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Tennis-Enttäuschung in London : Görges und Struff scheiden als letzte Deutsche aus

  • -Aktualisiert am

Aus und vorbei: Julia Görges unterliegt Serena Williams. Bild: Reuters

2018 setzten die deutschen Frauen in Wimbledon noch zum Höhenflug an. Davon ist in diesem Jahr nichts mehr zu sehen. Julia Görges scheidet als letzte Spielerin aus Deutschland aus. Bei den Männern sieht es nicht besser aus.

          Nach dem Höhenflug 2018, als Julia Görges und Angelique Kerber in Wimbledon das Halbfinale erreichten und Kerber dann im Finale gegen Serena Williams triumphierte, endete 2019 das wichtigste Tennisturnier des Jahres für das deutsche Damentennis am sechsten Spieltag mit einer harten Landung. Mit Julia Görges schied am Samstag in der dritten Runde auch die letzte Spielerin des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) in London aus. Wie im Vorjahr war Serena Williams die Endstation für die 30 Jahre alte Norddeutsche, die Entscheidung fiel allerdings deutlicher aus als im Vorjahr. Nur 1:12 Stunden dauerte es, bis Görges den Platz mit einem 3:6, 4:6 verließ.

          War nicht mit sich zufrieden: Jan-Lennard Struff verpasste das zweite Achtelfinale eines Grand-Slams in Folge.
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Etwas mehr als drei Stunden später war auch der letzte männliche Teilnehmer im Einzel ausgeschieden. Damit erreichte wie 2015 kein deutscher Einzelspieler die zweite Turnierwoche, die am Montag mit allen Achtelfinals der Damen- und der Herrenkonkurrenz beginnt. Die Tatsache, dass Jan-Lennard Struff nur wenig später als Görges sein Spiel begonnen hatte, weist schon darauf hin, dass die Umstände seiner Niederlage gegen Michail Kukuschkin wesentlich dramatischer waren als die seiner Kollegin. Die reine Spielzeit betrug 3:18 Stunden, dann hatte der Kasache den Sauerländer 6:3, 7:6, 4:6, 7:5 bezwungen. Dazu wurde die Begegnung eineinviertel Stunden lang wegen eines Zwischenfalls auf der Tribüne unterbrochen. Eine Zuschauerin erlitt einen Zusammenbruch und musste von einem Notarzt versorgt werden.

          Struff und Kukuschkin, auf den Plätzen 33 und 58 der Weltrangliste notiert, lieferten sich auf Platz zwölf eine packende Auseinandersetzung auf ziemlich hohem Niveau und wurden nach dem Matchball vom Publikum mit Ovationen verabschiedet. Struff war der wuchtigere Spieler, Kukuschkin der Spieler, der die Bälle intelligenter plazierte – und am Ende das Quentchen mehr Glück hatte als sein Widersacher. Der 29 Jahre alte Warsteiner musste sich nur vorwerfen, dass er seine hart herausgearbeiteten Chancen nicht konsequent genutzt hatte. Im Tie-Break des zweiten Satzes vergab er eine 4:2-Führung, in der entscheidenden Phase des vierten Durchgangs ließ er acht Breakmöglichkeiten ungenutzt. So verpasste er es, nach Roland Garros vor vier Wochen zum zweiten Mal nacheinander ins Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers einzuziehen. Dennoch präsentierte sich Struff in Wimbledon in der besten Form aller deutscher Tennisprofis. Und mit fast 30 Jahren verläuft seine Leistungskurve immer noch kontinuierlich nach oben.

          Julia Görges war trotz der Niederlage mit sich zufrieden. „Es war ein hochklassiges Match. Es ist bitter, nach so einer Leistung in der dritten Runde auszuscheiden. In der anderen Hälfte des Tableaus wäre ich sicher noch dabei.“ Auch Barbara Rittner, Head of Women’s Tennis des DTB, kommentierte die Leistung von Görges in Wimbledon wohlwollend. „Sie hat ein gutes Turnier gespielt. Leider traf sie auf eine sehr gute, hochkonzentrierte Serena Williams.“ Die deutschen Nachwuchsspielerinnen hatte Rittner dagegen Anfang der Woche noch harsch kritisiert und ihnen die Fähigkeit abgesprochen, sich quälen und über Hindernisse hinwegsetzen zu können.

          „Hochkonzentriert“ bezeichnete auch Görges ihre berühmte Gegnerin und fand: „Das war eine Form von Respekt mir gegenüber.“ Dennoch war die deutsche Nummer zwei gegen die 23-malige Grand-Slam-Siegerin unter ihren Möglichkeiten geblieben. Zwar vermochte sie das Publikum auf Court 1 mit einigen Highlight-Schlägen zu begeistern. Doch ihr Standardprogramm funktionierte nicht zuverlässig genug. Görges unterliefen zu viele vermeidbare Fehler von der Grundlinie und beim Return. Man muss ihr allerdings zugutehalten, dass Williams sie nicht in einen Rhythmus kommen ließ. Die Amerikanerin hatte eine Hochrisiko-Taktik gewählt. Schon mit dem Return versuchte sie, den Ballwechsel zu beenden oder zumindest die Initiative zu ergreifen. Denn die Erfahrung aus der Halbfinal-Begegnung 2018 mit der Deutschen hatte sie gelehrt: In dem Moment, in dem sie während eines längeren Ballwechsels ins Laufen kommt, ist sie gegen die Deutsche meistens chancenlos.

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