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Von Beckenbauer bis Schily : Ballgeflüster

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Günter Netzer: „Ich kann nicht tanzen” Bild: F.A.Z. Kretzer

Gute Laune und Feiern bis zum Abwinken - Was die Prominenten auf dem Ball des Sports in Frankfurt zu erzählen hatten.

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          Gute Laune und Feiern bis zum Abwinken - Was die Prominenten auf dem Ball des Sports in Frankfurt zu erzählen hatten.

          Die Strapazen von der Knochenmühle Europameisterschaft waren den Handball-Nationalspielern Daniel Stephan und Christian Schwarzer nicht anzusehen. Beide gaben ihr Debüt beim Ball, und sie hatten sich einiges vorgenommen. "Heute gibt es keine Bettruhe", so bestimmte Schwarzer den Kurs, "wir bleiben, bis man uns rausschmeißt." Übrigens: Kollege Pascal Hens jubelte kurz nach Mitternacht über sein Glückslos, das ihm ein Auto im Wert von 24.985 Euro bescherte.

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          Für Bundesinnenminister Otto Schily begann der Abend mit dem Schreiben von Autogrammen für seine Anhänger. Dann kaufte er drei Tombola-Lose: zwei rote und ein grünes, wie es den Kräfteverhältnissen in der Bundesregierung entspricht. Pech gehabt! Die Siegerfarbe war weiß.

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          Franz Beckenbauer, zuletzt arg gebeutelt vom Pech mit seinem FC Bayern, stürzte sich sofort auf die Glückstrommel. "Ich überlasse nichts dem Zufall, ich habe gleich alle Farben gewählt." Und zwar doppelt und dreifach. Beckenbauer kaufte 25 Lose.

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          Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), freute sich über die Präsentation des Olympiabewerbers Leipzig. "Sie haben allen Sportlern, Funktionären, Freunden des Sports gezeigt, wie man mit Leichtigkeit die Herzen der Menschen gewinnen kann." Beim Kampf um die Ernennung zum Olympiakandidaten steht der Fecht-Olympiasieger als Botschafter des IOC beratend zur Seite. Zur Waffe greift er aber nicht mehr: "Ich habe seit meinem letzten Turnier 1980 in China nie mehr ein Florett in der Hand gehabt." Er ficht behende mit dem Wort.

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          Frank Busemann ist ein alter Hase beim Ball, was nichts an dem Vergnügen ändert, das ihm der Event stets bereitet. Der frühere Zehnkämpfer gehört zu den Menschen, die sich auch ohne Alkohol eine ganze Nacht lang amüsieren können. "Der Alkohol bleibt bei mir in der Pulle", sagte er, "mir schmeckt das Zeug einfach nicht."

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          Für Wolfgang Tiefensee war der Ball ein Pflichttermin. Der Leipziger SPD-Oberbürgermeister kommentierte hier die Krise an der Parteispitze und warb vor allem kräftig für Olympia 2012 in seiner Stadt. "Aber eigentlich bin ich gekommen, um Spaß zu haben", sagte er achselzuckend.

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          Sven Ottke, Box-Weltmeister im Supermittelgewicht, ist nicht wirklich der Meister seiner Klasse. Auf die Frage, ob er im nächsten Jahr noch mal als Profi zum Ball kommen würde oder lieber als Pensionär, wollte Ottke konkret antworten. Noch bevor er den Satz "Ich glaube nicht mehr als ..." beendet hatte, traf ihn ein Leberhaken seiner Frau Gabi. Ottke brach be- und getroffen ab: "Sie ist der Chef im Ring."

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          Post-Chef Klaus Zumwinkel verriet, daß er immer noch Briefe und Postkarten schreibt, aber keine SMS. "Die bekomme ich höchstens mal von den Kindern aus dem Ausland."

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          Für Klaus Steinbach hatte der Ball in diesem Jahr eine besondere Botschaft: "Olympia geht los, da ist der Ball eine Einstimmung auf die Spiele", sagte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Daß Steinbach auch Bundesinnenminister Otto Schily als Gast begrüßen konnte, war wohl auch so etwas wie ein Signal: für die Leipziger Olympiabewerbung. "Jetzt sind wir mitten im Zwischenlauf, und wir wollen in den Endlauf."

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          Für Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch hat der Leistungssport gerade in der Krise Vorbildfunktion: Die Lehre laute, daß "immer der gewinnt, der schneller läuft, der schneller handelt und eine bessere Idee hat". Und er selbst? Judo, Schwimmen und Tennis habe er früher betrieben. Bei einer 80-Stunden-Woche bleibe nun allerdings nur noch Zeit, gelegentlich den Schläger zu schwingen.

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          Günter Netzer kam aus der Tiefe des Raumes, er lief zum allerersten Mal beim Ball des Sports auf. Geradlinig, wie er ist, verriet er, daß Bälle ihm eigentlich ein Greuel sind. Warum? "Wie jeder gute, vernünftige Fußballer kann ich nicht tanzen. Die einzigen guten Fußballer, die das können, sind die Latinos."

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          Der Bankier Friedrich von Metzler hat schon als Kind verfolgt, wie einst Josef Neckermann in der Jahrhunderthalle den Ball des Sports eröffnete - darum findet er es gut, daß die Veranstaltung jetzt wieder in Frankfurt stattfindet. "Das hilft auch dem Finanzplatz."

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          Jürgen Hubbert, Vorstandsmitglied von Daimler-Chrysler und der Sporthilfe, hält bei aller Liebe zum Automobil gar nichts von der Idee, seine Formel-1-Boliden (McLaren-Mercedes) demnächst in ein olympisches Rennen zu schicken. "Man müßte ja überall Grand-Prix-Strecken bauen. Allerdings wäre das in Athen wohl nicht mehr nötig. Das ist ja der reinste Rennverkehr, wenn es sich nicht staut."

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          Ganz entspannt betrat Franziska van Almsick dieses Mal die Frankfurter Festhalle, anders als im vergangenen Jahr, als wegen einer Verspätung schon das Dinner zu Ende war. Der Berliner Schwimmstar kam in Begleitung ihres Freundes, des Magdeburger Handballspielers Stefan Kretzschmar. Von der Beziehungskrise, die vor ein paar Wochen die bunten Blätter füllte, war nichts zu spüren. "Das wird ein schöner Abend", so die prominente Spielerfrau, "ich verspreche mir sehr viel davon."

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          Ihre Aufmerksamkeit galt nur den Gästen: Ralf Euler, Anno Hecker, Winand von Petersdorff, Anke Schipp, Gerd Schneider und Christian Siedenbiedel.

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