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Start des Grand-Slam-Turniers : Die Größte fehlt bei den US Open

  • -Aktualisiert am

Muss eine Verletzung ausheilen lassen: Serena Williams Bild: AFP

Die US Open beginnen ohne Serena Williams, weil sie noch nicht fit ist. Titelverteidigerin Naomi Osaka schlägt zwar auf, aber ihre Chancen sind schwer einzuschätzen.

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          Normalerweise stehen die US Open an letzter Stelle. Seit mehr als 30 Jahren beginnt die illustre Folge der Grand-Slam-Turniere auf dem Planeten Tennis im Januar in Melbourne mit den Australian Open, gefolgt von Roland Garros in Paris Ende Mai und Wimbledon einen Monat später, und erst in den letzten Augusttagen richtet sich der Blick auf New York. Aber was ist schon normal in diesen Zeiten?

          Im vergangenen Jahr wusste keiner, ob die Sache gut ausgehen würde, als der amerikanische Tennisverband seine Open als erstes der großen vier Turniere nach Beginn der Pandemie ausrief; Roland Garros war auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, Wimbledon war abgesagt worden. Die Sache klappte, natürlich ohne Zuschauer, überraschend gut. Diesmal ist das Turnier wieder an die vierte Stelle gerückt, aber in gewisser Weise steht die vierte Stelle ganz vorn.

          Weniger Zuschauer

          Denn wenn sich an diesem Montag die Tore zum Billie Jean King National Tennis Center in Flushing Meadows öffnen, dann wird es keine Beschränkung der Zuschauerzahlen geben. Jeder, der eine Karte hat und mindestens einmal geimpft wurde, darf rein, auch ins Arthur Ashe Stadium, mit 23.771 Sitzplätzen das größte Tennisstadion der Welt.

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          Beim ersten Spiel in der riesigen Schüssel, Ortszeit 12 Uhr, wird es sicher noch nicht voll sein; das passiert um diese Uhrzeit nie. Aber die beiden Amerikanerinnen, die sich dort treffen werden, kennen das Stadion, wenn dort kaum noch ein Platz frei ist und die Energie der Leute wie ein Stromschlag wirkt.

          Vor vier Jahren spielten Sloane Stephens und Madison Keys am letzten Samstag des Turniers um den Titel. Das Spiel blieb nicht lange in Erinnerung, weil Keys einen ziemlich schlechten Tag erwischte und keine Chance hatte.

          Vor vier Jahren Finale, diesmal erste Runde, und keine der beiden gehört zu den gesetzten Spielerinnen – das ist eine kleine Geschichte am Rande eines großen Turniers, dem die Größte von allen fehlt. Wie vor vier Jahren ist Serena Williams nicht dabei; damals brachte sie Anfang September ihre Tochter Alexis Olympia zur Welt, diesmal ist sie noch nicht fit nach der Verletzung, die sie sich beim frühen Aus in Wimbledon zugezogen hatte.

          Titelverteidigerin Osaka

          Serena Williams wird in knapp vier Wochen 40 Jahre alt sein, und mit der Regeneration dauert es nun einfach etwas länger. Aber die Titelverteidigerin ist dabei, Naomi Osaka. Als die Japanerin vor zwölf Monaten und vor leeren Rängen in New York ihren zweiten Titel bei den US Open gewann und noch viel mehr beim zweiten Triumph in Melbourne zu Beginn dieses Jahres hatte es so ausgesehen, als gebe es auf den Hartplätzen der Tenniswelt keine Bessere.

          Prinzipiell passt sie mit ihrem erstklassigen Aufschlag und ihren wuchtigen Grundschlägen nach wie vor perfekt zu jenem blauen Boden, auf dem in Flushing Meadows gespielt wird. Aber nach allem, was in den vergangenen Monaten passierte, fällt es schwer, die Chancen der Titelverteidigerin realistisch einzuschätzen.

          Als sie vor ein paar Tagen gefragt wurde, ob es ein oder zwei Dinge gebe, die sie aus den Ereignissen während der French Open gelernt habe, da sagte sie: „Ein oder zwei? Ehrlich, ich habe das Gefühl, dass ich damals viele Dinge falsch gemacht habe. Aber ich bin nun mal ein Mensch, der stark im Moment lebt; wonach mir ist, das werde ich sagen oder tun. Jetzt würde ich vielleicht vorher ein bisschen mehr nachdenken, aber ich hatte ja keine Ahnung, was für ein großes Ding daraus werden würde.“

          Mentale Gesundheit

          Die Art, wie sie damals in Paris versuchte, auf ihre psychischen Probleme aufmerksam zu machen, mag nicht perfekt gewesen sein, weder im Timing noch in der Ausführung. Aber es gibt keinen Zweifel, dass das Thema der mentalen Gesundheit im Raubtierkäfig des Profisports seither anders und vernehmbarer diskutiert wird.

          Wie gut es ihr inzwischen wieder geht, ist schwer zu sagen; auf einen Start in Wimbledon hatte sie verzichtet, bei den Olympischen Spielen in Tokio entzündete sie die Flamme und schied ein paar Tage später im Achtelfinale aus, und zuletzt beim Turnier in Cincinnati gewann sie nur ein Spiel.

          Montagabend, im ersten Spiel der Night Session gegen die Tschechin Marie Bouzkova, wird man vielleicht sehen, wie die Lage ist. Nervös ist sie immer vor Auftritten in der ersten Runde, und diesmal könnte die Spannung noch etwas größer sein. „Ich musste erst mal mit dem Gefühl klarkommen, dass mich die Leute etwas anders betrachten als früher. Aber ich sage mir einfach: Es ist, wie es ist, und was ich getan habe, das habe ich getan.“

          Dieser letzte Satz könnte auch von Angelique Kerber stammen, die im Karussell ihrer Karriere auch vielen Menschen und Meinungen begegnet ist. Seit sie nach zweieinhalb glanzlosen Jahren im Sommer in Wimbledon im Halbfinale landete, scheint auf einmal wieder manches möglich zu sein. Kerbers Auslosung ist nicht leicht, los geht’s am Montag um die Mittagszeit auf Court 17 gegen Dajana Jastremska aus der Ukraine. Vor vermutlich voll besetzten Rängen und vor Menschen, deren Beifall sie lange vermisst hat.

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