https://www.faz.net/-gtl-38a8

Vierschanzentournee : Jungfernflüge in Innsbruck

  • Aktualisiert am

Skifliegen ist schön Bild: dpa

Beim Skispringen in Innsbruck ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Bergisel-Schanze wurde umgebaut - und wurde erst in letzter Minute fertig.

          2 Min.

          Seit 14.14 Uhr am Silvestertag ist die größte Pleite der 50-jährigen Geschichte der Vierschanzentournee abgewendet. In dieser Minute konnte Dietmar Hemerka als Chef des Innsbrucker Bergisel-Springens den geglückten Jungfernflug auf der neuen Schanze vermelden.

          "Es war ein Tanz auf der Rasierklinge. Das Springen stand noch Weihnachten auf der Kippe. Einen Ausfall oder eine Dreischanzentournee hätten wir nicht verkraftet.“ Tournee-Spitzenreiter Sven Hannawald und die deutsche Mannschaft freuen sich auf das Baustellen-Springen am 4. Januar (13. 45 Uhr/live bei RTL). „Die Schanze soll guten Fliegern wie mir entgegenkommen. Und ob das Restaurant auf dem Turm fertig ist oder nicht, ist wurscht. Das brauche ich nicht“, meint Hannawald.

          Reinhard Heß: „Gut, dass die alte Schanze weg ist“

          „Gut, dass die alte Schanze weg ist. Da haben wir die letzten 20 Jahre nicht gewonnen“, sagt Bundestrainer Reinhard Heß. Bis kurz vor dem Silvester-Moment, in dem der ehemalige Tournee-Tagessieger Reinhard Schwarzenberger sicher bei 103 Metern landete, glaubten nur die größten Optimisten an eine Wende zum Guten.

          „Erst zwei Tage nach Weihnachten, nach der Abnahme durch die Baupolizei, war ich sicher, dass wir das Tournee-Springen doch durchbringen“, meint Hemerka. Und der Präsident des Östereichischen Skiverbandes (ÖSV), Peter Schröcksnadel, räumt sogar ein: „Außer mir hat wohl überhaupt niemand mehr an ein gutes Ende geglaubt. Sogar die Bauleiter zweifelten.“

          Schwerfällige Bürokraten

          Als im Frühjahr die altehrwürdige Olympiaschanze mit Hilfe einiger Kilo Sprengstoff zerbröselte, schien die Zukunft der Anlage am „heiligen Berg“ der Tiroler noch rosig. Ein 12 Millionen Euro teurer hypermoderner Bakken sollte in luftiger Höhe über dem Innsbrucker Zentralfriedhof entstehen. Das garantierte das Londoner Architekturbüro Zaha Hadid, das die internationale Ausschreibung gewonnen hatte.

          Doch die Bürokraten im Alpenland taten sich schwer mit den nötigen Bewilligungen, waren „ungemein pingelig und träge“, wie Hemerka erzählt. So verzögerte sich der Neubau ausgerechnet in der besten Zeit. Nachdem zwei Wochen vor Weihnachten die letzte Baugenehmigung vorlag, wurde rund um die Uhr gearbeitet. Doch die grimmige Kälte behinderte vor allem die Betonierung des Anlaufturms.

          Restaurant fehlt noch

          Nun ist der zumindest so weit fertig, dass die Springer zu ihrer Abfahrtsstelle klettern können. Das Restaurant auf der Spitze des Turms fehlt noch und damit auch eine wichtige Einnahmequelle. Allein durch die hektische Bautätigkeit der letzten Tage sind Zusatzkosten von etwa 200.000 Euro angefallen. Eine echte Ausfall-Variante gab es nie.

          „Wir haben gehofft, dass alles gut wird“, sagt Hemerka, der ansonsten zwei Tournee-Springen in Bischofshofen durchziehen wollte. Das war aber schon aufgrund der Probleme mit Transport und Unterbringung praktisch unmöglich.

          Sicherheit wird groß geschrieben

          Unklar blieb bis zur letzten Stunde, ob die Springer den neuen Schanzenlift nutzen können, weil dem noch das technische Prüfsiegel fehlt. Der Lift, mit dem die Springer auf den neu gebauten Anlaufturm hinauf fahren, wurde erst am Mittwoch freigegeben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Thunberg setzt Segel-Trend : Per Anhalter über die Weltmeere

          Wie Greta Thunberg die Meere zu besegeln, ist für junge Abenteurer das neue Rucksackreisen. Viele Bootsbesitzer sind von den teils penetranten Anfragen aber schon genervt. Und der Trip über den Ozean kann schnell zur Tortur werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.