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VfL Wolfsburg : Hoeneß' Kampf gegen das schlechte Image

  • -Aktualisiert am

Wer 50 Millionen ausgibt, dem fehlen die Argumente: Wolfsburg-Manager Dieter Hoeneß Bild: dpa

Schwere Tage für Dieter Hoeneß: Vor dem Spiel in Freiburg am Samstag muss er sich für die Etatunterschiede zwischen seinem schwächelnden VfL Wolfsburg und dem erfolgreichen Gegner rechtfertigen. Trainer Littbarski verteidigt ihn immerhin.

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          Der Blick auf die Tabelle ärgert ihn. Die vergleichenden Rechenspiele auch. Wenn Dieter Hoeneß erklären soll, warum ein vermögender Verein wie der VfL Wolfsburg neidisch auf die Erfolgsbilanz des kleinen SC Freiburg schaut, spricht er gern von einer Momentaufnahme. „Wir arbeiten hier in Wolfsburg an etwas, was der SC Freiburg auf lange Sicht nicht erreichen kann“, sagt der geschäftsführende Vorsitzende eines Fußball-Bundesligaklubs, bei dem Aufwand und Ertrag in dieser Saison nicht zusammenfinden wollen. Wer auf die gesamte Saison gerechnet mehr als fünfzig Millionen Euro für zwölf neue Spieler ausgibt und trotzdem mit dem Abstiegskampf in Berührung kommt, dem fehlen gute Argumente für seine Arbeit.

          Es sind die jüngsten Anfeindungen gegen seine Person sowie die Talfahrt des VfL, die Hoeneß ärgerlich und nachdenklich zugleich machen. Vor dem Auswärtsspiel beim SC Freiburg an diesem Samstag (15.30 Uhr/ FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) hat der Achtundfünfzigjährige lange geschwiegen, ehe er die Flucht nach vorn antrat. „Wir haben zuletzt mehr Geld durch Spielerverkäufe eingenommen, als wir ausgegeben haben. Und der VfL schließt das Geschäftsjahr erstmals seit langem wieder mit Gewinn ab – und zwar im zweistelligen Millionenbereich“, versichert Hoeneß.

          Er wird nicht müde, gegen jenes Image anzukämpfen, das ihm seit seiner Zeit als Macher bei Hertha BSC Berlin anhaftet. Von einem Geldverschwender ist dabei oft die Rede. Von einem, der den Hauptstadtklub nach vorn, am Ende aber auch in die zweite Liga gebracht habe. „Tatsächlich haben wir hier in Wolfsburg zuletzt mit einem Gebot der Vernunft neue Spieler eingekauft und die Personalkosten gesenkt“, findet Hoeneß.

          Interimstrainer Littbarski verteidigt Hoeneß
          Interimstrainer Littbarski verteidigt Hoeneß : Bild: dapd

          Aufreiben in Kärrnerarbeit

          Es liegt auch an seiner Machtfülle, dass der führende Kopf des Vereins, den die Fans zuletzt mit „Hoeneß raus“-Rufen bedacht haben, angefeindet wird. Seitdem er vor gut einem Jahr kam, dirigiert Hoeneß den Umstrukturierungsprozess eines Klubs, der im Sommer 2009 überraschend deutscher Meister geworden war und nach dem Abgang von Alleinherrscher Felix Magath vor vielen Rätseln stand. Hoeneß zeichnet neben den Aufräumarbeiten, die unter anderem den Scouting-Bereich, das Nachwuchsleistungszentrum, die medizinische Abteilung und die Geschäftsstelle betreffen, auch die unangenehmen Personalien ab.

          Mit Armin Veh und Steve McClaren musste er zwei Trainer entlassen, die bei den Fans trotz ihrer Erfolglosigkeit noch Rückhalt besaßen. Hoeneß, vom VfL-Hauptsponsor Volkswagen für den Aufbau von Strukturen und wegen seines Fußball-Sachverstandes verpflichtet, reibt sich an einer Kärrnerarbeit auf, die die Anhänger in ihrer Angst vor dem Abstieg nur sekundär interessiert.

          Littbarski verteidigt Hoeneß

          Es stimmt, dass der VfL Wolfsburg bei seiner jüngsten Einkaufstour auf dem Spielermarkt trotz der Rekordeinnahme für Edin Dzeko für seine Verhältnisse defensiv vorgegangen ist. Von den mehr als 30 Millionen Euro, die Manchester City für den Torjäger überwies, wurde gerade einmal die Hälfte in Verstärkungen wie Tuncay Sanli, Patrick Helmes, Jan Polak und Ja Cheol-Koo reinvestiert. Auf der anderen Seite können es sich die Wolfsburger auch leisten, vor der Partie in Freiburg teure Profis wie Thomas Kahlenberg und Alexander Madlung zu suspendieren. Interimstrainer Pierre Littbarski, der auf Wunsch der Vereinsführung hart durchgreift, will seinen hochbezahlten Spielern Beine machen. Und er versucht, den ins öffentliche Kreuzfeuer geratenen Hoeneß zu verteidigen.

          Littbarski hofft, sich möglichst lange auf der Trainerbank behaupten zu können. Denn sein Chef muss auf die Entlassung von McClaren, dessen Verpflichtung er mittlerweile als seinen Fehler bezeichnet, eine dauerhafte Antwort finden. „Ein Trainer wie Robin Dutt holt in Freiburg das Optimale aus dem Spielermaterial heraus und hat eine Einheit gebildet. Das hat Steve McClaren bei uns nicht geschafft“, bemängelt Hoeneß und weiß, dass dieser Rüffel für den gefeuerten Coach Kritik an seiner eigenen Personalpolitik gleichkommt.

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