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Wasserball-WM : Deutsches Wasserball-Team krasser Außenseiter

  • Aktualisiert am

WM-Ausfall Marc Politze (r): Klausuren schreiben statt Tore schießen Bild: dpa

Ohne Torjäger Marc Politze, der während der WM Uni-Klausuren schreiben muss, trifft das deutsche Wasserball-Team auf Griechenland, Kasachstan und Olympiasieger Ungarn.

          Das Comeback der deutschen Wasserballer in der Weltelite steht beim Weltchampionat im japanischen Fukuoka unter denkbar ungünstigen Vorzeichen. „Die anderen Nationen lachen über uns, weil wir unseren besten Torjäger zu Hause lassen müssen“, sagt Honorar-Bundestrainer Hagen Stamm.

          Der 41-Jährige aus Berlin kann es nicht fassen, dass Marc Politze von Waspo Hannover-Linden zur WM-Zeit Klausuren schreiben muss und von der Universität Hannover keine Freigabe erhielt. „Marc wird uns an allen Ecken und Enden fehlen.“ Anstelle von Politze will Stamm im Angriff den Spandauer Thomas Schertwitis oder den erst 20 Jahre alten Björn Kohle von Rote Erde Hamm einsetzen.

          Gruppen-Endspiel gegen Kasachstan

          „Es ist für uns deutlich schwieriger geworden, den elften Platz zu erreichen“, ist der zweimalige Europameister Stamm pessimistisch. Auch angesichts der „schwersten Vorrundengruppe“: Die Auswahl des Deutschen Schwimm- Verbandes (DSV), die bei der WM 1998 in Perth und auch bei Olympia in Sydney fehlte, muss gegen den EM-Siebten Griechenland (19. Juli, 3.30 Uhr MESZ), Kasachstan (21. Juli, 12.20) und Olympiasieger Ungarn (22. Juli, 9.30) antreten. „Unser Endspiel findet gegen Kasachstan statt“, sagt Stamm, dessen Vertrag am 30. August endet. „Aber wir wollen auch die Griechen ein wenig ärgern.“

          Platz elf ist das Minimalziel auf dem Weg in die Förderstufe zwei des deutschen Sports. Doch Stamm bangt: „Wenn wir gegen Kasachstan verlieren, ist die WM für uns im Prinzip schon nach zwei Tagen vorbei.“ Dann geht es nur um die Plätze 13 bis 16. Stamm fürchtet um die Investition von 180.000 Mark in die Reise nach Japan und um vergeudetes Potenzial seines Teams, „mit dem wir durchaus in die olympische Zukunft nach Athen blicken können“.

          Deutsche Wasserballer „schwimmen für die Hymne“

          Stamm hat mit mehreren Handicaps zu kämpfen. Im Vergleich mit der Weltklasse („Die machen zwölf Trainingseinheiten pro Woche, wir nur sieben“) schwimmen deutsche Wasserballer weit hinterher. Zudem „spielen meine Leute immer nur für die Nationalhymne. Das ist auf Dauer ernüchternd“. Das Geld kassieren die anderen.

          Insgesamt lediglich zwei Wochen Vorbereitung auf die EM im Juni in Budapest und die WM sind ebenfalls nicht gerade Erfolg versprechend. Der selbstständige Unternehmer Stamm fordert vom DSV Eigenvermarktung für die Wasserballer und sieht nach eigenem Bekunden Möglichkeiten, Sponsoren selbst zu finden. 250.000 Mark jährlich sollen in die Kasse fließen.

          Stamm will nach der WM über seine Zukunft nachdenken

          DSV-Präsidentin Christa Thiel signalisierte Entgegenkommen. „Wenn unsere Wasserballer gute eigene Ideen haben, kann ich mir vorstellen, die Vermarktungs- und Fernsehverträge frei zu geben.“ Dann könnten ein professionelleres Umfeld geschaffen und der Anreiz erhöht werden, für eine Wasserball- Karriere mehr zu tun. „1000 Mark pro Monat kann ich mir unter gewissen Umständen an Bezahlung für die Spieler schon vorstellen“, gibt sich Stamm überzeugt.

          Für den Präsidenten des deutschen Rekordmeisters Wasserfreunde Spandau 04 stellt sich noch in Fukuoka die Gretchenfrage. „Ich mache das Mal ein Jahr“, sagte Stamm bei seinem Amtsantritt am 1. September 2000. Er hat einen „irren Spaß“ an der Arbeit - aber er will bei seinem persönlichen Kraftakt auch Perspektiven haben. „Nach der WM habe ich viel Zeit, über meine Tätigkeit nachzudenken.“

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