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Volvo Ocean Race : Flaute macht "illbruck" zur Jägerin

  • Aktualisiert am

Am schnellsten aus der Flaute: „Assa Abloy” Bild: dpa

Die Rennyacht „illbruck“ ist vor dem australischen Bundesstaat Tasmanien in eine Flaute geraten und segelt als Fünfte dem Spitzenfeld hinterher.

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          Die Gejagte ist jetzt die Jägerin. Auf der dritten Etappe des weltumspannenden Volvo Ocean Race segelt die Leverkusener Rennyacht „Illbruck“ als Fünfte dem Spitzenfeld hinterher.

          Nachdem die Rennfavoriten am Samstag in einem Flautenloch hängen geblieben waren, hat sich der Abstand zur führenden schwedischen „Assa Abloy“ auf 16 Seemeilen vergrößert und wächst weiter. Die Skandinavier, die den ersten Abschnitt der Etappe von Sydney nach Hobart auf der Insel Tasmanien gewannen, segeln auf Siegkurs.

          "Assa Abloy" in Führung

          Der britische Skipper Neal McDonald und sein US-Navigator Mark Rudiger entschieden sich im Gegensatz zur Konkurrenz für eine nördliche Route und wurden prompt belohnt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag konnte „Assa Abloy“ ihren Vorsprung vor den Verfolgern mehr als verdoppeln.

          „Dieses Rennen ist noch lange nicht zu Ende. Wir werden zurückschlagen und uns wieder nach vorne kämpfen“, versprach „Illbruck“-Skipper John Kostecki in Hobart, wo die Flotte erstmals in der Geschichte der traditionsreichen Erdumrundung per Segelyacht einen dreieinhalbstündigen Stopp einlegte.

          Entscheidung fällt vor Auckland

          Die Leverkusener hatten die ersten beiden Etappen von Southampton/Großbritannien nach Kapstadt/Südafrika und von Kapstadt nach Sydney gewonnen. Die Entscheidung beim spannungsgeladenen dritten Abschnitt von insgesamt neun Etappen erfolgt vor Auckland. In der neuseeländischen „City of Sails“ wird die Flotte zum Ende der ersten Januar-Woche erwartet. Noch immer aber kommen die schnellsten sechs Boote der Flotte für den Etappensieg in Frage.

          Der „illbruck“-Skipper John Kostecki war am Samstag der erste, der das Erlebnis machte: Windstille vor Tasmanien. „Es war ausgesprochen frustrierend, als erste in das Flautenloch hineinzufahren“, berichtete Kostecki. Nichts war es mit einem weiteren deutschen Sieg. Stattdessen hat die schwedische Rennyacht „Assa Abloy“ das Sydney-Hobart-Race gewonnen.

          "Ein bisschen frustrierend"

          Die Leverkusener „illbruck“ hatte auf diesem ersten Teilabschnitt der dritten Etappe lange geführt. Die Mannschaft von US-Skipper John Kostecki musste zunächst mit Rang sechs zufrieden sein. „Das Malheur passierte nach mehr als 600 Seemeilen teils extremer Bedingungen nur rund 20 Seemeilen vor dem Ziel. Für rund acht Stunden war die „illbruck“ eingeparkt und bewegte sich kaum. „Zum Glück haben wir ja noch zwei Drittel vor uns“, so Kostecki weiter, „und auch solche Flauten gehören halt zum Hochseesegeln.“

          Selbst bei ein bis zwei Knoten Wind wurde mit diversen Segelwechseln um jeden Meter gekämpft. „Wir haben gearbeitet wie die Löwen“, meinte der Hamburger Tony Kolb, „auch wenn das bei fast totaler Flaute widersinnig klingt." Während die anderen Teilnehmer des Syndey-Hobart-Race den Zieleinlauf mit Bier und Champagner feierten, mussten sich die Weltumsegler mit Wasser und Cola zufrieden geben, zu denen Volvo Ocean Race-Chef Helge Alten persönlich ein paar Pizzas an Deck reichte.

          Ständchen und Sahnestücke

          Die strengen Pit-Stop-Regeln erlaubten den Mannschaften auch keinerlei Materialtausch, obwohl es einige Schäden gegeben hatte. Nur Navigator Juan Vila erhielt die Erlaubnis, von Bord zu gehen. Er musste zum Zahnarzt. Eine bösartige Schwellung entpuppte sich als Entzündung - zwei Zähne wurde gezogen. Bevor der geborene Spanier zurück an der Pier war, hatte der Holländer Dirk de Ridder schon seine Geburtstagstorte angeschnitten.

          Zum 29. gab es nicht nur Sahnestücke, sondern auch ein „Happy Birthday“-Ständchen der kleinen Gruppe mitgereister Fans sowie der eigenen Crewmitglieder. Der Leckerbissen schmeckte ihm nach eingehender Seekrankheit, wie sein Wachführer Mark Christensen von Bord berichtete, besonders gut. Auch die gegrillten Hähnchenschenkel, die letzten für eine weitere Woche auf hoher See, fanden reißenden Absatz.

          Rückblick auf die Turbulenzen

          In der wärmenden Sonne bei leichter Brise dachte die Mannschaft nochmals an den unheimlichen Wirbelsturm zurück, der sie in den ersten 24 Stunden des Rennens nur knapp verfehlte. „Ich war auf dem Vorschiff und nahm die Genua zwei so schnell es ging runter“, erinnerte sich Tony Kolb. „Das Wasser flog nur so durch die Luft. Wir wussten auch nicht, was wirklich passiert wäre, wenn wir da mitten rein geraten wären. Ich dachte schon an einen schlechten Film, in dem alles, wirklich alles hochgesogen wird.“

          Der Schwede Ludde Ingwal, Skipper der Maxi-Yacht „Nicorette“, die genau im Zentrum des Tornados war, erzählte von den schrecklichsten Minuten seinen Lebens: „Die Yacht lag ohne Segel mit dem Mast flach auf dem Wasser. Ich klammerte mich mit beiden Armen irgendwo fest, während die Beine vom starken Sog nach oben gezogen wurden. Es müssen 120 oder vielleicht noch mehr Knoten Wind gewesen sein.“

          Schäden an der "illbruck"

          Deutlich zu erkennen waren auch die Spuren an Bord der „illbruck“. Der Windanzeiger (Windex-Anlage) am Masttopp war nur noch ein Pfeil ohne Richtungswinkel, die Flicken am Großsegel hervorgehoben. Und es hatte wieder einen Wassereinbruch gegeben. „Es war wieder die Inspektionsluke im Bug“, sagte Kolb, „doch diesmal hatte sich der gesamte Rahmen gelöst.“

          Wieder musste der gelernte Bootsbauer eine Stück Bodenbrett aussägen - „das gerade zuvor ersetzte“, so Kolb augenzwinkernd - und mit Dichtmasse das Leck schließen, nachdem die Crew das Wasser ausgeschöpft hatte.

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