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Volleyball : Alleingänge eines Präsidenten

  • -Aktualisiert am

Eigenmächtig gehandelt: Werner von Moltke Bild: dpa

Die Weltmeisterschaft der Damen 2002 in Deutschland ist gesichert. Das verspricht jedenfalls Präsident Werner von Moltke.

          Werner von Moltke ist Optimist. Der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) meldete vor dem Turnier in Bremen voreilig Vollzug: Ja, die Weltmeisterschaften der Damen 2002 wird in Deutschland ausgetragen. Dabei entscheidet sich das nun erst in den Tagen nach dem traditionellen Volleyball-Turnier in Bremen. Spätestens am 10. Januar will der DVV entscheiden.

          Der Weltverband hatte Deutschland bereits bei den Olympischen Spielen in Sydney grünes Licht erteilt. Dennoch taucht ein großes Problem auf: Denn die Fernsehanstalten wollen den Alleingang von Moltkes so nach wie vor nicht mitmachen. Zwar gab Moltke vor dem Nationenturnier in Bremen endlich Entwarnung, die WM 2002 finde in Deutschland statt, der Mitbewerber Polen bliebe auf der Strecke, doch sicher ist das noch nicht. „Ich glaube an das Ja der ARD-Intendanten“, sagte von Moltke, der angeblich von den drei großen Agenturen CWL, IMG und Octagon Angebote für die Vermarktung vorliegen hat.

          Finanzierungskonzept noch diffus

          Doch nicht zum ersten Male hat sich von Moltke eigenmächtig ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Denn großzügig hatte der Präsident im Vorfeld der WM dem Weltverband und seinem Chef Ruben Acosta die Übertragung aller Spiele zugesichert. Das hätte bei veranschlagten Kosten von 30.000 Mark pro Partie bei 90 WM-Begegnungen stolze 2,8 Millionen Mark verschlungen. Der DVV-Präsident hatte damit schlicht die übertragenden Fernsehanstalten ARD und ZDF überfahren. Was denen naturgemäß sauer aufstieß, zumal von Moltke erst zusagte, dann anfragte.

          Blockbildung mit Kathy Radzuweit (rechts)

          Mit dem Weltverband FIVB hat er nun wenigstens den Kompromiss ausgehandelt, nur noch für 56 der 90 Spiele Bilder zu produzieren. „Dadurch brauchen wir nur noch 1,8 Millionen Mark“, rechnete der 64-Jährige am Freitagnachmittag in Bremen vor. Licht ins Dunkel, woher diese Summe nun kommen soll, brachte er allerdings nicht. Seine Erklärung erinnerte stattdessen an eine typische Verschleierungstaktik. „800.000 Mark gibt uns ein Sponsor, der noch nicht genannt werden will“, so der DVV-Präsident, der für den Rest die regionalen Sender und Länder einspannen will. Von Moltke hatte zuletzt gar die Intendanten von ARD und ZDF und Innenminister Otto Schily eingeschaltet. Allerdings scheinen nicht alle Sportchefs der ARD-Sendeanstalten großes Interesse an einer Beteiligung zu haben. Dass Austragungsstädte wie Münster und Bremen Geld in den Fernsehtopf tun, betrachtet Ludwig Evertz, Fernseh-Sportchef von Radio Bremen, als „einmaliges Finanzierungsmodell“. Die ARD-Sportchefs der Länder entscheiden darüber nun definitiv am 10. Januar.

          Werner von Moltke verspricht ein finanzielles Plus

          Von Moltke prescht dennoch vor: "Das Turnier ist nicht nur finanziell völlig abgesichert, wir wollen auch noch ein Plus erwirtschaften." Auf die Volleyballfans wartet in den kommenden Jahren ein Mammutprogramm, ein Highlight jagt das andere: In diesem Jahr finden drei Weltligaspieltage der Männer in Berlin, Bielefeld und Riesa statt. 2002 folgt die Damen-WM, und nur ein Jahr später ermitteln die Männer in Deutschland ihren Europameister. Geht es nach von Moltke, dann richtet der DVV im Jahr 2002 auch noch die Beach-WM aus, quasi als Sahnehäubchen obendrauf.

          „Wir haben alle Hände voll zu tun“

          Auf die Frage hin, ob von Moltke sich und dem Verband bei einem derart prall gefüllten Terminkalender nicht ein wenig zu viel zumute, atmete der Präsident zunächst einmal tief durch. "Wir haben natürlich alle Hände voll zu tun, das ist klar. Ich hatte 1987 geholfen, die Leichtathletik-WM nach Stuttgart zu holen. Das war damals ein riesiger Erfolg. Ich denke, wir schaffen das alles gemeinsam." Besonders über die positiven Signale aus der Politik freute sich von Moltke. "Die Städte haben gleich grünes Licht gegeben, und die Ministerpräsidenten der gastgebenden Bundesländer haben uns sofort unterstützt. Deutschland braucht die WM. Wir brauchen positive Bilder, die in die Welt hinausgehen. Bilder, die nichts mit irgendwelchen Anschlägen zu tun haben."

          Hausaufgaben endlich gemacht

          Von Moltke blies in den zurückliegenden Monaten ein heftiger Wind ins Gesicht. Kritiker warfen ihm vor, zu früh die Vergabe der Damen-WM nach Deutschland verkündet zu haben, noch ehe die eigenen Hausaufgaben gemacht und die Fernsehverträge abgeschlossen worden waren. Nach Darstellung des Präsidenten laufen auch die Planungen für die Zeit vom 27. August bis zum 16. September auf Hochtouren. Die Austragungsorte stehen bereits fest: Die Vorrunde wird in Münster, Dresden, Dessau und Schwerin gespielt. Die Zwischenrunde findet in Bremen, Riesa und Stuttgart statt, ehe in Berlin der Weltmeister gekürt wird.

          DVV-Präsident denkt an Abschied

          Gut möglich, dass von Moltke nach der Europameisterschaft der Herren seine Mission als DVV-Präsident für beendet erklärt. "Dann wird es Zeit, abzutreten und das Feld neuen Leuten zu überlassen. Ich schaue mich bereits nach einem geeigneten Mann um." Seinem Thronfolger würde er gerne ein bestelltes Feld hinterlassen: "Bis zum Jahre 2004 erleben wir eine kleine Revolution zum Wohle des Volleyballs in Deutschland. Was wollen wir mehr?" Solche Worte von Werner von Moltke ist man gewohnt.

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