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Volleyball : Jugendförderung einmal anders

  • -Aktualisiert am

Blockbildung mit Kathy Radzuweit (rechts) Bild: ap

Man stelle sich einmal vor, die deutsche Junioren-Nationalmannschaft spielt als 19. Team in der Fußball-Bundesliga mit. In Deutschlands liebster Sportart wohl eher undenkbar, im Frauen-Volleyball allerdings keineswegs. Das bemerkenswerte Projekt: Der Deutsche Volleyball-Verband schickt seine Juniorinnen-Nationalmannschaft als elftes Team unter dem Namen "VC Olympia Berlin - Das Bauer-Team" in den Erstliga-Spielbetrieb.

          Was in den Ostblockstaaten längst Usus ist, das macht nun auch im deutschen Volleyball Schule. Ein Jahr lang trainiert die Jugend-Nationalmannschaft in Berlin gemeinsam, zumeist zwei Mal täglich. Alle Heimatvereine haben ihre Spielerinnen für die einjährige WM-Vorbereitung freigestellt und nach Berlin geschickt.

          Die Offenburgerin Atika Bouagaa etwa absolviert eine Berufsausbildung, die übrigen elf Spielerinnen gehen auf das Coubertin-Gymnasium. Hinzu kommt der Spielbetrieb in der ersten Liga sowie weitere Lehrgänge - der DVV lässt nichts unversucht, um bei den Weltmeisterschaften der Juniorinnen 2001 in der Dominikanischen Republik ganz weit vorn zu landen.

          Jahresetat von 120.000 Mark

          Thilo von Hagen, Pressesprecher des DVV, beziffert den Jahresetat auf rund 120.000 Mark. Den Löwenanteil steuert der Joghurthersteller Bauer bei. Besonders erfreut war von Hagen über die Tatsache, dass alle Bundesligisten sofort grünes Licht gaben. „Es gab keinen Widerstand, alle standen total hinter dem Projekt." Thilo von Hagen wähnt mit diesem Förderprogramm zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: „Zum einen bereiten wir unsere Jugendlichen perfekt auf die WM vor, zum zweiten erleichtern wir den jungen Leuten auf diese Art und Weise den Sprung in die erste Liga. So können wir sie an unsere Bundesliga binden, und das ist gerade im Bosman-Zeitalter sehr wichtig."

          Bäume haben die DVV-Youngsters in ihren sieben Partien in der deutschen Eliteliga erwartungsgemäß noch nicht ausgerissen. Im Gastspiel beim TV Creglingen gab es eine knappe 2:3-Niederlage. Gegen die beiden Champions-League-Teams des USC Münster und Schweriner SC reichte es immerhin jeweils zu einem Satzgewinn. „Ich denke, in der Rückrunde wird das Team erfolgreicher sein, dann wird es vielleicht sogar das eine oder andere Spiel gewinnen", sagte Thilo von Hagen eine deutliche Leistungssteigerung voraus. Schon jetzt ist ein Großteil der Spielerinnen von den deutschen Erstligisten heiß umworben.

          Kathy Radzuweit steht auf der Wunschliste ganz oben

          Besonders die 1,96 Meter große Mittelblockerin Kathy Radzuweit dürfte auf der Wunschliste einiger Vereine ganz weit oben stehen. Die 18-jährige Tochter eines Kubaners sowie einer Ex-Nationalspielerin aus der ehemaligen DDR feierte zusammen mit ihrer Teamkolligin Adina Hinze (17) beim Bremer Nationenturnier ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft. „Für mich ist das einfach toll in der ersten Liga zu spielen. Ich bin nach wie vor vor jedem Spiel aufgeregt. Besser kann die Förderung für uns einfach nicht sein, zumal in der ersten Liga viele starke Ausländerinnen spielen. Da habe ich als Mittelblockerin oftmals so meine Probleme", sagte Kathy Radzuweit in Bremen.

          Das Nachwuchstalent hat sich mittlerweile schon einen Namen gemacht: In der Blockstatistik der ersten Liga rangiert Kathy Radzuweit immerhin auf Platz sechs. Vor zehn Jahren begann Kathy Radzuweit ihre Laufbahn. "Damals musste ich oft zuspielen, weil niemand anderes in meiner Mannschaft pritschen konnte", erinnert sie sich an ihre Anfänge zurück.

          Lob des Bundestrainers

          Frauen-Bundestrainer Hee Wan Lee hält große Stücke auf seine längste Spielerin im Team und beorderte sie mittlerweile auf die Mittelblockerposition. In den beiden Partien gegen Polen und die Dominikanische Republik durfte Kathy Radzuweit jeweils in der Startformation ran, Radzuweit spielte fast durch. "Die Erfahrung und vor allem die Konstanz fehlt noch", bilanzierte Kathy Radzuweit. Viele gute Aktionen blieben aber unverborgen: So manches Mal prallte eine gegnerische Angreiferin mit ihrem Schmetterschlag an der „Berliner Mauer" ab.

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