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Die Zverevs in Wimbledon : Brüderlicher Konkurrenzkampf als Antriebsfeder

  • -Aktualisiert am

Ein unbekannter Gegner: Alexander Zverev trifft auf Sebastian Ofner. Bild: Reuters

Mischa und Alexander Zverev ziehen sich gegenseitig in die dritte Runde von Wimbledon. Auf den Einen wartet dort sein großes Idol – auf den Anderen hingegen ein österreichischer Wunderknabe.

          Auf den Spuren der Renshaws wandeln sie noch lange nicht, aber die Gulliksons haben sie jetzt erreicht. Alexander und Mischa Zverev stehen an diesem Samstag als erstes Brüderpaar seit 1984 in der dritten Runde von Wimbledon – nicht gemeinsam als Doppel, sondern im Einzel. Es gibt und gab einige Brüderpaare, die als Kombination erfolgreich waren. Die Bryans aus Amerika haben 16 Grand-Slam-Titel gesammelt, Andy und Jamie Murray bildeten das Doppel, das Großbritannien 2015 den Davis-Cup-Triumph über Belgien sichern half.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Bemerkenswerte Einzelkarrieren zweier Brüder im Parallellauf sind selten. In der Geschichte der Spielerorganisation ATP kam es nur zu zwei Bruderduellen in Endspielen: zwischen John und Patrick McEnroe sowie zwischen Emilio und Javier Sanchez. Nie wieder dominierten zwei Brüder das Tennis wie die Zwillinge William und Ernest Renshaw. Die Engländer gewannen fünfmal den Doppel-Titel in Wimbledon sowie achtmal das Einzel – siebenmal William, einmal Ernest. Das war allerdings in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts.

          Vom Finale wagt keiner der beiden Zverevs zu sprechen. Alexander nicht, der mit seinen 20 Jahren zwar als Champion der Zukunft gilt, aber viel zu klar ist, um zu träumen. Und Mischa schon gar nicht, der mit seinen 29 Jahren seine Möglichkeiten sehr genau einzuschätzen weiß. Erst einmal würden sie es an diesem Samstag gerne besser machen als damals die Gullikson-Zwillinge Tim und Tom, die in jeweils drei Sätzen an Tim Mayotte und Tomas Smid scheiterten.

          Im Fall von Alexander ist dies ein ganz realistischer Wunsch. Die Nummer 12 der Welt trifft auf den Österreicher Sebastian Ofner, der in der Rangliste auf Platz 217 geführt wird. Mischa Zverev dagegen ist gegen Roger Federer fast ein genauso großer Außenseiter wie Ofner gegen seinen Bruder Alexander. „Ich muss hoffen, dass Roger nicht seinen besten Tag hat, sonst bin ich so gut wie chancenlos“, sagte der Linkshänder am späten Donnerstagabend.

          Prominenter Gegner: Mischa Zverev bekommt es mit Roger Federer zu tun.

          Dabei trennen Federer (5.) und Mischa Zverev (30.) nur 25 Weltranglistenplätze, und die letzte Auseinandersetzung bei den Gerry Weber Open in Halle/Westfalen vor zwei Wochen endete mit 6:7, 4:6 vergleichsweise knapp. Aber er mag sich nicht mit dem Schweizer vergleichen. „Roger ist schon immer mein großes Idol.“ Wieso? „Wer Tennis liebt und versteht, der kann Roger nur mögen. Wie er sich bewegt, wie er den Ball trifft, wie er sich auf und neben dem Platz verhält.“

          Beim vorletzten Aufeinandertreffen war Mischa Zverev mental nicht bereit gewesen, gegen sein Idol zu spielen. 0:6, 0:6 endete 2013 die Partie in Halle/Westfalen. Damals war er ein durch viele Rückschläge (Verletzungen) verunsicherter Profi, den Rücktrittsgedanken plagten. Seitdem hat sich eine Menge geändert. Zuerst überzeugte ihn sein fast zehn Jahre jüngerer Bruder Alexander vom Weitermachen. „Mit der Naivität der Jugend meinte er, ich wäre viel zu gut, um aufzuhören“, erinnert sich Mischa Zverev und fügt an: „Und dann behielt er überraschenderweise auch noch recht.“

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