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Wembley-Stadion : Teurer Tempel

  • Aktualisiert am

Zukunftsvision: Das neue Wembley-Stadion Bild: dpa

Ein Kredit durch die Westdeutsche Landesbank macht es möglich: Der Neubau des berühmten Wembley-Stadions beginnt am Montag.

          Nach langem Hin und Her beginnt am Montag endlich der Bau des neuen Wembley-Stadions. Das neue Londoner Stadion wird zur teuersten Fußball-Arena der Welt. Der englische Verband (FA) gab bekannt, dass nach sechsjähriger Verhandlungsdauer alle Verträge für den Stadion-Neubau im Nordwesten der englischen Hauptstadt unterschrieben sind. Demnach verschlingt der Bau der 90. 000 Sitzplätze fassenden Arena rund 1,2 Milliarden Euro.

          „Wir glauben, dass wir das schönste Stadion der Welt haben werden“, sagte FA-Präsident Adam Crozier. Architekt Sir Norman Foster, der auch für den Umbau des Reichtages in Berlin verantwortlich zeichnete, verspricht eine „Kathedrale des Fußballs“. Allerdings hat sich das Budget seit dem ersten Entwurf 1996 auf das Dreifache gesteigert.

          Kredit der Westdeutschen Landesbank

          Das englische Nationalstadion stand seit dem WM- Qualifikationsspiel zwischen England und Deutschland am 1. Oktober 2000 (0:1) leer, weil die Frage der Finanzierung des Umbaus nicht geklärt war und immer wieder Änderungen an den Bauplänen von Reichstags-Architekt Lord Norman Foster vorgenommen wurden.

          Der Triumphbogen der Arena

          Ein Teil der Baukosten von mehr als 750 Millionen Pfund (1,2 Milliarden Euro) wird mit Hilfe eines Darlehens von 426 Millionen Pfund (682 Millionen Euro) durch die Westdeutsche Landesbank gedeckt.

          Farce ohne Ende

          Ob die Farce um den Fußball-Tempel in Wembley, der mit dem WM- Endspiel von 1966 zwischen England und Deutschland (4:2) und dem berühmten dritten Tor durch Geoff Hurst in der Sportgeschichte beider Länder verwurzelt ist, ein Ende gefunden hat, wird in England als völlig offen betrachtet.

          Vor sechs Jahren war Wembley von der britischen Regierung offiziell zum Nationalstadion erklärt worden und hatte damit die Konkurrenz aus Birmingham und Coventry geschlagen.

          Triumphbogen statt Zwillingstürme

          Doch damit begann erst das Theater. Weil die Baupläne einen Abbruch der Zwillingstürme, dem Wahrzeichen Wembleys, vorsahen, entstand ein Aufschrei der Entrüstung. Erst recht, als der damalige Sportminister Chris Smith den Denkmalschutz für sie aufhob. Die Zwillingstürme sollen nun durch einen „Triumphbogen“ ersetzt werden. Dieser 133 Meter hohe Bogen wird das Bauwerk überragen.

          Massive Kritik kam später auf, als die FA - mittlerweile Eigentümer des Stadions - die Pläne für eine Leichtathletik-Laufbahn fallen ließ. Damit würden Großbritanniens Chancen bei einer Kandidatur für die Olympischen Sommerspiele vermindert, kritisierten Abgeordnete aller Parteien und das britische Nationale Olympische Komitee.

          Mobile Leichtathletik-Anlage

          Bereits im Oktober 2001 musste London die Austragung der Leichtathletik-WM 2005 zurückgeben, weil die Regierung einen dafür notwendigen Stadionbau nicht finanzieren wollte.

          Auf Druck der Regierung ist in den Bauplänen nun vorgesehen, dass eine mobile Leichtathletik-Anlage installiert werden kann. Diese Zusatzkonstruktion ist äußerst kostenspielig.

          So teuer wie der Millennium-Dom

          Nach den Plänen in London sollen die Bauarbeiten im April 2006 beendet sein. Wegen der bisherigen Verzögerungen wird dieser Termin in England aber bezweifelt. Zudem ist damit zu rechnen, dass die Baukosten noch ansteigen werden.

          Fast alle englischen Medien wiesen in den letzten Tagen daraufhin, dass das neue Wembley-Stadion schon jetzt so teuer ist wie der Millennium-Dom, der Milliarden teure Flop der britischen Labourregierung im Londoner Stadtteil Greenwich.

          Explodierende Kosten

          Kritiker führten an, dass selbst in Großbritannien andernorts moderne Sportarenen billiger entstanden: Das 75.000 Zuschauer fassende Millennium-Stadion in Cardiff zum Beispiel, wo die letzten beiden Endspiele im FA-Cup stattfanden, kostete nur 190 Millionen Pfund (304 Millionen Euro). Auch die Kosten für das neue, 65 000 Zuschauer fassende Stadion von Arsenal London ist nur mit 300 Millionen Pfund veranschlagt.

          Die Schwindel erregenden Kosten für den Bau des neuen Wembley- Stadions setzten sich wie folgt zusammen: 352 Millionen Pfund reine Baukosten, 120 Millionen Pfund für Landkauf, 50 Millionen Pfund für Infrastruktur-Maßnahmen, 23 Millionen Pfund für den Abbruch der alten Arena, 40 Millionen Pfund für Entwicklungs- und 80 Millionen Pfund für die Finanzierungskosten sowie 85 Millionen Pfund an Gebühren für Anwälte und Bankiers. Allein für den letzten Betrag könnten sich viele englische Zweitligisten zwei Stadien bauen.

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