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Volleyball-Bundesliga : Junge Riesen für die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Erneut die Titelaspiranten: Berlin und Friedrichshafen Bild: dpa

Einmaliges Experiment im deutschen Männer-Sport: Das Nationalteam der Junioren startet per Freiplatz in der Volleyball-Bundesliga.

          2 Min.

          Es ist ein im deutschen Sport einmaliges Experiment: Die Junioren-Nationalmannschaft erhält in der am Wochenende startenden Volleyball-Bundesliga der Männer einen Freiplatz.

          Die jungen Riesen starten als VC Olympia Berlin und sind von der Abstiegsregelung ausgenommen - gewonnene oder verlorene Punkte gegen die Auswahl der 18- und 19-Jährigen fließen aber ganz normal in die Tabelle ein.

          Immerhin EM-Bronze gewonnen

          Zu den Favoriten zählen die Nachwuchsleute freilich nicht, auch wenn sie neulich bei der Junioren-EM in Polen bärenstark aufspielten, die übermächtig erscheinenden Russen gleich zwei Mal besiegten und Bronze gewannen. „Zur Bundesliga-Rückrunde wollen wir soweit sein, mit den hinteren Mannschaften mithalten zu können“, sagt Bundestrainer Michael Warm.

          Damit betreibt er bewusstes Understatement, weiß aber auch, „dass wir wirklich noch viel lernen können, vor allem in der Abwehr und bezüglich Cleverness.“ Lernen von den Besten hierzulande - das heißt: lernen vom VfB Friedrichshafen.

          Nach fünf Meisterschaften in Folge ist das Team von Bundestrainer Stelian Moculescu auch diesmal wieder Titelanwärter Nummer eins - und ausgerechnet erster Gegner des VC Olympia Berlin in der Bundesliga, der am Bodensee prompt mit 0:3 verlor.

          Juniorenteam kostet 100.000 Euro

          Ganz neu ist der Coup mit den Junioren aber doch nicht. Vor zwei Jahren haben bereits die Frauen einen erfolgreichen Feldversuch absolviert: Immerhin fünf Siege sprangen für den VCO heraus, fünf Spielerinnen von damals sind inzwischen im Kader des Nationalteams. Ähnliches sollen nun die männlichen Pendants leisten. „Der Abstand zwischen Bundesliga und Nationalmannschaft soll verringert werden“, sagt Götz Moser.

          Der Multifunktionär - Vizepräsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), Landeschef der Berliner Volleyballer und Manager des VCO - hat 100.000 Euro für das Unternehmen Bundesliga beschafft, Chefcoach Warm und sein Assistent Elmar Harbrecht werden vom DVV bezahlt.

          „Wir haben es geschafft“

          Die Junioren stammen zum Teil aus Berlin, wo sie bislang für den VC Olympia in der zweiten Bundesliga Nord spielten. In der Südstaffel traten die Auswahlakteure vom zweiten Stützpunkt, dem Internat Frankfurt, an. Sieben von ihnen sind nun in die Hauptstadt gewechselt.

          Eine große persönliche, familiäre und logistische Herausforderung: Umzug, neue Schule, neues Umfeld, neues sportliches Betätigungsfeld. „Es gab viele Gespräche mit den Eltern“, sagt Warm, „aber wir haben es geschafft.“

          Begehrte Talente: Zukunft in der Bundesliga

          Schaffen dürften es kurz- oder mittelfristig auch einige der zwölf Spieler: in die Nationalmannschaft, zumindest aber in die besten Bundesligaklubs. Nach einer Saison in Berlin sollen sich die Youngster woanders weiter entwickeln.

          Volleyballer wie Jochen Schöps, der einen Anschlussvertrag in Friedrichshafen hat, dürften bei normalem Saisonverlauf begehrt sein. Schöps hat in der Weltliga ebenso schon sein Debüt gegeben wie Teamkollege Robert Kromm. Eine glänzende Zukunft wird auch Spielmacher Marc Schmitt vorausgesagt.

          Ein Friedrichshafen und viele Playoff-Bewerber

          Die Gegenwart gehört aber noch anderen. Vermutlich dem Abonnementmeister aus dem Schwäbischen, der zudem den fünften Pokalsieg im sechsten Jahr der Ägide Moculescu anstrebt und außerdem in der Champions League wenigstens die Gruppenphase gegen Podgorica, Paris und Wien überstehen möchte.

          Dahinter werden Dauerrivale SCC Berlin und der TSV Unterhaching, Überraschungsdritter der Vorsaison, erwartet. „Haching wird ähnlich stark sein“, mutmaßt Moculescu, der ansonsten eine ausgeglichene Liga mit mehreren Playoff-Kandidaten erwartet. Die Zahl der Bewerber reicht von Ex-Meister Wuppertal über Düren, Mendig und Leipzig bis hin zum ehemaligen Europacupsieger aus Moers, der die Lizenz von den insolventen ASV Jets Dachau erworben hat.

          Im Tabellenkeller werden traditionell die Aufsteiger Volley Dogs Berlin und Bad Saulgau erwartet. Nur die Leistungsfähigkeit des VC Olympia Berlin ist kaum vorherzusagen - wie das bei Experimenten eben oft so ist.

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