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Vermarktung : Wird ISL von Bertelsmann und Vivendi übernommen?

  • Aktualisiert am

Sucht neue Partner: Fifa-Boss Sepp Blatter Bild: dpa

Erwächst Leo Kirch neue Konkurrenz? Offenbar will ein Konsortium die Agentur ISL retten und mit Sportrechten handeln.

          2 Min.

          Für die Schweizer Sportrechte-Agentur ISMM/ISL ist wenige Tage vor einer Konkursentscheidung ein letzter Rettungsversuch unternommen worden. Max Gurtner, Sprecher des Unternehmens, gibt in dürren Worten zu Protokoll: „Wir stehen in Verhandlungen mit den wichtigsten Investoren.“

          Um die Agentur hatte es zuletzt Wirbel gegeben: Sie besitzt die kompletten Vermarktungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 in Japan und Südkorea sowie 2006 in Deutschland. Dafür waren 3,4 Milliarden Mark gezahlt worden.

          Die TV-Rechte für Europa an beiden WM-Ereignissen hatte der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch für 1,4 Milliarden Schweizer Franken erworben. Sollte ISMM/ISL in Konkurs gehen, so hätte Kirch für weitere 1,4 Milliarden Schweizer Franken eine Option auf die übrigen Rechte.

          Auch Rechte für EM 2004 sind weg

          ISMM/ISL soll durch den nicht refinanzierbaren Ankauf anderer Sportrechte allein in 2000 einen Verlust von über 600 Millionen Schweizer Franken erlitten haben. Daher war spekuliert worden, dass Kirch bereits ein Angebot für die außereuropäischen Fernsehrechte sowie die weltweiten Marketingrechten unterbreitet habe.

          Außerdem hat die Schweizer Agentur die Exklusiv-Vermarktungsrechte für die EM 2004 verloren, weil sie der Uefa von der Euro 2000 noch immer zehn Millionen Pfund (umgerechnet über 30 Millionen Mark) schuldet.

          Strategisches Ziel: die WM-Rechte

          Offensichtlich hat sich in Zürich ein Konsortium aus Bertelsmann und dem französischen Mischkonzern Vivendi mit dem Schweizer Unternehmen auf Übernahmebedingungen geeinigt. Auf diese Weise soll das Aus des wichtigsten Marketingpartners von Fußball-Weltverband Fifa noch abgewendet werden.

          Das strategische Ziel der Übernahme ist es, die lukrativen WM-Rechte der ISMM/ISL-Gruppe in Besitz zu bekommen und sich als Sportrechtehändler zu etablieren. So soll ein Gegengewicht zur Kirch-Gruppe geschaffen werden.

          Vivendis erster Versuch scheiterte

          Anfang kommender Woche wird ein Konkursgericht im Kanton Zug über den Antrag der ISMM/ISL-Gruppe entscheiden, den endgültigen Konkurs zu verhindern. Es wurde bestätigt, dass Bertelsmann und Vivendi planen, das Sportrechtegeschäft künftig gemeinsam zu betreiben. In einem solchen Fall entstünde ein beachtliches Konkurrenzunternehmen zur Kirch-Gruppe, die im Besitz einer Reihe lukrativer TV-Rechte ist.

          Vivendi hatte bereits Anfang April einen Übernahmeversuch von ISMM/ISL unternommen. Die Bedingungen einschließlich einer Zahlung von 70 Millionen Schweizer Franken waren jedoch als unzureichend abgelehnt worden.

          WM 2006: Unberührt von der Krise

          Da diese Rechte hohe Gewinne versprechen, bestünde kein Zweifel daran, dass Kirch innerhalb einer Frist von einem Monat seine Option wahrnehmen würde. So hat ISL bereits jetzt TV-Rechte allein für die WM 2002 in Höhe von über einer Milliarde Schweizer Franken verkauft. Bei einem Konkurs von ISMM/ISL würden auch die Marketingrechte an den beiden Weltmeisterschaften in Südkorea/Japan und Deutschland im Wert von rund 800 Millionen Schweizer Franken frei werden.

          Für diesen Fall will die FIFA eine eigene Vermarktungsagentur gründen. FIFA- Präsident Joseph Blatter hat unterstrichen, dass sein Verband und das Geschäft mit den Weltmeisterschaften auf jeden Fall abgesichert seien. Maximalverluste von bis zu 50 Millionen Schweizer Franken für die WM 2002 im Sponsorengeschäft würden durch einen absehbaren Gewinn bei den TV-Rechten mehr als ausgeglichen werden.

          Völlig unberührt von der Existenzkrise bei ISMM/ISL ist die WM 2006 in Deutschland.

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