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Volleyball : Die Bundesliga spielt auf Bewährung

  • -Aktualisiert am

Noch ein Titel? Stelian Moculescu und der VfB Bild: Günther Kram

„Die Liga ist stärker geworden“, glaubt Bundestrainer Moculescu. Das ist auch nötig, denn Volleyball ringt hierzulande um ein besseres Image.

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          Jetzt gilt es für die deutschen Männer. „Wir geben ihnen eine Chance und sind noch bis 2004 solidarisch“, hat Werner von Moltke, umtriebiger Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), erst neulich verkündet. „Wenn die Männer aber 2003 bei der EM desolat dastehen, müssen wir einen Schnitt machen.“

          Des Grafen markige Worte dürfen in Liga und Nationalmannschaft getrost als Warnung verstanden werden. Denn nach kurzzeitigem Erfolg bei der EM-Qualifikation präsentierten sich die Volleyballer jüngst auf internationaler Ebene wieder so, wie man das seit einer guten Dekade kennt: chronisch erfolglos.

          Die Misserfolge in der Weltliga, bei WM-Qualifikation und Europameisterschaft wirken natürlich auch auf die Bundesliga zurück, die in der am Wochenende beginnenden Saison somit auf Bewährung spielt. In der Liga werde zwar auch weiter gespielt, falls sich nichts zum Positiven verändern und der DVV in baldiger Zukunft tatsächlich den Geldhahn zudrehen sollte, meint Stelian Moculescu - „nur fragt es sich, auf welchem Niveau.“

          Wieder Finalaspiranten: Friedrichshafen und Wuppertal (r)
          Wieder Finalaspiranten: Friedrichshafen und Wuppertal (r) : Bild: dpa

          Der Meister setzt auf deutsche Talente

          Just Moculescu gilt als einer der wenigen Hoffnungsträger der Zunft. Der Startrainer, in Personalunion für Nationalteam und Serienmeister VfB Friedrichshafen verantwortlich, schätzt die bisherige Zusammenarbeit mit dem DVV, der zuletzt auch die so dringend notwendige Weltliga-Teilnahme 2002 gesichert hat: „Der Präsident hat einen guten Job gemacht, jetzt sind wir dran. Diese Chance müssen wir nutzen.“

          Dafür will Moculescu selbst Sorge tragen. Der fünfte Titel in Folge gilt als beschlossene Sache, auch wenn der Coach vor dem ersten Spiel gegen Aufsteiger SV Fellbach abwiegelt: „Wir haben bis jetzt noch kein einziges Spiel zusammen bestritten. Wir werden sicher nicht mehr so stabil spielen wie zuletzt, denn unsere Mannschaft ist sehr jung.“

          Genau das allerdings hat Moculescu so gewollt. Er hat in Friedrichshafen gleich sechs - zum Großteil junge - deutsche Nationalspieler um sich versammelt, damit diese sich einspielen und weiter Praxis auf höchstem Niveau (nämlich in der Champions League) sammeln können. „Das“, so der Trainer, „kann die Nationalspieler nur beflügeln.“

          Berliner Modell ist gescheitert

          Von der Spree an den Bodensee wechselten die Auswahlakteure Norbert Walter und Ilja Wiederschein, die der SCC Berlin seinerseits nun durch ausländische Spieler ersetzt. Damit bricht er mit dem vor Jahren - in Kooperation mit dem DVV - erdachten Konzept, nur mit deutschen Spitzenspielern zu agieren, diese auszubilden, auf internationales Niveau zu heben und nebenbei Titel zu holen.

          Das funktionierte nicht sonderlich - lediglich ein Pokalsieg stand nach drei Jahren zu Buche. „Man hat unserem Konzept nicht genug Zeit gegeben“, beschwert sich Berlins Manager Kaweh Niroomand, der freilich betont: „Wenn wir uns auch von dem Modell, ein rein deutsches Talent-Sammelbecken zu sein, getrennt haben, wollen wir nach wie vor Spieler für die Auswahl abstellen.“

          Das tut der SCC auch: Marco Liefke, Frank Dehne und Vincent Lange sind weiterhin feste Bestandteile des DVV-Teams. Sie bilden mit den starken Zugängen das Gerüst einer Mannschaft, die um die Meisterschaft mitspielen will. „Es wird aber noch etwas Zeit brauchen“, sagt der neue Trainer Mirko Culic, „bevor das neue Team zusammengeschweißt ist.“

          Moculescu: „Die Konkurrenz hat zugelegt“

          Weniger Fluktuation haben die ASV Jets Dachau und VV Leipzig gehabt. Kaum Abgänge, sukzessiv verstärkt - den Renommierklubs traut nicht nur Stelian Moculescu nach Berlin und Vizemeister Bayer Wuppertal die Rolle der „Geheimfavoriten“ zu.

          Noch etwas geheimer sind die Ambitionen von evivo Düren und VC Eintracht Mendig, bei denen nach mannigfachen und zum Teil namhaften Transfers gleichwohl der Einzug in die Meisterrunde angestrebt wird. „Die Konkurrenz hat zugelegt“, urteilt der VfB- und Bundestrainer denn auch. „Insgesamt wird die Liga stärker als in der Vorsaison sein.“

          „Produktveredelung“ - eine Illusion?

          Das kann auch Werner von Moltke nur recht sein. Der hat das Engagement eines Geldgebers in der Frauen-Bundesliga ausdrücklich begrüßt. Zwei Millionen Mark sind den (bis zur EM international erfolgreicheren) Amazonen zur „Produktveredelung“ in Aussicht gestellt worden. Zwar warten auch die Klubs der Frauen tatsächlich noch auf das Geld des Investors, gleichwohl würden solche Investitionen auch den Männern gut zu Gesicht stehen.

          Gerade weil es bis zum professionellen Ambiente der konkurrierenden Ballsportarten Basketball und Handball noch ein weiter Weg ist, müssen die Volleyballer dringend Mittel akquirieren, „um den Turnhallenmief zu vertreiben“ (Moculescu) und sich attraktiver zu präsentieren. Sonst macht der DVV demnächst den großen Schnitt - und keiner merkt´s.

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