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Wimbledon : Kerbers Wohlfühlfaktor steigt

  • -Aktualisiert am

Aufatmen und Jubeln: Angelique Kerber hat ihre Leichtigkeit wiedergefunden. Bild: AP

Problemlos erreicht Angelique Kerber das Viertelfinale von Wimbledon. Gegen die Japanerin Doi benötigt die beste Deutsche nur 64 Minuten zum Sieg – und weckt Erinnerungen an ihren bisher größten Triumph. Murray und Federer sind bei den Männern weiter auf Kurs.

          3 Min.

          Angelique Kerber hat den Anspruch, den sie an sich formulierte, erst einmal erfüllt. „Ich muss in der zweiten Woche besser spielen.“ Nicht, dass die Grand-Slam-Siegerin von Melbourne in Wimbledon bisher schlecht gespielt hätte, sie verlor in den ersten Runden keinen Satz: „Aber ich weiß seit Australien, was nötig ist, um so ein großes Turnier zu gewinnen.“ Und dazu musste sie noch einen Gang zulegen. Genau das tat sie am Montag in ihrem Achtelfinalmatch gegen die Japanerin Misaki Doi. Das Ergebnis von 6:3, 6:1 klingt nach Spaziergang, in Wirklichkeit verbirgt sich dahinter eine Durchschlageübung. „Es war ein Spiel auf hohem Niveau, von beiden“, befand Angelique Kerber nach dem Matchball.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Japanerin ist trotz ihrer geringen Größe von 1,59 Metern in der Lage, den Ball stark zu beschleunigen. Und sie liebt es, vom ersten Schlag an, den Ballwechsel zu dominieren. Dabei nimmt sie ein hohes Risiko in Kauf. In den ersten Spielen des Achtelfinales gegen die Deutsche ging die Taktik voll auf. Sobald Kerber den Ball nur mit einem Sicherheitsschlag zurückspielte, übernahm Doi das Kommando und baute so viel Druck auf, dass sie den Punkt machte. Die Deutsche musste aus ihrer Komfortzone, wenn sie gewinnen wollte. „Es war nicht so leicht in den ersten Spielen, ich hatte auch noch unser Spiel in Melbourne im Kopf“, sagte Kerber. Damals hatte sie einen Matchball abzuwehren, bis die Japanerin bezwungen war.

          „Fühle mich von Tag zu Tag besser“

          Diesmal gelang ihr die Wende schneller. Zwar musste Kerber immer noch einige Vorhand-Winner der Japanerin hinnehmen, aber sie schaffte es nun immer häufiger, selbst die Initiative zu ergreifen oder sich mit starken Rückhand-Cross-Schlägen vom Druck zu befreien. Als Doi trotz einer Serie spektakulärer Schläge den ersten Satz 3:6 verloren hatte, verlor sie ein wenig das Selbstbewusstsein. Ihre Fehlerquote stieg. Und das nutzte Kerber konsequent aus. Am Beeindruckendsten aber war ihre Sicherheit. Sie brachte 51 von 54 Aufschlagreturns ins Feld (94 Prozent) und spielte insgesamt nur neun Mal den Ball unbedrängt ins Aus. „Ich fühle mich von Tag zu Tag besser“, bekannte Kerber.

          Natürlich wurde sie darauf angesprochen, ob sie sich gut genug fühle, um hier ihr zweites Grand-Slam-Turnier zu gewinnen: „Es ist noch ein weiter Weg, ich konzentriere mich erst Mal auf das nächste Spiel.“ In Australien gewonnen zu haben, wirke sich auf jeden Fall positiv auf ihr Selbstvertrauen aus. Es tue gut zu wissen, das Zeug für einen Grand-Slam-Sieg zu haben. Im Viertelfinale bekommt es Angelique Kerber mit der Rumänin Simona Halep zu tun. Die Nummer fünf der Weltrangliste setzte sich gegen die Amerikanerin Madison Keys 6:7, 6:4, 6:3 durch.

          „Es wird auf jeden Fall ein langes Spiel“, erwartet die Deutsche. „Wir bewegen uns beide relativ gut und machen wenige Fehler.“ Ihre Bilanz gegen die Rumänin steht bei 1:3, die letzte Begegnung gewann die deutsche Nummer eins allerdings deutlich. Das Aufeinandertreffen beim Fed Cup in Cluj endete 6:2, 6:2, Halep wirkte damals jedoch angeschlagen.

          Sie leidet noch immer an leichten Beschwerden an der Achillessehne, hat aber gelernt, mit den Schmerzen zu leben. Halep gehört nicht zu den Rasen-Spezialistinnen. Außer ihrer Halbfinalteilnahme 2014 (ihrem großen Jahr) hat sie in Wimbledon nichts vorzuweisen, sie schied sonst jeweils in der ersten und zweiten Runde aus. Aber ihr großes Spielverständnis und ihre mittlerweile große Erfahrung gleichen einen Mangel an Schlaghärte aus. Im Gegensatz zu Kerber hat Simona Halep noch kein Grand Slam-Turnier gewonnen. Sie stand jedoch 2014 im Finale von Paris. Damals galt sie als aussichtsreichste Kandidatin, Nachfolgerin von Serena Williams als Nummer eins der Welt zu werden.

          Souverän: Angelique Kerber zieht ins Viertelfinale von Wimbledon ein

          Dass sich dieses Versprechen nicht ganz erfüllte, lag an verschiedenen Verletzungen. Wenn sie an diesem Dienstag fit ist, wird es eine schwere Aufgabe für Kerber ins Halbfinale einzuziehen, Sie sagte mit Überzeugung in der Stimme: „Ich weiß, ich muss noch besser spielen als heute.“ Wenn sie ihre Forderung an sich selbst wieder erfüllt und auch Halep schlägt, dann gibt es eine Extrabelohnung für Angelique Kerber. Mit diesem Sieg kehrte sie zurück auf Platz zwei in der Weltrangliste. Und sie könnte sogar in Wimbledon die Nummer eins werden. Es würde der Kleinigkeit bedürfen, das Turnier zu gewinnen, und zusätzlich müsste Serena Williams vor dem Halbfinale ausscheiden.

          Federer und Murray auf Kurs

          Der siebenmalige Champion Roger Federer und der britische Hoffnungsträger Andy Murray kämpfen in Wimbledon um den Halbfinal-Einzug. Olympiasieger Murray setzte sich am Montag im letzten Match auf dem Centre Court souverän in drei Sätzen 7:5, 6:1, 6:4 gegen den Australier Nick Kyrgios durch. Der Weltranglisten-Zweite trifft nun auf den zehn Plätze hinter ihm rangierenden Franzosen Jo-Wilfried Tsonga. Nach dem sensationellen Drittrunden-Aus des serbischen Titelverteidigers Novak Djokovic sind Murrays Titel-Chancen ebenso gestiegen wie die des Schweizers Federer. Beide könnten sich erst im Endspiel des Rasenturniers am Sonntag gegenüberstehen.

          Der Schweizer zog dank des 6:2, 6:3, 7:5 gegen den Amerikaner Steve Johnson mühelos zum 14. Mal in seiner Karriere in das Viertelfinale von Wimbledon ein. Federer feierte gleichzeitig seinen 306. Sieg bei einem der vier wichtigsten Turniere und zog mit Rekordhalterin Martina Navratilova gleich. Der frühere Weltranglisten-Erste trifft nun auf den US-Open-Sieger von 2014, Marin Cilic. „Er hat mich bei den US Open vom Platz gefegt“, erinnerte sich Federer an das Duell im Halbfinale vor zwei Jahren. „Ich habe ihn noch nie so konstant gut aufschlagen sehen.“

          Am Montag der zweiten Woche werden bei den All England Championships traditionell alle Achtelfinal-Partien ausgetragen. Mitfavorit Milos Raonic wendete nach einem 0:2-Satzrückstand ein Aus ab und besiegte den Belgier David Goffin 4:6, 3:6, 6:4, 6:4, 6:4. Der Kanadier spielt als Nächstes gegen Djokovic-Bezwinger Sam Querrey.

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