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Episches Wimbledon-Halbfinale : „Ich habe wirklich Mitleid mit John“

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Sie können stolz auf sich sein: Isner und Anderson nach dem Ende der Partie. Bild: AP

Im zweitlängsten Spiel der Wimbledon-Geschichte setzt sich Kevin Anderson gegen John Isner durch – mit 26:24 im fünften Satz! Über mehrere Stunden liefern sich der Südafrikaner und der Amerikaner ein hochdramatisches Match. Auch das zweite Halbfinale dauert länger als geplant.

          Der südafrikanische Tennisprofi Kevin Anderson steht nach dem zweitlängsten Spiel der Turniergeschichte zum ersten Mal in seiner Karriere im Wimbledon-Finale. Der Weltranglisten-Achte entschied am Freitag das erste Halbfinale in 6:36 Stunden mit 7:6 (8:6), 6:7 (5:7), 6:7 (9:11), 6:4, 26:24 gegen den Amerikaner John Isner für sich.

          Im Endspiel am Sonntag (15 Uhr MESZ) trifft Anderson auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen dem Spanier Rafael Nadal und Novak Djokovic aus Serbien. Auch dieses Match geht in die Verlängerung und wird erst am Samstag beendet. Der frühere Weltranglisten-Erste Djokovic lag gegen French-Open-Gewinner Nadal am Freitagabend mit 2:1-Sätzen vorn, als die Partie um kurz nach 23 Uhr Ortszeit in London beim Stand von 6:4, 3:6, 7:6 (11:9) abgebrochen wurde. In Wimbledon darf offiziell nur bis 23.00 Uhr gespielt werden.

          Für Tiebreak

          „Ich versuche so frisch wie möglich zu sein“, sagte Anderson nach seinem Sieg und sprach sich für eine Regeländerung aus, um auch in Wimbledon den fünften Satz mit einem Tiebreak zu beenden. Für Anderson ist es das zweite Grand-Slam-Finale nach den US Open 2017. Im Viertelfinale hatte Anderson überraschend gegen Roger Federer gewonnen.

          Nach dem Match berichtete der emotional angeschlagene Sieger von gemischten Gefühlen. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wenn man unter diesen Bedingungen ein so langes Match spielt, dann fühlt sich das an, wie ein Unentschieden. Aber es musste heute einen Sieger geben“, sagte der Bezwinger von Titelverteidiger Roger Federer: „John ist ein toller Typ, ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich diese Niederlage für ihn anfühlen muss. Ich habe wirklich Mitleid mit ihm.“ Als Anderson seinen ersten Matchball verwandelt hatte, schlug er die Hände über den Kopf zusammen und nahm seinen Kontrahenten in die Arme.

          Isner bleibt ein Mann für besondere Momente

          Der Weltranglisten-Zehnte Isner bleibt unterdessen ein Spieler für besondere Momente und ist nun an den beiden längsten Partien auf der berühmten Tennis-Anlage im Südwesten Londons beteiligt. Unvergessen ist das längste Match der Tennis-Geschichte 2010, in dem Isner in der ersten Runde über drei Tage nach 11:05 Stunden mit 70:68 im fünften Satz gegen Nicolas Mahut gewann.

          In seinen zuvor fünf diesjährigen Partien im Südwesten Londons hatte der Amerikaner, der mit Abstand am meisten Assen im Turnier serviert hat, nicht einmal seinen Aufschlag abgegeben. Auch Anderson gelang erst nach rund zweieinhalb Stunden ein erstes Break, Isners imposante Serie endete nach 111 Aufschlagspielen. Isner holte sich das Break jedoch sofort zurück. So ging auch der dritte Satz zwischen dem 2,03 Meter großen Anderson und dem 2,10 Meter großen Isner in den Tiebreak.

          Entkräftet aber glücklich:  Kevin Anderson braucht sechseinhalb Stunden für seinen Sieg im Wimbledon-Halbfinale. Bilderstrecke

          Allein der fünfte Satz zog sich dann über 175 Minuten. Isner legte stets vor, mit stoischer Ruhe zog Anderson immer wieder nach. Bei 24:24 gelang dem Südafrikaner dann ein kurioser Punktgewinn, als er auf den Rasen plumpste, sich aufrappelte, den Schläger für einen Schlag in die linke Hand wechselt und dann von einem Fehler seines Gegenübers profitierte. „Das bringt mich zum Lachen. Das war am Ende offensichtlich ein wichtiger Punkt für mich“, sagt Anderson später. Kurz darauf stand es 0:40 bei Isners Aufschlag, einen Breakball wehrte er noch ab, dann landete eine Rückhand im Netz. Bei eigenem Aufschlag ließ sich Anderson den Finaleinzug nicht mehr nehmen und ist nun erster Südafrikaner im Endspiel des bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt seit Kevin Curren, der im Jahr 1985 Boris Becker bei dessen erstem Sieg im Wohnzimmer unterlag.

          Das bisher zweitlängste Match zwischen Marin Cilic und Sam Querrey überboten die beiden Kontrahenten an einem denkwürdigen Tag um 65 Minuten. Der Kroate und der Amerikaner hatten sich 2012 in der dritten Runde 5:31 Stunden gegenübergestanden.

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