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Wimbledon-Finale : Am Ende spaziert Muguruza zum Sieg

  • -Aktualisiert am

Großes Tennis: Garbiñe Muguruza mit der Wimbledon-Trophäe. Bild: AFP

Venus Williams kämpft, doch nach dem ersten Satz ist der Widerstand der Altmeisterin gebrochen. Dann hat Garbine Muguruza leichtes Spiel. Der zweite Durchgang im Wimbledon-Finale ist ein kurzes Vergnügen.

          Vorsicht, Roger Federer, Erfahrung ist nicht alles. Am Tag bevor der fast 36 Jahre alte Schweizer Tennis-Maestro nach seinem achten Herren-Titel greift, war der Arm von Venus Williams ein bisschen zu kurz, um nach neun Jahren Unterbrechung zum sechsten Mal die Trophäe in Empfang zu nehmen. Viel fehlte nicht am Samstag. Zwei Satzbälle erspielte sich die 37 Jahre alte Amerikanerin im ersten Durchgang beim Spielstand von 5:4 gegen Garbine Muguruza.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Doch die 23 Jahre alte Spanierin hielt erfolgreich dagegen. Nach der Abwehr von zwei Breakbällen nahm sie Venus Williams umgehend den Aufschlag ab und damit war der Widerstand der Altmeisterin gebrochen. Sie vermochte kein Spiel mehr zu gewinnen und unterlag 5:7, 0:6. Der zweite Satz dauerte nur 26 Minuten. Der spanische König Juan Carlos applaudierte würdevoll in der Royal Box, nachdem Muguruza den Matchball zu ihrem zweiten Grand-Slam-Titel nach den French Open 2016 verwandelt hatte.

          Bei der Siegerehrung erhielt Venus Williams von den 15.000 Zuschauern auf den Rängen des Centre Courts fast so viel Beifall wie die Spanierin – obwohl sie im Halbfinale die Lokalmatadorin Johanna Konta bezwungen hatte. Aber alte Verdienste zählen in Wimbledon mehr als anderswo. Williams betrat 1997 das erste Mal den heiligen Rasen. Sie verlor damals gegen die Polin Magdalena Grzybowska: „Ich war damals so nervös, es war ein Desaster“, erinnerte sich die siebenmalige Grand-Slam-Siegerin am Freitag und versprach, diesmal ihre Nerven im Griff zu haben.

          2000 holte sie durch einen Finalsieg über ihre Landsfrau Lindsay Davenport ihren ersten Titel, den fünften und letzten 2008 gegen ihre jüngere Schwester Serena, die diesmal wegen ihrer Schwangerschaft fehlte. Ob sie eine Botschaft an ihre Schwester habe, wurde Venus bei der Siegerzeremonie gefragt. Ihre Antwort: „Ich vermisse dich, Serena. Ich hätte gerne das Gleiche getan wie du. Aber ich werde noch weitere Gelegenheiten haben, es nachzuholen.“ Venus spielte damit auf das Wimbledon-Endspiel 2015 an, in dem Serena ihre Finalgegnerin vom Samstag besiegt hatte.

          Garbine Muguruza meinte es wohl nicht böse, aber ihre verbale Verbeugung vor ihrer Endspielgegnerin misslang ihr ein bisschen. „Ich habe deine Spiele gesehen, als ich aufwuchs ...“ Sätze, die sich auf Altersunterschiede beziehen, hören nur wenige Frauen gerne. Das Gelächter auf den Tribünen war der Spanierin unangenehm und sie beeilte sich hinzuzufügen, wie unglaublich die Leistung der Amerikanerin im Finale und während des gesamten Turniers gewesen sei. Als Venus Williams ihre Wimbledon-Karriere begann, war Muguruza drei Jahre alt und lebte mit ihren Eltern noch in Venezuela. Drei Jahre später siedelte die Familie nach Spanien über, um die sportliche Karriere der Tochter besser vorantreiben zu können.

          Bei Venus Williams klappte am Ende gar nichts mehr. Bilderstrecke

          Muguruza ist nach Conchita Martinez die zweite Spanierin, die in Wimbledon den Einzeltitel gewann. Sie profitierte dabei von den Tipps und Ratschlägen der Siegerin von 1994. Martinez sprang für Muguruzas Cheftrainer Sam Sumyk ein. Sumyks Frau erwartet ein Kind und blieb in der Heimat. Muguruza dankte beiden Trainern für die Unterstützung. „Ich habe mit Sam täglich telefoniert, er und Conchita sprachen sich ab. Die beiden kommen bestens miteinander aus.“ Martinez ist die spanische Fed-Cup-Trainerin. Wenn Muguruza im Fed Cup für Spanien spielt, wird sie zudem von ihrem persönlichen Coach betreut.

          Ihre Taktik für das Endspiel war nicht schwierig zu entwickeln. Es ging nur darum, Venus Williams ins Laufen zu bringen, damit sie nicht in Ruhe zu ihren gewaltigen Grundschlägen ausholen kann. Im ersten Satz entstand lange Zeit ein Patt. Wem der erste harte Schlag gelang, der diktierte den Ballwechsel bis zum Punktgewinn. Beide schlugen gut auf, beide retournierten sicher, spätestens der dritte Schlag entschied oder gab die Richtung vor.

          Während der engen Auseinandersetzung kamen beide Spielerinnen zu Breakchancen. Als Muguruza ihre dritte Möglichkeit im ersten Satz nutzte, war die Partie entschieden. Venus Williams kämpfte zwar noch engagiert weiter, aber offensichtlich hatte ihr Selbstbewusstsein gelitten. Und vielleicht fehlte es am Ende auch ein wenig an Kondition und Konzentration. Ihr unterliefen in den sechs Spielen des zweiten Satzes 18 unerzwungene Fehler. Ihr erstes Break verschuldete sie mit einem Doppelfehler selbst.

          Muguruza spazierte am Ende zum Sieg. Sie ist eine würdige Siegerin. Im ganzen Turnier gab sie nur einen Satz ab – im Achtelfinale gegen Angelique Kerber. Sie wehrte 21 von 25 Breakbällen ab. Diese Nervenstärke zeichnete sie auch im Finale aus. „Ich war ein bisschen angespannt, aber ich habe jetzt meine Emotionen im Griff“, sagte Garbine Muguruza nach dem Matchball.

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