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Volleyball-EM : „In manchen Dingen sind wir ein Entwicklungsland“

  • Aktualisiert am

Tonangebend: Stelian Moculescu Bild: Günther Kram

Nachgefragt bei: Stelian Moculescu, Trainer der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft, die bei der EM in Deutschland als Außenseiter gilt.

          3 Min.

          Stelian Moculescu ist ein Volleyball-Besessener. Der 53 Jahre alte gebürtige Rumäne, der seit 1972 in Deutschland lebt, ist Bundestrainer und Coach des Serienmeisters VfB Friedrichshafen. Er wurde als Trainer sechsmal deutscher Meister und achtmal Pokalsieger. Bei den Europameisterschaften, die an diesem Freitag in Karlsruhe und Leipzig beginnen, gilt er mit dem Nationalteam als Außenseiter.

          Freuen Sie sich noch auf die Europameisterschaft im eigenen Land?

          Aber sicher. Warum auch nicht?

          Bild: dpa

          Nach all den schlechten Nachrichten. Mit Kapitän Stefan Hübner und Björn Andrae fallen zwei Ihrer Besten wegen Verletzungen aus.

          Das ist natürlich bitter, zumal die beiden kaum zu ersetzen sind. Stefan Hübner ist einer der weltbesten Spieler. Da kann man sich ja ausrechnen, wie sehr uns das trifft. Aber so ist Sport, da hilft das Jammern nicht.

          Was kann man denn nun noch anderes erwarten als Schadensbegrenzung?

          Wir haben nur ein Ziel, und das ist das Erreichen der Endrunde in Berlin. Von mehr kann man nicht ausgehen. Man darf ja nicht vergessen, daß bis auf Brasilien die Top Ten der Welt bei der Europameisterschaft dabei sind. Von der Rangliste her sind wir zusammen mit der Slowakei das schlechteste Team. Und noch nie hat eine deutsche Mannschaft, weder der Westen noch der Osten noch eine gesamtdeutsche, bei einer EM eine Medaille gewonnen.

          Das klingt so, als bräuchte Ihre Mannschaft gar nicht antreten.

          Unsinn. Wir haben doch bewiesen, daß wir uns vor keinem mehr verstecken müssen, trotz der Ausfälle. Es gibt keinen Grund mehr für Minderwertigkeitskomplexe. Wir haben in den letzten ein, zwei Jahren alle führenden Nationen schon mal geschlagen, Holland, Italien, Rußland, am letzten Wochenende sogar den Olympiasieger Serbien-Montenegro. Wir sind ja nicht mehr hinter dem Mond. Wir müßten es nun einfach mal schaffen, uns ein paar Tage auf diesem Level zu bewegen und bei der EM über uns hinauszuwachsen.

          Was den Frauen bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land vor einem Jahr nicht gelungen ist. Was ist damals falsch gelaufen?

          Da könnte ich Ihnen jetzt viel erzählen. Ich mache es aber nicht, da müssen Sie die verantwortlichen Leute fragen.

          Daß seinerzeit falsche Erwartungen geweckt wurden, ist doch kein Geheimnis.

          Wenn man in den Medien ständig von einem dritten oder vierten Platz spricht, muß man sich doch nicht wundern, wenn es schiefläuft. Das war viel zu gewagt. Aber bei uns hat es jetzt solche überzogenen Einschätzungen nicht gegeben. Von unseren Spielern hört man da nichts. Und wenn sich einer nicht daran hält, bekommt er ein Problem. Wir sind doch keine Träumer.

          Aber muß nicht auch mal ein Traum in Erfüllung gehen, um eine Sportart wie Volleyball aus der Nische zu holen - wie es die Basketball-Nationalmannschaft mit dem Titelgewinn bei der EM 1993 vorgemacht hat?

          Das allein reicht nicht, da muß schon ein bißchen mehr passieren. Wie war es denn damals? Die Basketballer sind Europameister geworden, und keiner hat es gemerkt. Heute holen die das nach, was sie damals versäumt haben. Du mußt die Leute zwingen zum Glück.

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