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Tennis-Renaissance des Jahres : Djokovic ist zurück

  • -Aktualisiert am

Wieder ganz der Alte: Novak Djokovic Bild: AFP

Nach seinem Triumph in Wimbledon und dem Sieg in Cincinnati sieht es so aus, als stünde Djokovic auf der Favoriten-Liste für die US Open ganz oben. Aber wo bleiben die Jungen?

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          Natürlich konnten sie mit ihm für den Kindertag im Arthur Ashe Stadion planen. Für quietschbunte Aktionen dieser Art war Novak Djokovic auch früher schon zu haben, und wenn man selbst zwei kleine Kinder hat, dann stellt sich die Frage der Beteiligung ohnehin nicht mehr. Aber auch so sehen unterschiedliche Lebensphasen aus; Familienvater Djokovic spielte für die Kleinen, der ungebundene Kollege Juan Martin del Potro gönnte sich stattdessen einen Besuch im Walter Kerr Theater am Broadway, wo der von ihm verehrte Bruce Springsteen seit fast einem Jahr fünfmal in der Woche in einer grandiosen One-Man-Show auftritt.

          Djokovic ist aber nicht nur bei Kinderspielen wieder erste Wahl. Nach dem Triumph in Wimbledon, dem vierten in seiner Karriere, und dem Sieg vor gut einer Woche beim Turnier in Cincinnati sieht es auf einmal so aus, als stünde er auf der Liste der Favoriten bei den US Open ganz oben. In New York, wo er öfter im Finale spielte als bei jedem anderen Grand-Slam-Turnier – siebenmal. Und wo er zwei Titel gewann: 2011 gegen Rafael Nadal, nachdem er zuvor im Halbfinale eine packende Partie gegen Roger Federer gewonnen hatte, und vor drei Jahren, als er Federer im Finale besiegte, obwohl das Publikum massiv und phasenweise unfair auf der Seite des vielgeliebten Gegners gestanden hatte.

          Zuletzt festigte sich der Eindruck, als laufe die Maschinerie bei Djokovic nach einigen Runden mit Unwucht wieder rund. Als er zu Beginn des Jahres nach fast einem halben Jahr Pause wegen einer Verletzung am rechten Ellbogen zurückgekehrt war, hatte es manchmal so ausgesehen, als sei nicht nur der operierte Arm nicht bereit.

          Die ersten sechs Turniere beendete er mit einer Bilanz von 6:6 und wirkte in manchen Spielen wie ein blasser Schatten seines früheren Ichs. Doch seither sieht die Sache deutlich besser aus mit 27 Siegen in 31 Spielen. Und mit dem Sieg kürzlich in Cincinnati leistete er sich eine historische Tat, als er den letzten ihm noch fehlenden Titel der Masters-1000-Serie gewann, den wichtigsten Turnieren unterhalb der Ebene der Grand Slams. Das sei einer der sehr speziellen Momente seiner Karriere gewesen, meinte er in Cincinnati. In einem Sport Geschichte zu schreiben, den er von ganzem Herzen liebe, sei ein großes Privileg und eine große Ehre, und er werde für den Rest seines Lebens stolz darauf sein. Es klang ein wenig salbungsvoll, aber so hört er sich manchmal an.

          Wundern sich die Konkurrenten nun über die beeindruckende Renaissance des Kollegen D.? Roger Federer sagt, er denke gar nicht daran, sich zu wundern. „Wir haben alle gesehen, dass er Anfang des Jahres, als er zurückkehrte, noch nicht ganz bereit war. Aber wenn du nach einer Verletzung zurückkommst, dann willst du der Welt zeigen, wie stark du bist. Und wie gut und stark er ist, hat er ja beim Sieg in Wimbledon bewiesen.“

          Federers letzter Triumph bei den US Open liegt zehn Jahre zurück, aber er sagt, damit könne er leben. Und natürlich denkt er nicht, das könne der letzte gewesen sein. Wer solche Gedanken zulässt, der wird sicher nichts gewinnen, nicht mal die nächste Runde. Mit 37 Jahren ist er der Älteste im Feld der 128 Kandidaten auf den Titel. Er und Djokovic gehören zu den 42 Spielern, die 30 Jahre und älter sind. Und wo bleiben die Jungen, wer wird der erste große Sieger der neuen Generation um Alexander Zverev sein? Federer sagt, da fehle nicht mehr viel. „Sie müssen noch Grand-Slam-Turniere gewinnen, diesen nächsten Schritt gehen. Aber ich hab das Gefühl, dass sie definitiv an der Türschwelle stehen.“

          Große Ehre für Djokovic: „In einem Sport Geschichte zu schreiben, den er von ganzem Herzen liebe.“

          In der Tat könnte sich was tun. Federer könnte seinen zweiten Platz in der Weltrangliste nach dem Turnier sowohl gegen den argentinischen Springsteen-Verehrer als auch gegen Deutschlands Besten verlieren. Allerdings müssten Juan Martin del Potro oder Zverev bei dieser Rechnung den Titel gewinnen und Federer dürfte die dritte Runde nicht erreichen.

          Es wäre ein Einschnitt, falls es so kommen sollte, denn seit 13 Jahren stand keiner mehr auf Platz zwei der Rangliste, der nicht zur reich dekorierten Gruppe der großen Vier gehörte – Rafael Nadal, Roger Federer, Novak Djokovic und Andy Murray. Doch der Schuss könnte auch in die andere Richtung losgehen. Falls Nadal, der den Titel im vergangenen Jahr gegen Kevin Anderson souverän gewonnen hatte, nicht mindestens im Halbfinale landet und Federer seinen sechsten Titel bei den US Open gewinnt, stünde der Meister aus der Schweiz wieder ganz oben. Mal sehen, was Novak Djokovic zu all dem zu sagen hat. Oder vielleicht doch einer von den Jungen.

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