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: Wie kommen Sportler mit Chinesen in Kontakt?

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Frankfurt. Viel ist über die Meinungsfreiheit in China gesprochen worden, seit der Tibet-Konflikt im Frühjahr wieder aufflammte und der von den chinesischen Organisatoren als Imagereise geplante Fackellauf zum Ziel von Protesten wurde.

          Frankfurt. Viel ist über die Meinungsfreiheit in China gesprochen worden, seit der Tibet-Konflikt im Frühjahr wieder aufflammte und der von den chinesischen Organisatoren als Imagereise geplante Fackellauf zum Ziel von Protesten wurde. Es blieben Bilder im Gedächtnis, auf denen Londoner Polizisten mit chinesischen Sicherheitsleuten rangeln, und etliche deutsche Sportler sagten ihre Meinung dazu. Fechterin Imke Duplitzer will aus Protest der Eröffnungsfeier fernbleiben, vielen anderen war bange vor einem Boykott, sie verwiesen auf ihren Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen. Sören Mackeben, Kapitän der Wasserball-Nationalmannschaft, wollte zunächst in einem orangefarbenen Bademantel für Tibet demonstrieren und nahm öffentlich Abstand von dem Vorhaben, als er sich "besser informiert" hatte. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sicherte jedem Sportler seine individuelle Meinungsfreiheit zu - außerhalb der olympischen Stätten, die frei von politischen Äußerungen zu bleiben haben.

          Der Rahmen ist abgesteckt, in dem der völkerverbindende Geist der Spiele, den IOC-Vizepräsident Thomas Bach beim Symposion "Zwänge, Chancen, Strategien: Sport und Politik vor den Olympischen Spielen in Peking" der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) betonte, Ausdruck finden darf. Auf Verständigung hofft Bach, und die "ist nur möglich, wenn man bereit ist, in einen Dialog zu treten", sagte er.

          Doch ein solcher Dialog mit chinesischen Sportlern und Pekinger Bürgern könnte schwierig werden für die deutschen Athleten: "Es ist illusorisch, zu glauben, die Sportler könnten mit Chinesen in Peking kommunizieren - dazu können chinesische Sportler und erst recht Pekinger Bürger viel zu wenig Englisch", sagte Thomas Heberer, Professor für die Politik Ostasiens an der Universität Duisburg-Essen, bei der DOA-Veranstaltung. Schwierig könnte sich die Kontaktaufnahme gestalten, da es "Chinesen sehr wichtig ist, sich richtig auszudrücken. Deshalb tendieren sie dazu, unter sich zu bleiben." Der Politikwissenschaftler Heberer hält die Vergabe der Spiele nach Peking für "richtig und sinnvoll". 1977 arbeitete er erstmals als Übersetzer in Peking, seither forscht er beinahe jedes Jahr mehrere Monate in China. Die Verbesserungen in der chinesischen Gesellschaft seit Ende der Mao-Ära nennt er "in der Geschichte einmalig". Appelle oder Kritik an China durch deutsche Athleten während der Spiele aber würden ungehört verhallen, sagt Heberer. "Das wird in China niemand sehen, also wird es auch niemanden mobilisieren." Schlechte Aussichten für Sportler, die nicht nur mit ihren Wettkämpfen China verändern wollen.

          Knapp einen Monat vor den Olympischen Spielen sieht Heberer auch bei den chinesischen Behörden Unsicherheit im Umgang mit den Ausländern: "Das hat zu der sehr restriktiven Visapolitik geführt und zu den Umweltmaßnahmen gegenüber Autofahrern und Unternehmen, die fast eine Überreaktion sind." Ebenso sei es im Umgang mit den ausländischen Medien, da die Behörden "fragmentiert" seien. "Da hat die Zentralregierung wenig Einfluss auf lokale Behörden", so Heberer. Ein gutes Beispiel sei die Behinderung eines ZDF-Teams an der Chinesischen Mauer Anfang des Monats, das trotz Genehmigung von lokalen Sicherheitskräften am Dreh gehindert wurde. Die chinesische Regierung entschuldigte sich anschließend für die Unannehmlichkeiten.

          Heberer erwartet, dass die Gastgeber Kommunikationsprobleme durch "ein Vielfaches an der ohnehin großen Freundlichkeit" überspielen werden. "Die Chinesen wissen, dass sie hervorragende Gastgeber sind - das wird die Besucher mitreißen." Durch einen guten, friedlichen Verlauf der Spiele könnten sich gemäßigtere Kräfte in der chinesischen Politik womöglich wieder stärker durchsetzen. Weniger könnte mehr sein - vielleicht legte Thomas Bach beim DOA-Symposion deshalb Wert auf die Feststellung, dass die Meinungsfreiheit auch das Recht zu schweigen beinhalte. Christoph Becker

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