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Wimbledon : Schön und schön talentiert - der Tennis-Teenie aus Tschechien

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Perfekte Kombination von Talent und Aussehen Bild: AP

Sie ist 1,81 Meter groß, hat lange blonde Haare, endlos lange Beine, die Figur und das Aussehen eines Models. Aber vor allem ist die Sechzehnjährige Nicole Vaidisova die größte Hoffnung aus dem Tennisstall von Nick Bolettieri.

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          Sie ist 1,81 Meter groß, hat lange blonde Haare, endlos lange Beine, die Figur und das Aussehen eines Models. Sie schlägt auf dem Tennisplatz von der Grundlinie erbarmungslos auf jeden Ball. Sie hat ihr Tennisspiel in der Akademie von Nick Bollettieri in Bradenton verfeinert. Sie wird auf der WTA Tour von ihrem Vater begleitet. Sie wird von IMG vermarktet und arbeitet gelegentlich als Fotomodell. Nein, die Rede ist nicht von der Russin Maria Scharapowa, der Wimbledonsiegerin von 2004, sondern von Nicole Vaidisova.

          "Nicole ist unserer Meinung nach die Zukunft. Sie ist genauso schön wie Maria und hat das Potential, genauso viel auf dem Tennisplatz zu erreichen", behauptet Dianne Hayes, die internationale Tennisdirektorin ihres Ausrüsters Reebok. Der amerikanische Sportartikel-Hersteller nutzte diese Vorzüge schon in einer Werbekampagne in den Vereinigten Staaten, in der die Pragerin wie ihr Kollege Andy Roddick, der Basketball-Star Allen Iverson und einige Entertainer in Magazinen und auf riesigen Werbetafeln die Botschaft aussendeten: "I am what I am."

          Aggressiv auf dem Platz und hart im Training

          Nicole Vaidisova ist, was sie ist: Ein sechzehnjähriger Teenager, der wie diese Anzeige verkündet, eines Tages die Nummer eins der Tenniswelt werden will. Aber eines ist sie ganz sicher nicht: Maria Scharapowa Nummer zwei, auch wenn sie (noch?) nichts dagegen hat, wenn man sie mit der Weltranglistenzweiten, die am Dienstag ihr Eröffnungsspiel in Wimbledon gegen die Spanier Nuria Llagostera Vives glatt 6:2, 6:2 gewann, vergleicht: "Es stört mich nicht sonderlich. Jeder wird mit irgend jemandem verglichen. Maria ist eine großartige Tennisspielerin, aber ich sehe nicht viele Ähnlichkeiten zwischen uns", sagte sie nach ihrem 6:3-, 3:6-, 6:3-Sieg gegen die Kroatin Jelena Kostanic . "Ich kenne Maria kaum. Wir sind uns in Bradenton fast nie begegnet. Maria ist schließlich zwei Jahre älter."

          Selbstbewußter Haudrauf: Sesil Karantchewa

          Auch wenn die Tschechin, die in Nürnberg zur Welt kam, alle Vergleiche zum derzeitigen Glamourgirl der Branche ablehnt, Bollettieri sieht die Parallelen: "Natürlich gibt es frappierende Ähnlichkeiten. Beide spielen extrem aggressiv. Beide haben diese typisch osteuropäische Mentalität. Sie sind bereit, sich bis zur Erschöpfung im Training zu quälen. Nicole bewegt sich extrem gut, aber derzeit ist Maria mental verständlicherweise härter. Nicole ist von meinen derzeit 270 Akademie-Schülern mit Abstand die mit der größten Perspektive."

          Jugend-Weltmeisterin mit 14 Jahren

          Vor allem deshalb, weil der 73jährige ehemalige Fallschirmjäger, der seit über einem Vierteljahrhundert Tennistalente formt, einen entscheidenden Unterschied sieht: "Nicoles größter Vorteil ist, daß ihr Stiefvater ihr Coach ist. Er ist ein großartiger Mann." Ales Kodat wirkt ob dieses Lobes fast verlegen. Der ruhige, fast schüchterne Mann gibt sich ganz anders als die oft rabaukenhaft agierenden Tennisväter: "Mein Aufgabe ist es nicht, Druck auf Nicole auszuüben. In erster Linie bin ich ihr Vater. Wir leben mit ihren beiden Brüdern in einem Haushalt, in dem Tennis kaum erwähnt wird. Außerhalb des Hauses bin ich ihr Coach, dessen Aufgabe es ist, ihr zu helfen, sie zu ermutigen und sie zu bestätigen." Als seine Stieftochter bei den French Open ihr Zweitrundenmatch gegen die Italienierin Francesca Schiavone verlor, ein Spiel, das sie eigentlich gewinnen mußte, zuckte er nur mit den Achseln und versicherte seiner Tochter, daß auch wieder bessere Tage kommen werden.

          Gute Tage auf dem Tennisplatz kennt Nicole Vaidisova von frühester Jugend an. Vor zwei Jahren wurde sie bei der Orange Bowl in Miami inoffizielle Jugend-Weltmeisterin - als Jüngste mit gerademal vierzehneinhalb Jahren in der Altersklasse bis 18 Jahre. Nach ihrem Übertritt ins Profilager wenig später gewann sie als erste Spielerin in der Geschichte schon im zarten Alter von 15 Jahren gleich zwei WTA-Turniere: in Vancouver und in Taschkent. Sie besiegte die vier Jahre ältere deutsche Hoffnung Anna-Lena Grönefeld zweimal in ihren beiden Duellen 2004 und 2005 ohne Satzverlust.

          Schlägerwürfe und Streitereien mit dem Schiedsrichter

          An ihrem 16. Geburtstag am 23. April dieses Jahres stand sie in der Weltrangliste auf Platz 49. Und hier wird es wieder Zeit, Vergleiche zu ziehen: Maria Scharapowa feierte ihr 16. Wiegenfest auf Platz 152 der Hackordnung. Auch andere Stars wurden in solch zarten Jugendtagen nicht so hoch eingestuft. Venus Williams war zu diesem Zeitpunkt auf Platz 184, Kim Clijsters auf Rang 192, Justine Henin-Hardenne 314 und Venus Williams auf 500. Derzeit wird Nicole Vaidisova auf Rang 33 geführt. In der Wimbledon-Setzliste taucht sie schon als auf Platz 27 auf, auch wenn es unwahrscheinlich ist, daß sie auf dem Rasen von Wimbledon über die dritte Runde hinauskommt; denn dort wartet vermutlich die russische US-Open-Siegerin Swetlana Kusnetsowa.

          Aber eines hat sich schon in Wimbledon gezeigt. Im Gegensatz zu den anderen osteuropäischen Starlets der WTA Tour, die ebenfalls Talent und fotogenes Aussehen vortrefflich kombinieren, wie die 17 Jahre alte Serbin Ana Ivanovic (auf Platz 21 der Weltrangliste), in Paris immerhin Bezwingerin von Amelie Mauresmo, oder die zwei Jahre jüngere Bulgarin Sesil Karatantschewa, die bei den French Open nach einem Erfolg über Venus Williams im Viertelfinale stand, oder die 19 Jahre alte Polin Marta Domaschowska (Rang 49), läßt Nicole Vaidisova ihrem Temperament auf dem Platz freien Lauf. Bei ihrem Wimbledon-Debüt fiel sie nicht nur mit knallharten Aufschlägen mit bis zu 190 Kilometern pro Stunde und ihrer an Ivan Lendl erinnernden Vorhand auf, sondern auch mit Schlägerwürfen und Streitereien mit dem Schiedsrichter: "Ich will immer unbedingt gewinnen. Selbst wenn ich im Monopoly verliere, bin ich stocksauer."

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