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Wimbledon : Andy Murray ist zum zweiten Mal der Rasenkönig

  • -Aktualisiert am

Sei geküsst: Andy Murray mit dem begehrten Pokal Bild: Reuters

Britischer Heimsieg in Wimbledon: Der Schotte Andy Murray begeistert das englische Publikum und holt sich zum zweiten Mal den Sieg auf dem heiligen Rasen. Im Finale ist der Kanadier Milos Raonic chancenlos.

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          Das perfekte Match gibt es nicht. Aber bei seinem zweiten Wimbledonsieg nach 2013 ist Andy Murray dem Optimum phasenweise doch ziemlich nahe gekommen. Der 29 Jahre alte Schotte spielte beinahe fehlerfrei und verzückte seine Fans auf dem Centre Court zudem mit zauberhaften Passierschlägen. Nach einer Spielzeit von 2:48 Stunden hatte Murray seinen kanadischen Gegner Milos Raonic 6:4, 7:6 (7:3), 7:6 (7:2) bezwungen, nachdem er ihn zuvor zermürbt hatte. Erst der Heimsieg des Formel-1-Weltmeisters Lewis Hamilton in Silverstone, dann wenige Stunden später Murrays Heimsieg in Wimbledon - der britische Sport hat an diesem Sonntag nach dem blamablen Scheitern der Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft wieder etwas, worauf er stolz sein kann.

          „Man muss Wimbledon erst verlieren, damit man es gewinnen kann“, sagte Tennis-Ikone Martina Navratilova. Das stimmt zwar nicht, weil Boris Becker, Michael Stich und einige andere nach ihnen ihr erstes Endspiel auf dem „heiligen Rasen“ gleich für sich entschieden haben. Aber ein bisschen Wahrheit steckt schon in dem Satz - vielen Premierengäste eines Finales wird ob der Größe des Momentes der Schläger schwer.

          Raonic enttäuschte zwar nicht, aber ganz frei schien er auch nicht zu sein. Der 25 Jahre alte Kanadier schlug weniger dominant auf als sonst und es unterliefen ihm einige leichte Fehler mit der Vorhand von der Grundlinie. Vor allem sein Spiel am Netz geriet nicht so zwingend wie sonst, weil Murray seine Slice-Angriffsbälle hervorragend las und zu Passierschlägen nutzte. Aber allein die Tatsache, dass sich der Aufsteiger des Jahres zweimal in den Tie-Break retten konnte, ohne seine Leistungsgrenzen auszuloten, verdeutlicht dessen ganzes Potential.

          In den Tie-Breaks geriet Raonic jeweils 0:3 in Rückstand, was schon die Entscheidung war. Denn Murray war nicht in der Stimmung, irgend einen Vorteil aus der Hand zu geben, er agierte wie ein Meister der Zielstrebigkeit und Konsequenz. Seine größte Leistung war es jedoch, die mächtigen Aufschläge seines Gegners so zu retournieren, dass Raonic nicht offensiv werden konnte. Der Kanadier gewann nur 67 Prozent der Ballwechsel nach seinem ersten Aufschlag, Murray 80 Prozent. Murray gelang es sogar, den zweitschnellsten in der Geschichte Wimbledons gemessenen Aufschlag von Raonic zurückzubringen und mit dem nächsten Schlag den Punkt zu gewinnen. Mit 237 Kilometern pro Stunde war der Ball auf ihn zugerast.

          Lendl lacht

          Die ganze Konzentration des Schotten wich erst nach dem Matchball. Als habe er nicht Zweidreiviertelstunden darauf hingearbeitet, sondern wäre plötzlich vom Erfolg überrascht worden, vergrub Murray die Hände ins Gesicht und schaute dann ungläubig nach oben in den Himmel. Dann verdrückte er ein paar Tränen. Das ist weniger erwähnenswert als das Lachen von Ivan Lendl - seinem Trainer. Der frühere Wimbledonsieger ist ein Stoiker mit der Mimik eines Buster Keaton.

          Den Schritt schneller: Murray beherrscht das Finale gegen Raonic

          Eine englische Zeitung machte sich den Spaß daraus, eine lange Fotostrecke von ihm mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck zu veröffentlichen. Wobei die Bilder Freude, Anspannung und Enttäuschung belegen sollten. Als Lendls Kopf bei der Siegerehrung von der Stadionkamera eingefangen wurde, war von seinem Lachen nichts mehr zu sehen. Ohne Zucken oder eine andere Regung hielt sein Blick dem penetranten Objektiv stand.

          Murray weint, Lendl lacht, zumindest kurz - aber es gab einen weiteren gefühlvollen Höhepunkt nach dem Triumph des schottischen Tennisspielers und zwar sein Smalltalk mit Kate, der Herzogin von Cambridge. Murray hatte nach ihren Glückwunschbekundungen den Nerv zu fragen: „Und wie war ihr Tag?“ Ihre schlagfertige Antwort: „Sehr gut, dank Ihnen.“

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