https://www.faz.net/-gtl-9c2xx

Tennis in Wimbledon : Da war es nur noch eine

  • -Aktualisiert am

Ihr Spiel passt zu Wimbledon: Julia Görges Bild: dpa

Von den zehn Bestgesetzten des Damen-Wettbewerbs ist nur noch eine in Wimbledon dabei. Angelique Kerber und Julia Görges rutschen nun in den Fokus. Die Suche nach den Gründen ist nicht leicht.

          3 Min.

          Julia Görges gibt gar nichts mehr auf die Weltrangliste. „Jede, die hier antritt, kann Wimbledon gewinnen“, sagt die 29 Jahre alte Norddeutsche aus Bad Oldesloe, die erstmals in ihrer Karriere im Achtelfinale des größtes Tennis-Turniers der Welt steht. „Für mich geht jedes Spiel bei null los.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Ihre Einstellung ist nur konsequent nach den Erfahrungen der ersten Woche der Championships. Von den zehn top gesetzten Spielerinnen befand sich vor Abschluss der dritten Runde nur noch eine einzige im Wettbewerb, die Tschechin Karolina Pliskova, die Nummer acht der Welt. Am Samstag verabschiedete sich auch noch die Weltranglistenerste Simona Halep aus dem Wettbewerb. Die Rumänin führte gegen die Taiwanesin Hsieh Su-Wei im dritten Satz schon 5:2 und musste doch noch eine 6:3, 4:6, 5:7-Niederlage hinnehmen. Angelique Kerber dagegen, an elf gesetzt, zog souverän durch ein 6:2, 6:4 über die Japanerin Naomi Osaka ins Achtelfinale ein.

          Görges, die Nummer 13 der Welt, ist damit für einige Experten in die Rolle einer Mitfavoritin gerutscht, zumal sie zu den besten Aufschlägerinnen des Feldes gehört, was in Wimbledon besonders zählt. „Ich weiß, dass ich ein Spiel habe, das zu Wimbledon passt, aber was heißt das schon? Das gilt auch für andere“, wiegelt Görges ab. Auch Donna Vekic fühlt sich auf Rasen wohl, die Gegnerin von Görges am Montag trifft. Die 22 Jahre alte Kroatin wird vom früheren Trainer Angelique Kerbers betreut, Torben Beltz. „Ich kenne sie sehr gut, wir haben schon oft gemeinsam trainiert.“ Was ein Vor- und ein Nachteil in einem sei. Aber man kann es wenden und drehen, wie man will: Alle Spielerinnen, gegen die Julia Görges über ihre Verhältnisse spielen müsste, um eine echte Siegchance zu haben, sind bereits aus dem Wettbewerb geflogen. Vorjahressiegerin Garbine Muguruza zum Beispiel, die eine krachende 7:5, 2:6, 1:6-Niederlage gegen die Belgierin Alison van Uytvanck hinnehmen musste. Oder die an Nummer zwei gesetzte Caroline Wozniacki, die Nummer vier, Sloane Stephens, die Nummer fünf, Jelina Switolina, die Nummer sechs, Caroline Garcia, die zweimalige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova und die Nummer zehn der Setzliste, Madison Keys.

          Souverän ins Achtelfinale eingezogen: Angelique Kerber

          Es ist nicht leicht, Gründe für diese in 50 Jahren der Open-Ära einmalige Serie zu finden. Roger Federer spricht von „Zufall“. Görges sagt nur: „Da müssen Sie andere fragen.“ Ein eindeutiges Muster zur Erklärung des Phänomens ist nicht zu erkennen, aber es lassen sich kleinere Ursachen herausfiltern: Muguruza war im zweiten Satz auf dem Weg ans Netz ausgerutscht und wirkte anschließend leicht angeschlagen. Stephens und Garcia kamen bereits in der Vergangenheit nicht wirklich gut auf Rasen zurecht, und Switolina hat bei Grand-Slam-Turnieren schon häufiger eine mentale Blockade offenbart, genauso wie Madison Keys, die in der dritten Runde gegen die russische Qualifikantin Jewgenija Rodina in drei Sätzen scheiterte.

          Venus Williams kann man beim schlechtesten Willen keine Nervenschwäche unterstellen, sie wand sich schon oft dank ihrer Erfahrung aus bedrohlichen Situationen. Aber mit 38 Jahren ist sie nicht mehr in der körperlichen Verfassung, um jedes enge Dreisatzmatch für sich zu entscheiden. Sie unterlag der Niederländerin Kiki Bertens, die Nummer 20 der Welt, 6:8 und war in den letzten Ballwechseln offensichtlich nicht mehr so frisch wie ihre Gegnerin.

          Auch Caroline Wozniacki ist bekannt dafür, nie klein beizugeben, und das tat sie auch nicht gegen die Russin Ekaterina Makarowa. Aber am Ende musste sie anerkennen, dass eine gute Leistung an diesem Tag nicht genügte, um zu gewinnen. Was ihr schwerfiel. Ihr Kommentar fiel nicht sehr freundlich aus: „Ekaterina hat viel riskiert, über ihre Verhältnisse getroffen und viel Glück gehabt. Ich glaube nicht, dass sie noch weit im Turnier kommen wird.“ Die 30 Jahre alte Russin steht jedenfalls schon mal im Achtelfinale.

          Bei allen unterschiedlichen Gründen für die Niederlagen der ersten Garde ist aber nicht zu übersehen, dass die Leistungsunterschiede zwischen den ersten fünf und den Plätzen sechs bis 25 so gering sind wie noch nie im Damentennis. Die wenigen Spielerinnen, die wirklich außergewöhnliche Schläge in ihrem Repertoire haben, sind nicht in der Lage, den Ball konstant ins Feld zu bringen, siehe Stevens, siehe Keys und auch die junge Russin Jelena Ostapenko gehört in diese Kategorie.

          Und so hat Serena Williams wieder Chancen, in Wimbledon ganz weit zu kommen, obwohl sie nach ihrer Mutterschaft höheren athletischen Ansprüchen noch nicht genügt. Falls die 36-Jährige an den Ball kommt, ohne vorher weitere Strecken zurücklegen zu müssen, dann schlägt es nach wie vor bei der Gegnerin ein. Aber eine Klasse für sich stellt niemand in dieser Damenkonkurrenz dar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wada-Ermittler Younger: „Uns ging es nicht darum, Russland zu diffamieren, sondern die Wahrheit herauszufinden.“

          Wada-Chefermittler Younger : „Die Russen löschten im großen Stil“

          Günter Younger, Doping-Ermittler der Wada, hat mit seinem Team Manipulationen durch russische Behörden bewiesen. Im Interview spricht er über Ermittlungsmethoden und russische Athleten, Trainer und Offizielle, die Doping „satt hatten“.
          Die Kulisse steht: Der Saal der Semperoper in Dresden.

          Umstrittene Ehrung für El-Sisi : Ärger um den Semperopernball

          Der Chef des Semperopernballs hat dem ägyptischen Staatschef El-Sisi einen Preis verliehen. Das trug ihm heftige Kritik ein. Nun könnte der Ball platzen, die Moderatoren Judith Rakers und Roland Kaiser drohen mit Absage. Was wird jetzt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.