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Tennis in Wimbledon : Die Probleme beim großen Zverev-Projekt

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Alexander Zverev hat einen hohen Anspruch an sich selbst. Bild: dpa

Alexander Zverev soll der beste Tennisspieler der Welt werden. Doch im Moment stockt die Karriere des Talentes. Denn es gibt in seinem Spiel noch Aspekte, die er verbessern muss, um ein ganz Großer zu sein.

          Alexander Zverev versucht alles, seinem eigenen Anspruch zu genügen. Und der könnte nicht höher sein. Der 22 Jahre alte Hamburger Tennisprofi möchte schließlich die Nummer eins der Welt werden. Auf diesem Weg war er schon ziemlich weit gekommen. Nach dem Gewinn des ATP-Finales im vergangenen November in London kletterte Zverev auf Rang drei der Weltrangliste.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Seit seinem 12. Geburtstag, ordnen er und seine Familie alles seiner Entwicklung unter. Das Projekt „Alexander Zverev, bester Tennisspieler der Welt“ wird mit System, Knowhow, größtem Eifer und Ehrgeiz und aller Konsequenz verfolgt. Das Team, das den 1,98 Meter großen Schlaks unterstützt, ist groß, prominent und kompetent, zuletzt stieß Ivan Lendl dazu.

          Doch im Moment stockt die Karriere des Talentes, an der Börse würde man von einer Seitwärts-Entwicklung sprechen. Zverev wird in der Tennis-Hierarchie auf Platz fünf geführt, in der Jahreswertung liegt er auf Rang acht. Hervorragende Ergebnisse, die aber weder den eigenen Erwartungen genügen noch seinem Potential entsprechen.

          Was tun? Mehr trainieren geht kaum, Zverev gehört zu den Tennisprofis, die sich am besten quälen können. Anders trainieren erscheint auch nicht sinnvoll, da das Schlagrepertoire und die Athletik, die er sich in den endlosen Übungseinheiten aneignete, höchsten Maßstäben genügt. Was bleibt? Vielleicht würde es schon helfen, nur den Matches von Roger Federer zuzuschauen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

          Die so elegante wie inspirierte Spielweise des Schweizers ist zwar nicht kopierbar, das „goldene Händchen“ auch durch chirurgische Kunst nicht übertragbar. Aber wie es Federer gelingt, in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben, richtige Entscheidungen zu treffen und sich über Gegner doch noch hinwegzusetzen, die das Momentum zwischenzeitlich auf ihrer Seite haben, das lässt sich vortrefflich studieren.

          Zverev schied bei seiner Wimbledon-Generalprobe in Halle (Westfalen) im Viertelfinale gegen David Goffin in drei Sätzen aus, nachdem er den ersten Durchgang dank seiner überlegenen Durchschlagskraft diktiert hatte. Aber zu Beginn des zweiten Satzes verlor er die Kontrolle über seinen zweiten Aufschlag.

          Und nachdem er das erste Break hatte hinnehmen müssen, verlor er auch die Kontrolle über sein Spiel. Nach dem 1:6 ging er im dritten Satz zwar wieder in Führung, aber von der Selbstverständlichkeit seiner Schläge zu Beginn des Matches war nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Zverev kämpfte und quälte sich, aber Goffin holte sich ein zwischenzeitliches Break zurück und entschied den Tie-Break mit 7:3 sicher für sich.

          In der Analyse der Partie versteifte sich Zverev auf die positiven Aspekte. Dass er sich nach dem Einbruch gegen einen hervorragenden Gegner zurückgekämpft hatte und nur knapp verlor. „Da war viel Qualität im Spiel.“ Aber das traf den Kern nicht ganz. Am Ende blieb trotz der Klasse Goffins festzuhalten: Zverev musste eine Niederlage gegen einen substantiell unterlegenen Gegner hinnehmen. Ein Fortschritt war allerdings anzuerkennen. Der Deutsche behielt während der schwierigen Phase der Begegnung immerhin Fassung und Konzentration, was ihm sonst längst nicht immer gelingt.

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