https://www.faz.net/-gtl-3757

Vierschanzentournee : Nervenpoker: "Der Erfolg nimmt ihn ungeheuer mit“

  • Aktualisiert am

Ruhe vor dem letzten Springen: Sven Hannawald Bild: dpa

Nur nicht anfangen zu denken, rät der zweimalige Tourneesieger Andreas Goldberger dem Überflieger Sven Hannawald vor dem Finale am Sonntag.

          Vor dem Finale der Vierschanzentournee strotzt Sven Hannawald vor Selbstbewusstsein und hat die Pokerpartie fortgesetzt. Der Führende in der Tournee-Wertung ließ am Samstag die Qualifikation zum letzten Wettbewerb in Bischofshofen wie schon bei den drei vorherigen Tournee-Stationen zuvor aus und schonte nach dem weitesten Trainingssprung von 133 m seine Kräfte für das Springen an diesem Sonntag (13.45 Uhr/RTL und Eurosport live).

          Der 27-Jährige hat die ersten drei Tournee-Stationen gewonnen und könnte als erster Springer alle vier Konkurrenzen gewinnen und damit Skisprung-Geschichte schreiben. „Man sollte ihm die Ruhe gönnen, die er braucht“, begründete Bundestrainer Reinhard Heß die Maßnahme. „Viele kennen den Sven nicht: Der Erfolg nimmt ihn ungeheuer mit.“

          Martin Schmitt mit Schmerzen

          Heß hält den totalen Triumph mit vier Tournee-Siegen für möglich: „Er braucht das notwendige Quäntchen Glück, aber ich traue ihm das zu.“ Hannawald selbst will wie in den vergangenen Tagen auch „einfach nur mein Zeug machen“.

          Der Skiflug-Weltmeister von 2000 sieht seine geistigen und körperlichen Reserven zur Neige gehen. „Ich merke wirklich, dass ich fast am Ende bin. Das ist alles nicht leicht zu verkraften“, sagte Hannawald am Samstag, der den Rest des Tages „die Akkus aufladen und ein wenig schlafen“ wollte. Angst, kurz vor dem größten Erfolg seiner Karriere doch noch zu versagen, hat der Hinterzartener nicht: „Ich bin hochkonzentriert und motiviert und freue mich einfach auf den Wettkampf.“

          Auch Martin Schmitt ließ die Qualifikation aus, blieb mit Kniebeschwerden sogar im Mannschaftshotel. „Es ist einfach eine Überanspruchung, die in Innsbruck schlimmer geworden ist. Das Training hätte nichts gebracht, wenn ich mit Schmerzen gesprungen wäre“, sagte Schmitt.

          Hautamäki springt 136 m

          Eventuell will der 23-Jährige am Sonntag sogar auf den Probesprung verzichten. „Die Schanze kenne ich, ich weiß, was auf mich zukommt“, so Schmitt, der 1999 auf der Paul-Außerleitner-Schanze die ersten beiden von mittlerweile vier Weltmeister-Titeln holte. „Die 24 Stunden Pause reichen schon, um eine Besserung zu erzielen, es wird intensiv gearbeitet“, verriet der deutsche Mannschaftsarzt Ernst Jacob.

          Die Qualifikation gewann der Matti Hautamäki. Der Finne stand am Samstag mit 136 m den weitesten Sprung der 50-jährigen Tournee- Geschichte und blieb damit nur einen Meter unter dem von Hannawald gehaltenen Schanzenrekord. Damit trifft Hautamäki in der K.o.-Runde auf Sven Hannawald. Zweiter wurde der Slowene Robert Kranjec mit 133,5 m und hat somit Martin Schmitt als Gegner.

          "Nur nicht denken"

          Christof Duffner (Schönwald) kam mit 124 m auf Platz 19. Als einziger Deutscher scheiterte Dirk Else (Oberwiesenthal). Sven Hannawald hat nach drei von vier Tournee-Springen 42,9 Punkte oder umgerechnet 23,5 Weitenmeter Vorsprung vor dem zweitplatzierten Polen Adam Malysz. „Nur er selbst kann sich den Spaß noch verderben. Er darf nur nicht anfangen zu denken“, riet der Österreicher Andreas Goldberger, der bereits zwei Mal die Tournee gewann. Vorjahressieger Malysz scheint seine Dominanz zu Saisonbeginn mehr und mehr einzubüßen. Mit 119 m kam er in der Qualifikation nur auf den 16. Platz.

          Weitere Themen

          Fehlstart für Bremen nach wildem Spiel

          2:3 bei Hoffenheim : Fehlstart für Bremen nach wildem Spiel

          Zweites Spiel, zweite Niederlage: Werder erlebt keinen guten Auftakt in die neue Saison. Bei Hoffenheim unterliegen den Bremer in Unterzahl in einer turbulenten Partie. Auch die neue Handspiel-Regelung sorgt für Verdruss.

          Rose gewinnt das Bruderduell

          Gladbacher 3:1 in Mainz : Rose gewinnt das Bruderduell

          Ausgerechnet an alter Wirkungsstätte und gegen seinen Freund Sandro Schwarz gelingt Marco Rose sein erster Sieg als Bundesliga-Trainer. Dabei ist Gladbach nicht besser als Mainz.

          Topmeldungen

          Brände im Regenwald : Das ökologische Endspiel am Amazonas

          Der Amazonas-Regenwald produziert gut ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen. Die andauernden Waldbrände und der Raubbau an ihm sind nicht nur eine ökologische Katastrophe – sondern auch eine humanitäre.

          Annäherung an Russland : Macrons Moskau-Wende

          Vor zwei Jahren war der Franzose noch als unerschrockener Kritiker russischen Hegemoniestrebens angetreten. Nun plädiert er für die Einbindung des Landes und warnt: ohne Russland keine europäische Souveränität.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.