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Tennis in Wimbledon : Kerber stürmt ins Viertelfinale – Zverev scheitert

  • -Aktualisiert am

Wieder in Topform: Angelique Kerber überzeugt in Wimbledon auf ganzer Linie. Bild: EPA

Angelique Kerber ist zur Zeit nicht aufzuhalten – im Achtelfinale besiegt sie auch ein amerikanisches Supertalent. Alexander Zverev verliert dagegen einen Fünf-Sätze-Thriller und muss seine Koffer packen.

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          So allmählich wird die Ahnung konkreter, was aus dieser Geschichte werden könnte. Nach einem souveränen Sieg gegen die 17 Jahre alte Cori Gauff (6:4, 6:4) wird Angelique Kerber wie zuletzt vor drei Jahren an gleicher Stelle an diesem Dienstag im Viertelfinale der Championships spielen. Sie brauchte nur eine kleine Weile, um in Schwung zu kommen, doch danach war sie nicht mehr einzufangen. Die Art, wie sie dieser Tage die Bälle trifft, wie sie sich bewegt, wie sie besondere Punkte feiert und wie stabil sie auch in kniffligen Situationen wirkt, das alles erinnert sehr an die Ereignisse des Jahres 2018 und an ihren Ausflug in den siebten Himmel.

          Das Spiel begann mit ein bisschen Verwirrung hüben wie drüben – wie das oft so ist, wenn zwei zum ersten Mal gegeneinander spielen. Vor ein paar Tagen hatte Kerber zum Thema gesagt: „Natürlich bereitet man sich vor, aber das ist halt der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, bis du merkst, wie sich der Drall anfühlt oder wie schnell die Bälle kommen. Das merkst du erst wirklich, wenn du auf dem Platz stehst.“ Gauff versicherte, sie finde sowieso am liebsten selbst heraus, was zu tun sei, das Problem mit neuen Gegnerinnen erlebe sie ja ohnehin öfter als andere. „Ich bin ja noch am Anfang meiner Karriere, da spiele ich fast gegen alle zum ersten Mal.“

          An Angelique Kerbers Triumph vor drei Jahren kann sie sich gut erinnern, und sie musste schnell erkennen, dass sich die Form der deutschen Gegnerin einstigen Höhen nähert. Kerber hielt als erste der beiden ihren Aufschlag im ersten Satz zum 4:2, und danach sah es nur noch selten so aus, als drohe ihr Gefahr. Auch im zweiten Satz ging sie in Führung, und sie beendete die Partie auf eine Art, die in ihrer Karriere nicht immer selbstverständlich gewesen war: Mit einem Ass durch die Mitte.

          Viel Zeit, um sich über das beste Ergebnis bei einem Grand-Slam-Turnier seit drei Jahren zu freuen, blieb nicht, denn weiter geht‘s mit dem Viertelfinale gegen die 24 Jahre alte Karolina Muchova aus Prag. Die beiden bisherigen Begegnungen mit der Tschechin liegen gut zwei Jahre zurück, Kerber gewann beide, aber Muchova ist inzwischen eine deutlich bessere Spielerin als damals. Ein paar Monate später war sie im Viertelfinale von Wimbledon gelandet, noch besser war sie im Januar 2021 bei den Australian Open in Form, als sie nach einem Sieg gegen die Nummer eins des Frauentennis, Ashleigh Barty, das Halbfinale erreichte. Muchova hat eine Ahnung, was sie erwarten kann. „Sie gibt nie auf“, sagt sie über Angelique Kerber, „du hast das Gefühl, als sei sie bei jedem Punkt überall auf dem Platz.“

          Zverev scheitert am eigenen Aufschlag

          Am anderen Ende der deutschen Skala fand sich Alexander Zverev nach seiner Niederlage gegen Felix Auger-Aliassime wieder (4:6, 6:7, 6:3, 6:3, 4:6). Der letzte Manic Monday der Turniergeschichte führte ihn in ein Spiel voller Tempo- und Rhythmus-Wechsel, in dem er lange brauchte, um sich zu behaupten. Ausgerechnet nach einem Sturz zu Beginn des dritten Satzes wirkte er stärker und überzeugender als zu Beginn der Partie, die der Kanadier dominiert hatte.

          Gegen den jungen Kanadier kam Zverev in den entscheidenden Momenten einfach nicht hinterher.
          Gegen den jungen Kanadier kam Zverev in den entscheidenden Momenten einfach nicht hinterher. : Bild: Reuters

          Zverev gewann die Sätze drei und vier, das viel beschworene Momentum hatte sich deutlich zu seinen Gunsten entwickelt, und die Erfahrung gegenüber dem drei Jahre jüngeren Kanadier lag auch auf seiner Seite. Der hatte zuvor noch nie in seiner Karriere den ultimativen Härtetest gewonnen, ein Spiel in fünf Sätzen, aber er nahm Zverevs Angebot entschlossen an. Der leistete sich drei Doppelfehler im ersten Aufschlagspiel, und mit dem dritten schenkte er Auger-Aliassime das wegweisende Break. Kurz danach begann es zu regnen, die Partie wurde unterbrochen, das Dach über Court No. 1 wurde geschlossen. Zverev glich danach zum 2:2 aus, wieder sah es so aus, als sei er im Vorteil, und wieder fand sich der Gegner mit dieser Diagnose nicht ab.

          Nach vier Stunden und zwei Minuten verwandelte Felix Auger-Aliassime den zweiten Matchball und gestand wenig später, das alles sei ein Traum. Alexander Zverev verließ den Ort des Geschehens mit einem Rucksack voller Fragen, vor allem einer: Warum er wieder mal einen Tag erwischte, an dem ihn sein Aufschlag verließ. 20 Doppelfehler waren mindestens zehn zu viel.

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