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Wetter : Nicht zum Lachen: Wetterfühligkeit

  • -Aktualisiert am

Kopfschmerzen: Symptom der Wetterfühligkeit Bild: Arndt/STOCK4B

Dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Wetter und Wohlbefinden ist wissenschaftlich gesichert.

          Der Frühling beginnt mit einer Regenperiode und Sie haben mal wieder Kopfschmerzen. Und Sie wissen auch warum: es ist der Wetterumschwung.

          Auch wenn die lieben Kollegen lästern: Sie sind keine Mimose, sondern wetterfühlig. Das hätte Ihnen schon Hippokrates bestätigt, genau wie der Biometeorologe Peter Höppe vom Institut für Arbeits- und Umweltmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

          Zusammenhang zwischen Wetter und Wohlbefinden

          Aber obwohl zwischen diesen beiden Experten 1500 Jahre liegen, weiß man noch immer nicht genau, woher sie kommt, die Wetterfühligkeit. Nur dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Wetter und Wohlbefinden ist wissenschaftlich gesichert. (Das können Sie den lieben Kollegen gern weitersagen).

          Beeinträchtigt das Wohlbefinden: das Wetter

          Vor kurzem veröffentlichten Höppe und das Allensbach-Institut die Ergebnisse einer Wetterfühligkeit-Umfrage: mehr als jeder Zweite empfindet einen Einfluss des Wetters auf sein Wohlbefinden. Frauen mehr als Männer, Norddeutsche mehr als Süddeutsche - womöglich wegen des im Norden unbeständigeren und kälteren Klimas - und Selbständige weniger als Angestellte (vielleicht, weil sie glauben, sich Wetterfühligkeit weniger „leisten“ zu können?).

          Häufig Kopfschmerzen und Migräne

          Die häufigsten Symptome sind Kopfschmerzen und Migräne. Danach kommen Abgeschlagenheit und Erschöpfung, Müdigkeit und eine eingeschränkte Aktivität, schließlich Gelenkschmerzen. Wann treten diese Beschwerden auf? Meist bei stürmischem oder nasskaltem Wetter oder bei Föhn.

          Wer chronisch krank ist, leidet unter der Witterung eher als ein Gesunder. Der Biometeorologe und sein interdisziplinäres Forschungsteam haben Hinweise auf zwei Faktoren gefunden, mit denen die Wetterfühligkeit zusammenhängen könnte: mit niederfrequenten Luftdruckschwankungen und den „Sferics“ (elektromagnetische Impulsstrahlung).

          Was sind niederfrequenten Luftdruckschwankungen?

          Die niederfrequenten Luftdruckschwankungen kommen bei jeder Wetterlage vor, lassen sich aber mit einem normalen Barometer gar nicht messen. Frühere Forschungen haben bereits gezeigt, dass diese Schwankungen Herzfrequenz, Körpertemperatur und Blutdruck beeinflussen könnten.

          „Sferics“ kommen bei elektrischer Entladung in den Wolken vor, zum Beispiel bei einem Gewitter: bei jedem Blitz entstehen elektromagnetischen Impulsstrahlungen. Die oberen Schichten der Atmosphäre wirken wie ein „elektrischer Spiegel", und deshalb breiten sich die Sferics auch über den Horizont hinaus aus und sind über eine Entfernung von tausend Kilometern hinweg noch nachzuweisen.

          Gehirn verändert bei Gewitter seine Aktivität

          Die elektrischen Anteile der Strahlungen werden von Gebäuden abgeschirmt, die magnetischen dringen auch in Häuser ein und entfalten ihre Wirkung auf die Bewohner.

          Schon vor vier Jahren haben die Psychologen Anne Schienle und Rudolf Stark von der Uni Gießen in einer Studie festgestellt, dass das Gehirn bei einem nahenden Gewitter seine Aktivität verändert. Das EEG der rund 200 Versuchspersonen, die einem simulierten Gewitter ausgesetzt wurden, zeigte diese Veränderungen in den sogenannten Alpha- und Beta-Bändern.

          Wetterfühlige Menschen schwingen nach

          Sie waren im EEG auch nach „Abschalten“ des Gewitters noch länger als eine Viertelstunde zu sehen. „Interessanterweise“, so die beiden Psychologen in der Pressemitteilung, „schwingen Menschen, die sich selbst als wetterfühlig einschätzen, noch länger nach als andere Personen. Bewusst ist ihnen die Reaktion ihres Gehirns allerdings nicht.“

          Da die Betroffenen auf eine wissenschaftliche Erklärung der Zusammenhänge von Wetter und Gesundheit noch warten müssen, gibt es bisher auch keine Medikamente, auf die sie zurückgreifen könnten.

          Organismus trainieren, Kopfschmerzen ernst nehmen

          Vorerst bleibt nur, möglichst gesund zu leben, viel an die Luft zu gehen, um die Anpassungsfähigkeit des Organismus an Klimareize neu zu trainieren (die beim ständigen Aufenthalt in künstlichen Klimaräumen wie Wohnungen und Büros verlorengeht), sich zu bewegen, genügend zu trinken, und schließlich für ausreichend Schlaf und die nötige Entspannung im Alltagsstress zu sorgen.

          Vor allem aber: nehmen Sie nicht das Gelästere der Kollegen, sondern sich selbst und die Kopfschmerzen ernst, gehen Sie nach Hause gehen und legen Sie sich hin - basta.

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