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Wassersport : Übung macht den Meister: Schwimmen wie die Profis

  • -Aktualisiert am

Elegantes Bahnen ziehen erfordert technische Grundlagen Bild: kruell/laif

Im Schwimmseminar wird fast jeder mit effektivem Techniktraining und anschließender Videoanalyse zu einem „Herr des Wassers".

          Als wir am Abend mit den Lieben daheim noch einmal die Videokassette ansehen, lachen wir gemeinsam über einen Mann, der sich wie ein Frosch durchs Wasser wühlt und glaubt, er würde schwimmen.

          Mühsam sieht es aus, der Körper hängt im Becken, als wäre er ein Treibanker, die Arme schleifen leb- und kraftlos durchs Wasser und beim Luftholen erinnert der Kopf an ein auftauchendes U-Boot. Wir haben nicht untertrieben, als wir uns vor diesem Seminar als schweren Fall ankündigten.

          Der Frosch lernt schwimmen

          „Das kriegen wir schon hin“, sagt Schwimm-Trainerin Annette Gasper mit der ganzen Überzeugungskraft einer Frau, die es gewohnt ist, schwere Fälle zu betreuen. Ein paar Mal müssen wir für die Videoaufnahmen durchs Becken kraulen. Bei der letzten Bahn werden die Anzahl der Armzüge für fünfzig Meter gezählt: 38. Das ist nicht nur viel, sondern eine Katastrophe. Zwei Stunden später wird wieder gezählt: 30. Das ist zwar immer noch Kreisklasse, aber trotzdem eine kleine Verbesserung.

          Und es fühlt sich auch besser an. Keine Atemnot mehr beim Anschlagen an den Beckenrand, keine bleischweren Arme und ein bißchen das Gefühl vom Gleiten haben wir auch. Der Frosch hat schwimmen gelernt. Vor vier Jahren haben die Schwimmtrainer Steve Tarpinian und Annette Gasper damit begonnen, in Deutschland Seminare anzubieten.

          Übungen werden Drills genannt - nicht ohne Grund

          Ihre Veranstaltungen sind dreimal im Jahr: in Kona auf Hawaii, München und Darmstadt. Auf dem Programm stehen Technikübungen, harte Trainingsarbeit und Videoanalyse. „Das ist kein Kindergeburtstag hier“, mahnt Tarpinian im Darmstädter Schul- und Trainingsbad mit einem der wenigen deutschen Sätze, die er beherrscht. Arbeitsteilung: Vom Beckenrand aus beobachtet er die Schützlinge sehr aufmerksam, während Annette Gasper mit den Auszubildenden das Einmaleins des Schwimmens büffelt.

          Die Stilübungen heißen hier nicht umsonst Drills - nur wer hart arbeitet, wird auch belohnt. Steve Tarpinian lehrt die Rotation des Körpers aus der Hüfte um die Körperlängsachse. Ist also der rechte Arm ausgestreckt, wird entsprechend die Hüfte auf der rechten Seite Richtung Wasseroberfläche gedreht. Das Ziel: Längere Züge, kraftvollere Züge, bessere Stromlinienform. Klingt logisch. Und ist schwer.

          Stilistische Feinarbeit über und unter Wasser

          Wir müssen im tiefen Wasser stehen, an den Füßen kurze Flossen, die Hände angelegt und nur mit vertikalem Beinschlag den Untergang verhindern. Dann die sogenannte Korkenzieherübung: Die Hände liegen an den Oberschenkeln, Bauchlage, Kopf im Wasser, Beinarbeit wie eben gelernt. Auf Kommando drehen wir uns auf die Seite, ein Arm ist ausgestreckt, der Kopf ruht darauf, das Gesicht ist halb unter Wasser, nur vom Beinschlag angetrieben kommen wir voran.

          Kerzengerade, trotz Seitenlage. Wir sind verblüfft. Annette Gasper auch, weil wir so schnell Fortschritte machen. Es folgen die üblichen Belehrungen, doch unter Wasser gut auszuatmen, beim Einatmen den Kopf nur leicht zur Seite zu drehen und die Übungen mit einem Arm gestreckt auf dem Schwimmbrett, damit der andere ordentlich Vortrieb erzeugen soll.

          Auf die Praxis folgt die Theorie mit "Aha-Effekt"

          Nach gut zwei Stunden sind wir erschöpft, freuen uns auf ein Brötchen und den zweisprachigen Theorieteil, in dem es auf jede Frage eine Antwort gibt. Wir werden belehrt, bei Stilübungen immer nur auf ein technisches Element zu achten, sonst gibt es Verwirrung. Allerdings. Schön ist auch das Bild, das Steve Tarpinian benutzt, um die Notwendigkeit eines abgewinkelten Ellenbogens (um 90 Grad Richtung Boden) bei der Zugbewegung zu beschreiben.

          Hand und Unterarm bilden demnach ein großes Paddel, mit dem man sich vom Wasser abdrückt. Ist die Hand auf Höhe der Schulter angekommen, beginnt die Rotation in der Hüfte. Jemand, der mit einem Paddel ein Boot antreibt, bewegt sich so ähnlich und wird niemals die Arme ausgestreckt lassen.

          Auch die Erklärung, warum man den Arm über Wasser nicht wie ein Windmühlenflügel betätigen soll, leuchtet ein: Je höher er aus dem Wasser ragt, umso größer ist der Hebel, der den ganzen Körper nach unten drückt. Wir nicken, notieren und glauben, daß uns neuerdings schwimmen richtig Spaß machen kann. Wenn wir lachen, wollen, dann gucken wir uns das Video an. Das mit dem Frosch.

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