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Tennis-Arena in New York : Was das neue Stadion der US Open so besonders macht

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Schöne neue Tenniswelt: Louis Armstrong II bietet 14.000 Sitzplätze. Bild: AFP

Alles neu in der New Yorker Tenniswelt: Louis Armstrong II bietet neben dem Arthur-Ashe-Stadion Platz für 14.000 Sportbegeisterte bei den US Open. Doch das ist längst nicht alles.

          Kurz nach elf in der Frühe flog offiziell der erste Ball im neuen Louis-Armstrong-Stadion. Es war ein Aufschlag der Nummer eins des Frauentennis, Simona Halep, den die Gegnerin Kaia Kanepi unfreiwillig ins Publikum beförderte. Dort wurde er von einem sieben Jahre alten Jungen gefangen, und normalerweise dürfen Zuschauer bei den US Open nach bester amerikanischer Baseball-Tradition gefangene Bälle behalten. Doch in diesem Fall wurde der Junge überzeugt, der Ball sei für eine höhere Mission vorgesehen und werde bald zu den Ausstellungsstücken der Tennis Hall of Fame in Newport/Rhode Island gehören.

          So begann die Geschichte eines neuen Stadions, das an der Stelle seines Vorgängers gleichen Namens steht. Von 1978 bis 1996 war Louis Armstrong I die größte Arena der US Open; ein legendärer Ort. Von den obersten Rängen hatten die Zuschauer freien Blick auf die unvergleichliche Ansammlung von Wolkenkratzern in Manhattan, was vor allem beim Sonnenuntergang ein unvergesslicher Eindruck war. Und wenn die Jets vom nahen Flughafen La Guardia im 90-Sekunden Takt übers Stadion donnerten, dann dröhnte der Lärm bis in den Brustkorb hinein. Armstrong war ein Ort, an dem sich keiner verstecken konnte; nicht vor der Sonne, nicht vor dem Lärm und nicht vor der Hitze einer brodelnden Atmosphäre.

          Ein Dach musste her

          Dann kam Louis in die Jahre und wurde degradiert; eine neue Arena sollte her. 1997 war das erste Jahr des Arthur-Ashe-Stadions mit seinen 23.771 Sitzplätzen, einer riesigen, überdimensionierten Schüssel. Doch eine Serie von Jahren mit schlechtem Wetter, prasselndem Regen und Hurricanes zwischen 2008 und 2012 und mit Endspielen, die auf Montag verschoben werden mussten, rief immer mehr Kritiker auf den Plan, die ein Dach forderten. Eine Weile lang hieß es, das sei technisch schwer machbar, weil der Untergrund, auf dem die Arenen in Flushing Meadows stehen, feucht sei und kein zusätzliches Gewicht vertrage. Dann fand sich eine Lösung in einem neuen Plan für 600 Millionen Dollar, in dem nicht nur Arthur ein Dach spendiert werden sollte (2016), sondern auch ein ganz neuer Louis, ebenfalls mit Dach, vorgesehen war.

          Nach dem Ende der US Open 2016 rollten die Bagger an und machten die alte Arena nach mehr als 2000 Spielen in fast vier Jahrzehnten platt; ein Doppel der Bryan-Brüder gegen die Spanier López/López war das letzte Spiel, und die beiden Regen-Unterbrechungen während dieses Spiels schienen nachdrückliche Erinnerungen zu sein, warum die US Open ein zweites Dach brauchten.

          In der vergangenen Woche wurde Armstrong II offiziell eingeweiht; zur Feier des Tages spielte der Trompeter Wynton Marsalis, und John McEnroe sagte, als New Yorker und Junge aus Queens sei er mächtig stolz auf die neue Arena. Seit Montag läuft der Spielbetrieb, doch der Nachfolger mit 14.069 Plätzen hat mit dem Vorgänger gleichen Namens nicht die geringste Ähnlichkeit, nicht nur wegen des Daches, das sich in weniger als sechs Minuten schließen lässt. Die meisten der Zuschauer braten nun nicht mehr wie früher in der Sonne, was bei Temperaturen um 35 Grad wie am Dienstag ein Segen ist. Von außen macht die Arena einen leichten, luftigen Eindruck, auffällig ist eine Lamellen-Verkleidung, die aus mehr als 14.000 dünnen Einzelteilen aus Terrakotta besteht, und drinnen führen die Treppen ebenso steil nach oben wie nebenan im Ash-Stadion. Wie laut es im neuen Stadion werden kann, wurde schon am ersten Tag mit halber Besetzung deutlich.

          Dieser Tag begann mit der Niederlage von Simona Halep gegen die fabelhaft spielende Kaia Kanepi, und er endete fast zwölf Stunden später mit einem Sieg des Argentiniers Juan Martin del Potro. Und er endete, weil nun in Armstrong II bis zum Ende der ersten Woche auch am Abend gespielt wird und dafür natürlich extra Tickets verkauft werden, wie nicht anders zu erwarten war mit einem Rekord von 67.832 Besuchern. Den Gesamtrekord von mehr als 72.0000 während der beiden Wochen des Turniers werden sie sicher auch knacken; das wird sich angesichts der erweiterten Kapazität kaum vermeiden lassen.

          Der zweite Louis, errichtet in nur zwei Jahren, ist ein Hingucker, und mit Arthur und dem vor zwei Jahren eingeweihten neuen Grandstand, wo an diesem Mittwoch Julia Görges (ca. 19.00 Uhr MESZ) ihr Zweitrundenmatch gegen die Russin Jekaterina Makarowa austragen wird, hat der amerikanische Tennisverband (USTA) nun ein modernes, attraktives Ensemble zusammengestellt. Es ist leicht, der alten, plattgewalzten Arena eine Träne nachzuweinen, denn für viele Leute war diese Arena bis zum Rand mit Erinnerungen gefüllt. Aber die Erinnerungen werden ja nicht deshalb verschwinden, weil jetzt ein neues Stadion an der gleichen Stelle steht; das ist ein klarer Fall von erbaulicher Koexistenz.

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