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Volleyball-Bundesliga : Mit gepflegtem Understatement ganz nach oben

  • -Aktualisiert am

Volleyball-Bundesliga in der entscheidenden Phase: Friedrichshafener Abwehrblock Bild: dpa

Ohne Hauptsponsor und großen Hoffnungen in die Saison gegangen, peilt Volleyball-Bundesligist TSV Unterhaching plötzlich den Titel an.

          2 Min.

          Mihai Paduretu hat untertrieben, was das Zeug hält. Woche für Woche, Spiel für Spiel, Sieg für Sieg hat sich der Trainer des TSV Unterhaching als Schwarzmaler reinster Prägung profiliert. Das geht nun nicht mehr.

          Wenn am Mittwoch die Playoffs starten, zwingt der Erfolg Paduretu in eine offensivere Position - und zunächst in die Beobachterrolle. Denn in den nach dem Modus „best of three“ ausgefochtenen Duellen zwischen Bayer Wuppertal und evivo Düren sowie dem SCC Berlin und den ASV Jets Dachau wird der Gegner ermittelt, auf den Unterhaching im Halbfinale trifft.

          Wie Meister und Normalrundensieger VfB Friedrichshafen sind die Oberbayern als Zweiter der regulären Saison direkt für die Vorschlussrunde qualifiziert.

          Paduretu kalkuliert vorsichtig

          Eine Entwicklung, die nicht einmal kühnste Optimisten geahnt hatten, verbot sich für einen wie Paduretu von selbst und vorneherein. „Erst wenn wir faktisch nicht mehr absteigen können, beschäftigen wir uns mit anderen Sachen“, rechnete „Mr. Understatement“ gebetsmühlenartig vor, „aber darauf zähle ich nicht.“ Zum Beispiel auf die Playoffs.

          Irgendwann musste aber auch bei den stets vorsichtigen und in ihren notorischen Untertreibungen schon schiefen Kalkulationen des Rumänen ein gerades, höchst bemerkenswertes Ergebnis herauskommen: Seine Mannschaft, die mit Abstand jüngste der Liga, hat sich vom potenziellen Absteiger zum ernsthaften Titelkandidaten entwickelt.

          Die Milch macht´s

          Zu Saisonbeginn standen die Hachinger noch ohne richtigen Hauptsponsor und Bundesliga-tauglichen Mittelblock da. Das finanzielle Engagement des österreichischen Molkereiunternehmens Tirol Milch (mit Trikotwerber „Lattella“) und das sportliche seitens einer Riege junger deutscher Talente brachte schließlich die Wende.

          Unterhaching startete eine unvergleichliche Siegesserie, blieb zu Hause ungeschlagen und manövrierte sich so in die Rolle des Geheimfavoriten. Auch wenn Mihai Paduretu - wen wundert´s? - davon nichts wissen will: „Wir sind doch kein Favorit.“

          Schon wieder Friedrichshafen?

          Aber eben auch „kein Außenseiter mehr“, wie der 34-Jährige zugeben muss. Seine Spieler haben sich an ihren eigenen Erfolgen berauscht, die Saison scheint ein Selbstläufer geworden zu sein. „Wir haben alles aus eigener Kraft geschafft“, sagt Paduretu nicht ohne Stolz, „ohne das Geld und die Möglichkeiten anderer Vereine.“

          Damit meint er in erster Linie Abonnementmeister Friedrichshafen, auch heuer und trotz Hachinger Erfolge erster Anwärter auf den Titel. Den Pokal hat der VfB bereits gewonnen, obwohl nicht alles rund lief und der verletzte Angriffsstar Christian Pampel schmerzlich vermisst wurde.

          Jetzt ist Pampel wieder da, neulich gegen den VC Mendig schaffte der Nationalspieler ein überzeugendes Comeback. „In den Playoffs werden wir daher eine sehr gute Form haben“, sagt Erfolgstrainer Stelian Moculescu.

          Fellbach und Bottrop abgestiegen

          Das darf von Berlin bis Wuppertal, von Düren bis Dachau und erst recht bei den Emporkömmlingen in Unterhaching getrost als Drohung aufgefasst werden. „Friedrichshafen wird Meister“, sagt denn auch Dürens Co- und designierter Cheftrainer Bernd Werscheck, fügt allerdings hinzu: „Aber es wird knapper als sonst.“ Seine Dürener, bislang zumeist enttäuschend, dürften den VfB jedoch kaum in Bedrängnis bringen können.

          Immerhin haben sie sich noch im letzten Moment für die Playoffs der besten Sechs qualifiziert - das ist den ebenso ambitionierten Teams VC Mendig und VV Leipzig nicht gelungen. Mendig rettete sich dank eines Trainerwechsels während der Saison (Marian Kardas ersetzte Werscheck) wenigstens noch ins Niemandsland der Tabelle auf Rang sieben.

          Leipzig muss in die Relegation

          Leipzig dagegen muss Ende April in die Relegation gegen die beiden Zweitliga-Zweiten. Dann würde schon ein zweiter Platz bedeuten, dass die Sachsen die Absteiger SV Fellbach und VC Bottrop in die zweite Liga begleiten müssten.

          Dorthin sollten vor der Saison auch die Unterhachinger geschrieben werden. Fachjournalisten, Fans und Experten haben das zumindest lange Zeit nicht ausgeschlossen. „Wir haben es vielen gezeigt“, sagt Mihai Paduretu zufrieden. „Und wir werden noch mehr zeigen.“ Für seine Verhältnisse schon eine sehr gewagte Prognose.

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