https://www.faz.net/-gtl-9d0rf

Sport-Kommentar : Grüße vom Winter

  • -Aktualisiert am

Skispringen im Sommer: Kamil Stoch macht es in der Schweiz vor. Bild: dpa

Diese Hitze! Wer nun genau schuld ist an diesem Wetter, man weiß es nicht. Die einen sagen: Özil. Die anderen sagen: der Klimawandel. Aber wollen wir denn jetzt wirklich Winter haben?

          Diese Hitze! Wer nun genau schuld ist an diesem Wetter, man weiß es nicht. Die einen sagen: Özil. Die anderen sagen: der Klimawandel. Ist letztlich auch egal. Wir alle müssen damit irgendwie zurechtkommen. Zum Zweitligaspiel in Darmstadt haben die Zuschauer am Sonntag einen Liter Wasser in Plastikflaschen mitbringen dürfen, was sonst genau so streng verboten ist wie im Handgepäck im Überlandflieger (der könnte im Übrigen auch schuld sein am Wüstenklima hierzulande). 39 Grad! Die Zuschauer fiebern bei Sportevents seit Wochen im wahrsten Sinne des Wortes mit, ob im Freien oder in der Halle, das macht keinen Unterschied mehr. Die Sportler samt Schiedsrichter hangeln sich von Trinkpause zu Trinkpause, und wer sich als Hobbyathlet noch auf die tägliche Lauf- oder Radstrecke wagt, hat entweder schon einen veritablen Sonnenstich erlitten oder legt das Ganze auf den frühen Morgen oder in die späte Nacht. Nun ist die Frage: Soll man klagen über die Hitze? Den Winter herbeisehnen? Die grauen Novembertage? Schlamm- statt Hitzeschlachten auf den Fußballplätzen? Kalte Füße? Glühweinstände?

          Oder ist dies einfach nur ein langer Urlaubssommer, der uns Marrakesch, Antalya, Valencia, Neapel und Bangkok quasi nach Hause bringt? Und die Anreise erspart.

          Kurze Trinkpause.

          Neuer Gedanke: Vielleicht sind ja die Fifa und ihr Pate Gianni Infantino schuld an der nicht enden wollenden Hitzewelle. Würde Sinn machen. Quasi als langfristige Vorbereitung von Spielern, Zuschauern und Bierbrauern auf die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 im sympathischen Sport- und Erdöl-Emirat Qatar. Von den Scheichs lernen, heißt Schwitzen lernen.

          Wer von der Hitze trotz allem die Nase voll hat, für den haben wir im Schweiße unseres Angesichts obiges Foto herausgesucht, als Vorbote des nächsten Winters gewissermaßen. Es zeigt den polnischen Skispringer Kamil Stoch beim Sommer Grand Prix in Einsiedeln in der Schweiz. Sein Ganzkörperanzug lässt einen erschaudern angesichts der Temperaturen, aber das Foto bietet doch auch einen Hauch von Hoffnung. Das Weiße am Himmel, wir erinnern uns vage, nennt man Wolken. Und wenn man sich jetzt noch etwas Weißes, sogenannten Schnee, auf den Bergen im Hintergrund vorstellt, so kommt man einer gedanklichen Abkühlung doch schon ziemlich nahe.

          Kurze Trinkpause.

          Wie sagt man doch so schön: Die Sieger des Winters, egal ob Skifahrer, Rodler oder Skispringer, werden im Sommer gemacht. Da werden die Grundlagen erarbeitet, da wird an der Technik geschliffen, da fließt der Schweiß in Strömen, in diesem Jahr mehr denn je. Die Ski- und Snowboardcracks verabschieden sich demnächst nach Neuseeland oder Südamerika in den dortigen Winter. Ob wir mit ihnen tauschen wollen?

          Kurze Trinkpause.

          Eigentlich nicht.

          Weitere Themen

          „Sonst wird es schwierig“

          Ansage von Lewandowski : „Sonst wird es schwierig“

          Torjäger Lewandowski heizt mit der dringenden Forderung nach weiteren Neuzugängen die Transferdebatte beim FC Bayern München weiter an. Gesucht wird vor allem ein offensiver Flügelspieler.

          Topmeldungen

          Made in Space : Eine Fabrik im Weltraum

          Die Vereinigten Staaten wollen zurück zum Mond. Dabei sollen private Unternehmen helfen. Ein Partner der Raumfahrtbehörde Nasa ist auf 3D-Druck im All spezialisiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.