geschossen, hoffentlich spielt er nicht wieder so gut“, sagte der Schweizer am Freitag nach seinem Dreisatzsieg im Halbfinale über den Tschechen Tomas Berdych. Aber der Kroate hat nicht immer nur sehr gute Tage. Seine Sensibilität, die viele außerhalb des Platzes so an ihm schätzen, stört ihn bei der Berufsausübung.

          Gut beschützt läuft Federer über die Anlage in Wimbledon.

          Für ihn ist es schwierig, alles auszublenden während eines Matches, sich nur auf den nächsten Schlag zu konzentrieren. Er reflektiert den letzten Ballwechsel, den aktuellen Spielstand und die Perspektiven, die sich daraus ergeben. Im vergangenen Jahr vergab Cilic im Viertelfinal-Duell mit Federer drei Matchbälle nacheinander und verlor noch die Partie.

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