https://www.faz.net/-gtl-2es3

Weltfußballer : Der Favorit: Luis Figo

  • Aktualisiert am

Figo: „Ich bin schon der teuerste Spieler der Welt, ohne dass es mich interessiert.” Bild:

          Luis Figo zeigt selten Emotionen, ist eher schüchtern und zurückhaltend. Doch was zu viel ist, ist zu viel: „Das war definitiv das kurioseste und verrückteste Jahr meiner Karriere“, sagt der portugiesische Star von Champions-League-Sieger Real Madrid über die letzten zwölf Monate.

          Denn Luis Felipe Medeira Caerio schlugen in den vergangenen zwölf Monaten gleichzeitig Wogen von Hass und Euphorie entgegen, die selbst einen so besonnenen 28-Jährigen ins Trudeln bringen können. Auslöser war sein spektakulärer Wechsel vom FC Barcelona zum Erzrivalen Real Madrid. Nach Portugals unglücklichem Halbfinal-Aus bei der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden zahlten die „Königlichen“ für Figo 116 Millionen Mark und machten den „besten Spieler überhaupt“ (Jupp Heynckes) auch zum Teuersten.

          Etappensieger Figo

          Figo kommentierte den Mega-Deal eher nüchtern: „Das Leben ist wie die Tour de France: Es besteht aus Etappen.“ Doch zu Beginn der Etappe in Madrid musste er feststellen, dass auch knapp eine Million Mark Monatsgehalt durchaus zu Schmerzensgeld werden kann. Bei seinem ersten Auftritt mit Real beim FC Barcelona musste er um sein Leben fürchten. Die Katalanen empfingen den verlorenen Sohn mit Wurfgeschossen und Hass-Tiraden. „Judas ist an deiner Seite ein Amateur“, war die Aufschrift eines Plakates. Der portugiesische Verband sagte nach den Vorfällen im Estadio Nou Camp kurzerhand ein Länderspiel der Nationalmannschaft in Barcelona ab.

          Im heimischen Madrid versucht Figo, mit seiner schwedischen Freundin Helen Svedien und Töchterchen Daniela (18 Monate), ein normales Leben zu führen - bislang ohne Erfolg. Journalisten- und Fan-Aufläufe sind unumgänglich, wann immer er seine Villa im Nobelviertel Pozuelo del Monte oder das Trainingsgelände verlässt.

          Von der armen Seite des Tejo zum Multimillionär

          Von solchem Trubel konnte Figo früher nur träumen. „Ich bin auf der armen Seite des Tejo geboren. Im Arbeiterviertel Almada gab es keinen Fußballklub“, sagt er. So musste der Knirps zum Kicken auf die andere Seite des Flusses und begann seine Karriere bei Sporting Lissabon. Und diese Karriere führte steil nach oben: Früh bekam er einen Profi-Vertrag und kaufte seinen Eltern vom ersten großen Geld ein Haus.

          Mit 16 Jahren wurde er Jugend-Weltmeister, mit 17 Junioren-Weltmeister. 1995 wechselte er nach Barcelona - für fünf Millionen Mark. Allein Figos starker rechter Fuß ist spätestens nach seinen Gala-Auftritten bei der Euro, wo er sein Land bis ins Halbfinale gegen den späteren Turniersieger Frankreich (1:2 nach Verlängerung) führte, um ein vielfaches teurer. 120,8 Millionen Mark muss ein englisches Versicherungsunternehmen zahlen, wenn der Portugiese wegen Unfall oder Verletzung seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

          Die festgeschriebene Ablösesumme für den Liebhaber deutscher Sportwagen liegt bei 380 Millionen Mark, der Vetrag bei Real läuft bis 2006. Kein Grund für die Real-Bosse, sich in Sicherheit zu wähnen. Denn selbst Multi-Millionär Figo hat noch Träume: „Wenn ich noch die Kraft dazu habe, werde ich in meiner Karriere auch noch in England spielen.“

          Am Montag in Rom, bei der Bekanntgabe der Wahl zum Welt-Fußballer des Jahres, gilt der Portugiese als Favorit.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.