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Djokovic siegt in Wimbledon : Ganz oben bei Nadal und Federer

  • -Aktualisiert am

Der Sieger mit der Trophäe: Novak Djokovic in Wimbledon Bild: AP

Der serbische Tennisprofi ist nicht zu stoppen: Mit dem Sieg über Matteo Berrettini gewinnt Novak Djokovic den sechsten Titel in Wimbledon – und schreibt Geschichte.

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          Noch einmal überreichte der Duke of Kent den gold glänzenden Pokal, die letzte große Amtshandlung in seiner Eigenschaft als Präsident des All England Clubs. Nach mehr als 50 Jahren im Ehrenamt wird der Herzog demnächst zurücktreten, und er hat sie alle siegen sehen. Von Rod Laver über Björn Borg, von Boris Becker über Pete Sampras, Roger Federer über Rafael Nadal bis zu jenem Mann aus den serbischen Bergen, der an diesem 11. Juli 2021 Geschichte schrieb. Mit dem sechsten Titel in Wimbledon, den er an diesem Sonntag in Wimbledon mit einem Sieg gegen den Italiener Matteo Berrettini gewann (6:7, 6:3, 6:4, 6:3), sprang Novak Djokovic aufs Podest zu Federer und Nadal.

          Als Djokovic vor 13 Jahren und sechs Monaten in Australien den ersten seiner 20 Grand-Slam-Titel bejubelte, war damit mehr als nur eine Ahnung verbunden, was aus der Geschichte werden könnte. Schon nach dem ersten Auftritt in einem großen Endspiel, ein paar Monate zuvor bei den US Open in New York, hatte er Roger Federer eine Menge Arbeit gemacht. Es kommt einem vor, als sei seither ein halbes Jahrhundert vergangen, aber damals stand der Rekord von Pete Sampras noch, jene 14 Grand-Slam-Titel, die lange als das in Stein gemeißelte Maß aller Dinge galten.

          „Genau deshalb bin ich hier“

          Federer hatte damals zwölf, der fünf Jahre jüngere Rafael Nadal hatte die ersten drei geschnappt und beiden war klar, dass da ein ebenso gefährlicher wie selbstbewusster Herausforderer in der Welt des Tennis erschienen war. Als keiner der beiden Granden zu Beginn des neuen Jahres das Finale in Melbourne im Januar 2008 erreichte und Djokovic im Finale gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga gewann, wurde zum ersten Mal das Narrativ des Machtwechsels bemüht.

          Es dauerte dann schon noch eine Weile, aber je näher Djokovic dem Ziel kam, Federer und Nadal einzuholen, desto weniger Mühe machte er sich, die Bedeutung dieses Dreikampfes zu kaschieren. Als er zwei Tage vor dem Finale der 134. Championships gefragt wurde, was ihm die 20 und der Gleichstand bedeuten würden, da antwortete er ohne zu zögern: „Alles. Genau deshalb bin ich hier, genau deshalb spiele ich.“

          Auf dem heiligen Rasen: Djokovic streckt alle Viere von sich.
          Auf dem heiligen Rasen: Djokovic streckt alle Viere von sich. : Bild: Reuters

          Doch der Druck wog schwer. Während des gesamten Turniers hatte man den Eindruck, dass er, aus welchen Gründen auch immer, einen halben Ton unterhalb seines Leistungsvermögens spielte. Allerdings nicht in den wichtigen Momenten, da gab er verlässlich Gas. Wie beim Sieg im Halbfinale gegen den bravourös kämpfenden Kanadier Denis Shapovalov, über den er hinterher sagte, der habe zwei Sätze lang besser gespielt als er selbst.

          Wie nervös Djokovic vor diesem Finale war, das war in der ersten Viertelstunde im voll besetzten Haus nicht zu übersehen; in manchen Momenten zu Beginn erkannte man ihn kaum. In einem historischen Finale aus mehreren Gründen, nicht nur wegen der Ambitionen von Djokovic und des Abschieds vom Duke – auf dem Schiedsrichter-Stuhl saß zum ersten Mal bei einem Männerfinale eine Frau, die von allen hoch geschätzte Kroatin Marija Cicak.

          Am Ende nicht mehr zu bremsen

          Matteo Berrettinis Nervosität ließ sich leicht erklären. Das erste große Endspiel seiner Karriere, auf der anderen Seite der dominierende Spieler der Gegenwart, die ganze italienische Euphorie dieses besonderen Tages in London – das reichte leicht für weiche Knie und eine zittrige Hand. Nach dem Sieg im Halbfinale gegen den Polen Hubert Hurkacz hatte er gesagt, von einem Wimbledonfinale habe er nicht mal zu träumen gewagt: „Das war einfach zu viel, selbst für einen Traum“. In Wimbledon hatte noch nie ein Italiener im Finale gespielt, der letzte Sieger bei einem der anderen drei Turniere auf der Bühne des Grand Slam stammte wie auch Berrettini aus Rom, Adriano Panatta, Sieger der French Open 1976 in Paris.

          Gut eine halbe Stunde brauchten die Finalisten, um die Maschinerie anzukurbeln, und das Publikum mischte sich spätestens in dem Moment ein, als Berrettini sicherer wurde und den ersten Satz im Tiebreak gewann. Auch Djokovic sah nun mehr wie er selbst aus, erhöhte das Tempo zu Beginn von Satz Nummer zwei, und je länger die Partie dauerte, desto souveräner gewann er die Punkte.

          Am Ende war er nicht mehr zu bremsen, und mit dem dritten Matchball machte er den letzten, den entscheidenden Schritt ins oberste Stockwerk seiner Sehnsucht. „Die letzten zehn Jahre waren eine unglaubliche Reise, die nicht hier endet“, sagte Djokovic später. Im Alleingang kümmerte er sich damit quasi auch um die Generation der Herausforderer. In Melbourne besiegte er den Russen Daniil Medwedew, in Paris Stefanos Tsitsipas und nun in Wimbledon Matteo Berrettini – mal sehen, wer sich dann in ein paar Wochen bei den US Open in New York zur Verfügung stellen wird.

          Seine Teilnahme an den Olympischen Spielen stellte Djokovic im Anschluss an das Wimbledon-Finale derweil in Frage, wohl auch wegen der Tatsache, dass keine Fans vor Ort sein werden. Während Federer via Twitter zum Triumph beim Rasenturnier gratulierte („Wunderbare Leistung, gut gemacht“), meinte der Serbe zur Großveranstaltung in Japan: „Mein Plan war es immer, zu den Olympischen Spielen zu fahren. Aber jetzt bin ich ein bisschen gespalten. Es ist fifty-fifty, nach dem, was ich in den vergangenen Tagen gehört habe.“

          Aber noch mal zurück zu den 20 Titel und zur historischen Tat. Nun steht Djokovic nicht nur im hellsten Scheinwerferlicht neben Roger Federer und Rafael Nadal, er hat nach dem Gewinn des dritten der großen vier Titel in diesem Jahr als erster Spieler nach mehr als 50 Jahren auch die Chance auf den Grand Slam – den Gewinn aller vier Titel innerhalb eines Kalenderjahres. Der Australier Rod Laver war 1969 der bis dato Letzte, dem das gelang, bei den Frauen fällt der Blick zurück ins Jahr 1988 zu Steffi Graf.

          Und an dieser Stelle schließt sich der Kreis zum 85 Jahre alten Duke of Kent. Der erste, dem er zu Beginn seiner Amtszeit 1969 als Präsident des All England Clubs den Pokal überreichte, war Rod Laver, mit Novak Djokovic geht die Zeit zu Ende. Ein kosmisches Ende, um das Mindeste zu sagen.

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