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Hochseesegeln : Regatta-Ende im Überlebensanzug

Da war noch alles in Ordnung: Weltumseglerin Samantha Davies auf ihrem Boot Bild: REUTERS

Die Vendée Globe hat in nur einer Woche schon vier Teilnehmer zur Aufgabe gezwungen. Nun hat es die einzige Frau im Feld der härtesten Regatta für Weltumsegler erwischt. Samantha Davies musste nach einem Mastbruch um ihre Sicherheit kämpfen.

          Wenige Stunden vor dem Desaster an Bord der „Savéol“ strahlte Samantha Davies noch Optimismus aus. Ein gerissenes Fall (Seilzug zum Setzen und Bergen des Vorsegels) hatte sie repariert, so dass die Weltumseglerin aus England die Fahrt auf ihrer Rennyacht mit voller Kraft fortsetzen konnte.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schwere Böen und eine hohe Dünung erleichterten die Arbeit nicht gerade, aber Samantha Davies fühlte sich auf einem guten Weg, ihren Rückstand zu den Führenden bei der Vendée Globe, der härtesten Regatta für Weltumsegler,  zu verkleinern. „Alle Komplikationen sind behoben. Ich freue mich auf die nächsten Herausforderungen“, teilte sie in einem per mail geführten Interview mit.

          Da wusste sie noch nicht, dass sie kurze Zeit später in Lebensgefahr geraten und das Rennen für sie beendet sein würde. Wie Samantha Davies später über Satellitentelefon berichtete, wollte sie sich am Donnerstagabend gerade vorbereiten, um an Deck zu gehen und Arbeiten am Großsegel zu erledigen, als es krachte.

          Zuversicht kurz vor dem Mastbruch: „Ich kenne da keine Angst“

          Sie habe geahnt, dass der fast 30 Meter hohe Mast herunterkommen würde und blieb zu ihrer eigenen Sicherheit im Rumpf. Die Risiken einer Erkundung bei starkem Wind und hoher Dünung wären unkalkulierbar gefährlich gewesen.

          „Ich habe erst einmal meinen Überlebensanzug angezogen und abgewartet, bis der Wind abgeflaut ist“, übermittelte Samantha Davies. Weit nach Mitternacht habe sie schließlich begonnen, sich an Deck von der havarieren Segelkonstruktion zu befreien, um zumindest ihre Yacht zu sichern.

          Mit Dieselmotor nach Madeira

          Zu diesem Zeitpunkt trieb Samantha Davies rund 240 Kilometer nordwestlich von der Insel Madeira. Die Rennleitung in der Vendée-Globe-Zentrale in Paris verständigte sofort die Seenotdienste, die ihrerseits alle Boote in einem Umkreis von 200 Seemeilen (370 Kilometer) über den Vorfall und die Position der beschädigten „Savéol“ informierten. Die Yacht ist die ehemalige „Neutrogena“ des deutschen Seglers Boris Herrmann, der selbst keine Sponsoren fand für eine Teilnahme in diesem Jahr.

          Am Cap Finistere: Wenigstens ein Zwischenziel hat Samantha Davies erreicht

          „Ich bin sehr traurig. Mein Team und wir alle haben so viel für das Projekt gegeben. Es ist sehr schade, dass es nun so enden musste“, sagte Samantha Davies über Satellitentelefon. Sie will nun versuchen, mit Hilfe des kleinen Dieselmotors Madeira zu erreichen.

          Die 37 Jahre alte Britin, Mutter eines einjährigen Sohnes, ist eine erfahrene Weltumseglerin. Bei der Vendée-Globe-Ausgabe vor vier Jahren belegte sie einen starken vierten Platz. Schon damals fiel mehr als die Hälfte der Teilnehmer aus. Das Rennen für Einhandsegler geht rund um die Welt, nonstop, über rund 100 Tage und 45.000 Kilometer. Es handelt sich um eines der größten Abenteuer im Sport.

          Vierte Aufgabe in der ersten Woche

          Der Präsident der Rennens, Bruno Retailleau, bedauerte am Freitag Samantha Davies’ Aufgabe, zumal sie als einzige Frau im Teilnehmerfeld über eine exponierte Stellung verfügte. „Sie hat einen besonderen Charakter“, lobte Retaillleau. Die Organisatoren beklagen nun nach einer Woche schon den vierten Ausfall unter 20 gestarteten Seglern.

          Erhabener Moment: Sonnenuntergang auf hoher See

          Zuvor hatten die Franzosen Kito de Pavant nach der Kollision mit einem Fischtrawler und Marc Guillemot nach dem Aufprall (offenbar mit einem im Meer treibenden Container) aufgeben müssen. Ihr Landsmann Louis Burton, der nach einem Zusammenstoß mit einem Fischerboot eigentlich zurück in den Start-Hafen Les Sables d’Olonne (französische Atlantikküste) wollte, um nach der nur dort im Reglement erlaubten Reparatur neu zu starten, hat diese Absicht verworfen und ist ebenfalls ausgeschieden.

          Die dezimierte Flotte hat noch nicht einmal den Äquator erreicht. In Führung liegt derzeit der Franzose Armel Le Cleac’h vor seinem Landsmann Francois Gabard, dem Schweizer Bernard Stamm sowie dem Waliser Alex Thomson.

          Vendée Globe - das Rennen im Internet. FAZ.NET begleitet die Einhandsegler in den kommenden drei Monaten mit regelmäßigen Beiträgen von den sieben Weltmeeren.

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