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Nach US-Open-Eklat : Serena Williams war in therapeutischer Behandlung

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Aus Frust wurde Freude: Beim Turnier in Wimbledon läuft es bislang sehr gut für Serena Williams. Bild: AFP

„Mir sind die Tränen das Gesicht hinuntergelaufen“: Tennis-Star Serena Williams gibt in einer Kolumne tiefe Einblicke in ihr Privatleben. Sie schreibt darin vor allem über ein Ereignis aus dem vergangenen Jahr.

          Das skandalträchtig verlorene Endspiel der US Open wurmt Serena Williams noch immer. Vor dem Halbfinale in Wimbledon am Donnerstag (im F.A.Z.-Liveticker zu Wimbledon und bei Sky) gegen die tschechische Außenseiterin Barbora Strycova ist ihr emotionaler Auftritt vor zehn Monaten in New York auf einmal wieder präsent. Zu Beginn der entscheidenden Phase des Rasenturniers hat die 37-Jährige öffentlich gemacht, wie sehr sie das Drama belastet hat. Wie jetzt in Wimbledon hatte die langjährige Dominatorin des Damen-Tennis im vergangenen September die Chance auf den ersehnten 24. Grand-Slam-Titel. Mit diesem Triumph würde sie mit der australischen Allzeit-Rekordhalterin Margaret Court gleichziehen.

          Finale der US Open 2018: Serena Williams legt sich mit dem Schiedsrichter an.

          Sie habe nach der Niederlage gegen die Japanerin Naomi Osaka therapeutische Hilfe angenommen, schrieb Williams in einer Kolumne für das US-Magazin „Harper's Bazaar“. Jede Nacht seien ihre Gedanken darum gekreist, wieso ihr ein Spiel abgezogen worden sei. Sie sei aus Schlafmangel erschöpft gewesen, habe nach Antworten gesucht. „Und obwohl ich das Gefühl hatte, Fortschritte zu machen, war ich noch nicht bereit, einen Schläger in die Hand zu nehmen.“

          Keine Gleichbehandlung von Männern und Frauen?

          Nach verbotenen Zeichen ihres Trainers, einem zertrümmerten Schläger und heftiger Kritik am Schiedsrichter war Williams dreimal verwarnt worden und hatte einen Spielabzug zum 3:5 im zweiten Satz erhalten. Sie hatte Schiedsrichter Carlos Ramos als Dieb bezeichnet. Anschließend beklagte sie sich, er hätte für diesen Ausdruck noch nie einen Mann bestraft.

          Noch immer fühlt sich Williams ungerecht behandelt und beharrt auf ihrem Standpunkt. „Warum werden Frauen als 'emotional, verrückt und irrational' abgestempelt, wenn sie leidenschaftlich werden“, schrieb sie. „Aber wenn das Männer machen, werden sie als leidenschaftlich und stark angesehen?“

          Mit ihren Ausrastern und ihren Diskriminierungsvorwürfen gegenüber dem Schiedsrichter hatte die 72-fache Turniersiegerin den größten Moment von Osaka zerstört und ihren Ruf als Ikone des Weltsports aufs Spiel gesetzt. Der einzige Weg, die Niederlage abzuhaken, sei eine Entschuldigung bei der 21-Jährigen gewesen, berichtete Williams jetzt. Osaka habe sie in ihrer Antwort darin bestärkt, für das zu kämpfen, woran sie glaube. „Als Naomis Antwort kam, sind mir die Tränen das Gesicht heruntergelaufen“, gab Williams zu.

          Dass dieser Essay jetzt ausgerechnet in der zweiten Wimbledon-Woche veröffentlicht wurde, bezeichnete sie als Zufall. Die Veröffentlichung sei schon lange geplant gewesen.

          Kämpferin für Frauenrechte

          Als Vorkämpferin für Frauenrechte sieht sie sich schon länger. Das US-Magazin „Harper's Bazaar“ zeigt neben dem Essay auch Bilder mit der Überschrift „Serena unretouchiert – die nackte Wahrheit“. Auf einem posiert die Tennisspielerin mit dem Rücken zur Kamera, mit Pumps und einem goldenen Umhang, der zur Seite weht.

          Mit dem Eingeständnis, therapeutische Hilfe angenommen zu haben, gewährt Williams einmal mehr Einblicke in ihr Privatleben. In einem eigenen Beitrag für CNN hatte sie einmal geschrieben, bei der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im September 2017 „beinahe gestorben“ zu sein. Nach dem Kaiserschnitt habe sie eine Lungenembolie erlitten.

          Sportlich hat sich die Gewinnerin von 23-Grand-Slam-Titeln auch als Mutter schnell wieder an die Weltspitze herangekämpft. Auf einen Grand-Slam-Titel wartet die jüngere Williams-Schwester aber seit den Australian Open 2017, damals war sie bereits schwanger. Inzwischen werden ihre Auftritte auch regelmäßig von der Frage begleitet, ob sie bei den vier wichtigsten Tennis-Turnieren noch auftrumpfen kann.

          In Wimbledon vermasselte ihr vor einem Jahr Angelique Kerber den 24. Triumph. Bei den US Open vor zehn Monaten war die Chance ebenso groß wie nun in den kommenden Tagen. Die 33-jährige Strycova ist nur die Nummer 54 der Welt. Im zweiten Halbfinal-Duell stehen sich die letztjährige French-Open-Gewinnerin Simona Halep aus Rumänien und die Weltranglisten-Achte Jelina Switolina aus der Ukraine gegenüber. „Sie ist die Beste. Punkt“, sagte BBC-Kommentator und frühere Profi John McEnroe über Williams. Das Wimbledon-Finale der Damen steigt am Samstag.

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