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Zverev-Aus in Wimbledon : Selbstvertrauen unter Null

  • -Aktualisiert am

Alexander Zverev scheidet schon in der ersten Runde aus. Bild: EPA

Alexander Zverev scheidet in der ersten Runde von Wimbledon gegen den Außenseiter Jiri Vesely aus. Die Verunsicherung auf dem Platz hat mit der Situation in seinem Umfeld zu tun.

          Endlich mal das Halbfinale in einem Grand-Slam-Turnier erreichen: Mit diesem Ziel war Alexander Zverev in diesem Jahr nach Wimbledon gereist Schon nach dem ersten Tag auf dem heiligen Rasen muss sich der 22 Jahre alte Tennisprofi auf das nächste Mal vertrösten. Bei seinem 17. Auftritt bei einem der vier großen Tennis-Turniere scheiterte die Nummer fünf der Weltrangliste am Montag am Tschechen Jiri Vesely 6:4, 3:6, 2:6, 5:7. Der 25 Jahre alte Linkshänder, an dem sich Zverev die Zähne ausbiss, wird in der Rangliste zwar nur als Nummer 124 geführt, gilt aber als ausgesprochener Rasenspezialist. Er stand in Wimbledon schon zweimal im Achtelfinale. Besser schnitt auch der Hamburger in Londons Südwesten noch nicht ab.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Ein Alexander Zverev in Normalform hätte dennoch gegen den 1,97 Meter großen Hünen gewonnen. Doch wie so oft in diesem Jahr verlor der Deutsche nach gutem Beginn den Faden. Und einmal in Bedrängnis, gelingt es ihm in dieser Saison nicht mehr, sich aus ihr zu befreien. Zverev fehlen das Selbstvertrauen und ein Matchplan, sobald sein starker erster Aufschlag nicht den gewünschten Erfolg bringt. Auch die Fähigkeit, ein Spiel zu lesen, scheint nicht sonderlich ausgeprägt. So schaffte es der fast zwei Meter große Profi nicht, sich auf den Aufschlag Veselys einzustellen. Immer wieder wurde er von dem auf seinen Körper gezielten Ball überrascht. Und auch in den Ballwechseln wurde der Deutsche häufiger vom Tschechen ausgespielt, als er Vesely vor unlösbare Aufgaben stellen konnte. Der Matchball stand beispielhaft für die Verkrampfung Zverevs. Er schlug nach guter Vorbereitung den Ball mit einem Rückhandvolley ins Netz.

          Zverevs Verunsicherung auf dem Platz hat mit der unübersichtlichen Situation in seinem Umfeld zu tun. Die wohlgeordnete Welt mit seinem Vater Alexander senior als Trainer und Boss, seinem älteren Bruder Mischa als Trainingspartner und freundschaftlichem Berater, seinem Manager Patricio Apey als Verbindung zur Finanzwelt und Prellbock zur Außenwelt sowie seiner Freundin ist durcheinander geraten. Von seiner Freundin trennte er sich zwischenzeitlich, mit seinem Manager hat er eine gerichtliche Auseinandersetzung wegen der geplanten Vertragsauflösung, sein Bruder hat weniger Zeit für ihn, weil er heiratete und Vater geworden ist und das Verhältnis zu seinem Vater ist nicht mehr so ungetrübt, wie es sonst immer war.

          Trennung von Manager belastet Zverev junior

          Alexander senior gab dem Wunsch seines Juniors nach mehr Eigenständigkeit nach, als er von ihm im vergangenen Herbst gebeten wurde, die Tennis-Legende Ivan Lendl als zusätzlichen Trainer zu verpflichten. Bis dahin bestimmte Zverev senior allein die Richtung, nicht mehr ganz so strikt wie in den ersten Jahren des Tennis-Familien-Projektes, doch immer noch ziemlich eindeutig. Mit Lendl existiert ein neuer Einfluss auf Zverev junior. Das Dreiecksverhältnis erwies sich als schwierig in der Umsetzung. Nach außen wahrte das Team Zverev die Haltung und den Schein, aber vereinzelt waren Unstimmigkeiten auf dem Trainingsplatz zwischen Papa Zverev und Lendl erkennbar und ein paar mehrdeutige Aussagen des Trainervaters über Lendl deuteten dessen Schwierigkeit an, nicht mehr die alleinige Richtlinienkompetenz zu besitzen. Und Alexander junior steht zwischen beiden, will es sich weder mit dem Vater noch mit der Tennis-Legende verderben. Die Schwierigkeit dabei: Die beiden Trainer-Koyphäen haben häufiger unterschiedliche Spielauffassungen und Lösungsansätze. Mittlerweile ist die Beziehung so angespannt, dass Lendl, der sein Engagement bei den Zverevs noch nie kommentierte, und Alexander senior sich aus dem Weg gehen. So verfolgte der Vater zuhause vor dem Fernsehschirm den missglückten Auftritt seines Sohnes in Wimbledon, anstatt ihn wie früher zu betreuen. Bei dem Vorbereitungsturnier in Halle reiste Vater Zverev ab als Lendl kam. In Paris war Papa Zverev dabei und Lendl fehlte.

          Noch mehr scheint Zverev junior jedoch die Trennung von seinem Manager Arpey zu belasten, die nicht gerade einvernehmlich von statten geht. Ohne den Namen des Managers zu nennen, sprach der Tennisprofi von Menschen in seinem Umfeld, die ihm in den letzten zwei Tagen sehr weh getan hätten. „Was gerade los ist, ist einfach abartig“, deutete er an und fügte hinzu: „Ich darf nichts Offizielles sagen.“ Er fühle sich mental angeschlagen, was sich auf sein Spiel auswirke. „Ich habe heute gegen Vesely nicht wegen Tennis verloren. Mein Selbstvertrauen ist unter null“, sagte der 22-Jährige. Zverev junior kündigte allerdings an, dass er die richtigen Schlüsse aus seiner Situation ziehen werde. „Ich muss die Dinge lösen, wenn ich wieder gut spielen will. Ich habe ein paar Monate bis zu den US Open, und es wird mir gelingen. Ich habe immer gesagt, dass ich bei den US Open meinen Durchbruch bei den Grand Slams haben werde.“

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