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Volleyball : TV-Bilder, Grabmale und geheime Investoren

  • -Aktualisiert am

Mit einem neuen Investor will die Volleyball AG neue Wege in der Vermarktung gehen, Fernsehbilder der Frauen-Bundesliga selbst produzieren und damit neuen Sponsoren gewinnen.

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          Wer im Internet auf die Homepage der Volleyball AG surft und dort auf die Seite "Partner" klickt, entdeckt Erstaunliches:

          Unter anderem präsentiert sich dort die Firma "F. X. Rauch - Naturstein am Bau, Grabmale seit 1910". Das Unternehmen, das in München, Leipzig, Berlin logiert, ist "seit über 90 Jahren dem schönen Stein verbunden" und weist als Referenzobjekte unter anderem den Umbau des Reichtagsgebäudes in Berlin, der Berliner Humboldt-Universität, des Justizministeriums, des Auswärtigen Amtes und des Redaktionshauses der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus. Das ist durchaus beachtlich, und doch fragt sich der Betrachter: Was hat das alles mit Volleyball zu tun?

          Hinter der Baufirma verbirgt sich das Brüderpaar Florian und Stefan Rauch, die ihr Geld nicht nur in Naturstein, sondern auch in Volleyball investieren. Beide sind groß beim Vermarkter Volleyball AG eingestiegen. Sie haben die Kapitalerhöhung von 700.000 auf 1,5 Millionen Mark gezeichnet und geben darüber hinaus Geld, um die Frauen-Bundesliga zu pushen.

          Der neue Investor: Eine geheime „Staatsaktion“

          Bereits seit gut drei Monaten ist bekannt, dass die Volleyball AG (VOBAG) einen potenten Investor gefunden hat, seitdem wurde aus dem Namen eine geheime Staatsaktion gemacht. Am Samstag wollen sich die VOBAG, die Bundesligisten und ihre neuen Partner am Rande der Pokalendrunde in Münster endlich der Öffentlichkeit präsentieren. Insgesamt soll das Investitionsvolumen der Rauch-Brüder über zwei Millionen Mark in zwei Jahren betragen

          "Mit dem Geld", sagt Gerhard Eberl, Vorstands-Vorsitzender VOBAG, "können wir für zwei Jahre alles verwirklichen, was wir uns vorstellen. Danach müssen wir auf eigenen Beinen stehen." Für die zwölf Erstligisten könnte das eine einmalige Chance bedeuten, auch wenn der große Geldsegen erst einmal nicht zu erwarten ist.

          Die Frauen-Bundesliga: Auf dem Weg zum attraktiven Markenartikel ?

          Eberl betont, es sei nicht sein Ziel, "Spielerinnen reich zu machen". Er will die neuen Finanzmittel vielmehr dazu verwenden, "das Produkt Frauen-Bundesliga zu einem Markenartikel auszubauen, der für Fernsehen und Sponsoren attraktiv ist". Die VOBAG hat sich die Exklusivrechte an der Frauen-Bundesliga für fünf Jahre gesichert. Gerhard Eberl, redet von "Produktionsveredelung", um die Sportart Volleyball weg vom Image einer biederen Turnhallen-Sportart zu bringen. Die Vereine dürfen mit einer Art Anschubfinanzierung von je 40.000 Mark rechnen, die sie dafür ausgeben sollen, in ihren Hallen gute Voraussetzungen für Fernsehübertragungen zu schaffen.

          Darauf haben die Macher nämlich ihr Hauptaugenmerk gelegt. Sie wollen TV-Beiträge selbst produzieren, um mit diesem Angebot die Fernsehanstalten zu ködern, mehr Volleyball ins Programm zu hieven. Mit 40.000 Mark kalkuliert Eberl die Aufbereitung einer Bundesligabegegnung, bei 20 Spielen würden sich die Kosten also auf 800.000 Mark belaufen.

          Volleyball will in die Primetime

          Fragt sich nur, ob die Fernsehgewaltigen auf das neue Angebot einsteigen. Derzeit verhandelt die VOBAG mit der "Sport A", Rechteverwerter von ARD und ZDF, aber auch mit den Privaten. Dazu Eberl: "Die Verhandlungen mit den Öffentlich-Rechtlichen sind am konkretesten, aber wenn wir keine garantierten Sendezeiten bekommen, schließen wir gar keinen Vertrag und bieten die Frauen-Bundesliga allen TV-Anstalten an." Ziel ist ein fester Sendeplatz nahe der Primetime, wie ihn die Basketball-Bundesliga bei SAT.1 bereits gefunden hat.

          Nur mit Druck von Bundesinnenminister Otto Schily, den DVV-Präsident von Moltke eingeschaltet hatte, konnten zuletzt die öffentlich-rechtlichen Sender dazu bewegt werden, auch Bilder von der Frauen-Weltmeisterschaft 2002 in Deutschland zu zeigen. Die TV-Verantwortlichen im millionenschweren Poker mit der Kirch-Gruppe um die Fußball-WM-Rechte 2002 und 2006 sind derzeit noch zurückhaltend.

          Kritik aus der Liga

          Die Liga und der Verband haben nach sieben Jahren kriegsähnlichem Zustand einen Schulterschluß geschafft. DVV-Vizepräsident Götz Moser sprach sogar von einer "historischen Stunde". "Wenn wir es in den nächsten vier Jahren nicht schaffen, aus dem Schatten der großen Sportarten herauszutreten, können wir den Laden dicht machen."

          Doch es gibt auch andere Meinungen zu dem Konzept: Die Klubs haben weitgehende Rechte abgegeben. Wenn die Vermarktung der TV-Bilder auf guten Sendeplätzen funktioniert, fürchten einige Vereins, von der VOBAG nicht ausreichend am möglichen Gewinn beteiligt zu werden. Im Ligaauschuß kam es deshalb nach dem Vertragsabschluss zum Streit.

          Bernhard März, Manager des Tabellenführers DJK Karbach, ist inzwischen von seinem Amt als stellvertretender Ligaauschussvorsitzender zurückgetreten. Über seine Beweggründe will er derzeit in der Öffentlichkeit nicht reden. Der Manager hatte eine Münchner Marketing Agentur ein Vermarktungskonzept erstellen lassen, soll Eberl unter Kollegen Ideenklau vorgeworfen haben. Denn der hatte als Geschäftsführer der VOBAG dezent, aber bestimmt auf sein Rechtemonopol verwiesen.

          Noch greift das Konzept also nicht. Hübsche, langgewachsene, pritschende und baggernde Frauen bleiben also auf den deutschen TV-Mattscheiben vorerst weiter ein seltenes Ereignis. Auch vom Final Four in Münster an diesem Wochenende gibt es keine TV-Live-Bilder.

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