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Vermarktung : FIFA gründet eigene Vermarktungsfirma

  • Aktualisiert am

Unter Druck: FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen Bild: dpa

Das Dringlichkeitskomitee des Internationalen Fußball-Verbandes hat die Gründung einer eigenen unabhängigen Marketing-Agentur beschlossen.

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          Die Münchner Kirch-Gruppe könnte zum größten Nutznießer der Krise um die Vermarktung der Fußball- Weltmeisterschaften 2002 in Japan und Südkorea und 2006 in Deutschland werden. Im Fall eines Konkurses des Schweizer Marketing- Unternehmens ISMM/ISL ist die Münchner Kirch-Gruppe im Besitz einer Option auf die gesamten Fernsehrechte für die nächsten beiden Titelkämpfe. Dies hat der Internationale Fußball-Verband (FIFA) nach der Sitzung seines Dringlichkeitskomitees am Mittwoch in Zürich mitgeteilt.

          Kirch besitzt für 1,4 Milliarden Mark bereits die europäischen Rechte der beiden nächsten Welttitelkämpfe. Sollte der Konkurs von ISMM/ISL endgültig werden, womit zu rechnen ist, könnte das Münchner Unternehmen das TV-Paket für die übrige Welt (außer USA) für ebenfalls 1,4 Milliarden Mark übernehmen. Am vergangenen Mittwoch hatte ein Konkursrichter des Kantons Zug den Antrag der ISMM-Gruppe auf Konkursaufschub abgewiesen. Über einen letzten Einspruch des Schweizer Unternehmens wird das Konkursgericht voraussichtlich schon in den nächsten Tagen entscheiden.

          Goldgrube für Kirch

          Die Verluste von ISMM/ISL betragen nach einem Bericht der „Berliner Zeitung“ für das Jahr 2000 677 Millionen Schweizer Franken (867 Millionen Mark). Experten gehen davon aus, dass die ISMM-Gruppe nicht mehr zu retten sein wird. Als „vorsorgliche Maßnahme“ hatte das Dringlichkeitskomitee der FIFA die Gründung eines eigenen Unternehmens (FIFA Marketing AG) beschlossen. Es würde die an ISMM/ISL vergebenen Sponsorenrechte in Höhe von rund 800 Millionen Mark übernehmen und selbst verwerten. Die FIFA machte in ihrer Erklärung ihren Rechtsstandpunkt deutlich, wonach die an ISMM/ISL vergebenen Rechte bei „besonderen Umständen“ an den Weltverband zurückfallen.

          Für die Kirch-Gruppe würde sich mit dem Wahrnehmen der Option auf die außereuropäischen TV-Rechte ein neues lukratives Geschäft ergeben. ISL hatte Ende Januar bekannt gegeben, allein für die WM in Japan und Südkorea bereits Rechte im Wert von einer Milliarde Franken verkauft zu haben. Kirch müsste die bereits bestehenden TV-Verträge übernehmen und könnte mit der Veräußerung der übrigen Rechte einen hohen Gewinn erzielen. Dieser zeichnet sich schon jetzt beim Verkauf der europäischen Rechte für die WM 2002 und 2006 ab. Nach einer Berechnung der „Süddeutschen Zeitung“ könnte Kirch allein für den deutschsprachigen Raum rund eine Milliarde Mark erlösen.

          FIFA unter enormen Zeitdruck

          Die FIFA hat noch einmal betont, dass weder die Weltmeisterschaften noch sie selbst durch einen Konkurs von ISMM/ISL finanziell gefährdet seien. Allerdings ist der Weltverband nun unter enormen zeitlichen Druck geraten. Die neu zu schaffende Vermarktungsagentur müsste schon beim Konföderations Cup im Juni tätig werden. Diese WM-Generalprobe in Japan und Südkorea soll laut Vertrag von ISL vermarktet werden. FIFA-Präsident Joseph Blatter will die von ISL bereits angeworbenen Fernsehunternehmen am kommenden Dienstag bei einem Treffen in Yokohama von der neuen Situation unterrichten. Dabei sollen auch die japanischen und koreanischen WM-Organisatoren auf den letzten Stand gebracht werden. Dazu ist in Zürich ein Treffen mit den von ISL bereits angeworbenen Sponsoren vorgesehen. Die FIFA versichert, „alles Notwendige zu tun“, um die bereits über ISL vergebenen Rechte zu schützen.

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