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Skispringen : Wie lange hält der Zauber eines Skispringers?

  • -Aktualisiert am

„Harry Potter” aus der Ostschweiz: Simon Ammann Bild: AP

Nach seinen beiden Goldmedaillen verzaubert Simon Ammann, der Harry Potter auf Sprungskiern, die olympische Welt. Doch die Halbwertszeit der Helden ist kurz.

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          Ruhm ist vergänglich, das gilt im richtigen Leben ebenso wie im Sport. Besonders kurz ist die Halbwertszeit für Helden im Skispringen.

          Nach den beiden Einzelspringen bei den Olympischen Spielen schwärmt alle Welt von Simon Ammann, dem Harry Potter der Skischanzen aus der Ostschweiz. Nicht nur seine großartige sportliche Leistung und seine Vorgeschichte, sondern auch seine witzige Art und nicht zuletzt sein Aussehen erinnert an den Zauber-Lehrling aus der Bestseller-Serie.

          Malysz verlieh den Polen Flügel

          Im vergangenen Jahr war es ein schmaler schweigsamer Schnurrbartträger, der seinem ganzen Land Flügel verlieh. Adam Malysz, optisch ein Wiedergänger von Jens Weißflog, machte Skispringen in Polen populärer als den Papst. Praktisch aus dem Nichts war er bei der Vierschanzentournee 2000/2001 zum Überflieger empor geschnellt.

          Nur Insider erinnerten sich, dass er schon Jahre zuvor im Weltcup aufgefallen war, ehe ihn Hochzeit und Vaterschaft unter einen anderen Leistungsdruck setzte, der ihm die Konzentration auf den Sport nahm.

          Hannawald machte sein Zeug

          In diesem Jahr liegt es keine sechs Wochen zurück, da verzauberte Sven Hannawald die Skisprungfans aus Deutschland und der Welt, als er bei der Vierschanzentournee in unnachahmlicher Art „sein Zeug machte“ und alle vier Springen nacheinander gewann. Auch hier war der Stoff, aus dem die Storys gesponnen wurden, drehbuchartig.

          Aus dem am Rande der Magersucht stehenden ehemaligen Skiflugweltmeister, der das Fliegen verlernt hatte; dessen größter Erfolg es war, „als er wieder ein Leberwurstbrot aß“, wie Heimtrainer Steiert in einer stillen Stunde berichtete, war übernacht unser aller „Hanni“ geworden, von dem die Mädchen schwärmten, wie einst von Martin Schmitt.

          Der erste Popstar landet keinen Hit mehr

          Was macht der eigentlich? Um Martin Schmitt ist es verdächtig ruhig geworden in den vergangenen Wochen. Er springt zwar ein Top-Ten-Resultat nach dem anderen heraus, auch bei den Olympischen Spielen mit den Plätzen sieben und zehn, doch dem ersten Popstar der Schanzen-Szene will kein richtiger Hit mehr gelingen. Der vierfache Weltmeister von 1999 und 2001, der auf der Höhe seines Erfolgs in Promi-Talk- und Late-Night-Shows zu Wort kam, steht im Schatten seiner selbst und der anderen Stars.

          „Man muss vor Martin den Hut ziehen“, sagt Bundestrainer Heß, der den Hype um seine Schützlinge stets mit gemischten Gefühlen beobachtet, „wie er diese schwierige Situation meistert.“

          Wie lange hält der Zauber?

          Schmitt hat Knieprobleme, „beim Anlauf und bei Landung tut's weh.“ Außerdem stimmt sein Timing beim Absprung nicht. „Mal zu früh, mal zu spät“, rätselt er. Doch so genau wollen es die wenigsten wissen - sie wenden sich den neuen Helden zu.

          Für Martin Schmitt ist dies eine bittere Erfahrung und eine Chance gleichermaßen. Schließlich gehört zur vollständigen Story der neuerliche Aufstieg nach dem Fall. Es ist ihm ebenso zu wünschen, wie Simon Ammann, dass er auf dem Teppich bleibt. Wer weiß schon, wie lange der Zauber hält?

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