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US Open : Köpfer zieht ins Achtelfinale ein

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Großer Jubel beim deutschen Tennisprofi Dominik Köpfer Bild: USA TODAY Sports

Überraschung in New York: Dominik Köpfer hat das Achtelfinale beim letzten Grand-Slam in diesem Jahr erreicht. Viele Favoriten taten es ihm gleich, und einer benahm sich dabei daneben.

          3 Min.

          Die wundersame Reise des Dominik Köpfer in New York geht völlig überraschend weiter. Der 25 Jahre alte Qualifikant setzte sich am Freitagabend in New York gegen den an Nummer 17 gesetzten Georgier Nikolos Bassilaschwili mit 6:3, 7:6 (7:5), 4:6, 6:1 durch und erreichte damit das Achtelfinale des mit insgesamt rund 57,2 Millionen Dollar dotierten Tennis-Turniers. Köpfer überstand in Flushing Meadows als erster deutscher Qualifikant seit 13 Jahren die dritte Runde.

          Letztmals hatte Benjamin Becker 2006 in New York als deutscher Qualifikant das Achtelfinale erreicht, nachdem er zuvor Andre Agassi besiegt und damit die Karriere des Amerikaners beendet hatte. Diesmal nutzte Köpfer im drittgrößten Stadion der Anlage gegen Bassilaschwili nach 2:40 Stunden seinen ersten Matchball.

          „Das ist einfach unglaublich“, sagte Köpfer nach dem größten Erfolg seiner Karriere. „Ich liebe es zu gewinnen. Das treibt mich immer weiter an.“ Im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale trifft der Schwarzwälder nun auf Geheimfavorit Daniil Medwedew aus Russland, der bei seinem Sieg über den Spanier Feliciano Lopez den Unmut des New Yorker Publikums auf sich zog. „Nach meinem letzten Sieg hatte ich Probleme einzuschlafen. Das wird jetzt wohl wieder so sein“, sagte Köpfer überwältigt.

          Partystimmung auf der Tribüne

          Der Linkshänder knüpfte gegen Bassilaschwili nahtlos an seine starken Leistungen aus den ersten beiden Runden an. Der 25-Jährige überzeugte abermals mit druckvollem Spiel und großem Kämpferherz und überraschte den favorisierten Georgier damit ganz offensichtlich. Zum 4:2 gelang Köpfer das Break, nach 35 Minuten holte er sich den ersten Satz mit 6:3.

          Nachdem er Bassilaschwili gleich zu Beginn des zweiten Satzes abermals das Service abnahm, kam bei seinen angereisten College-Freunden auf der Tribüne endgültig Partystimmung auf. Doch völlig unerwartet verlor der Schwarzwälder auf einmal den Rhythmus, Bassilaschwili gewann vier Spiele in Serie. Koepfer kämpfte sich aber wieder zurück und holte sich im Tiebreak auch den zweiten Durchgang.

          Nach einem Durchhänger im dritten Satz fand Köpfer vor den Augen von Tennis-Legende Boris Becker wieder zurück ins Spiel. Dass er gleich im ersten Aufschlagspiel einen Breakball abwehren konnte, gab ihm neues Selbstvertrauen. Bassilaschwili machte dagegen wieder mehr Fehler, die Köpfer zum Sieg nutzte.

          Favoriten geben sich keine Blöße

          Neben Köpfer stehen bei den Männern auch die Superstars Roger Federer und Novak Djokovic im Achtelfinale. Bei den Frauen schaffte das ebenfalls locker Serena Williams.

          Grand-Slam-Rekordsieger Federer hatte mit dem Briten Daniel Evans keine Mühe und feierte beim 6:2, 6:2, 6:1 seinen ersten glatten Sieg des Turniers. In seinen ersten beiden Partien in New York hatte der 38 Jahre alte Schweizer jeweils den Startsatz abgegeben. „Ich habe nichts anders gemacht. Manchmal geht es, manchmal nicht“, sagte Federer im Court-Interview und befand: „Ich habe richtig gutes Tennis gespielt, ich habe es heute hier draußen richtig genossen.“ Titelverteidiger Djokovic zeigte sich indes nicht beeinträchtigt durch seine linke Schulter, die ihm in der zweiten Runde Schmerzen bereitet hatte. Der Wimbledonsieger aus Serbien setzte sich gegen den Amerikaner Denis Kudla klar 6:3, 6:4, 6:2 durch. Im Achtelfinale bietet sich Djokovic nun die Chance zur Revanche für das verlorene Endspiel 2016 gegen den Schweizer Stan Wawrinka.

          Serena Williams will in ihrer Heimat Geschichte schreiben.

          Vorjahresfinalistin Williams ist ihrem ersehnten 24. Grand-Slam-Titel, mit dem sie die Bestmarke der Australierin Margaret Court einstellen würde, einen Schritt näher gekommen. Die 37 Jahre alte Amerikanerin bezwang die Tschechin Karolina Muchova in 1:14 Stunden 6:3, 6:2, nächste Gegnerin ist Petra Martic aus Kroatien. French-Open-Siegerin Ashleigh Barty (Australien) steht nach dem 7:5, 6:3 gegen die Griechin Maria Sakkari ebenfalls im Achtelfinale.

          Federer hat das Grand-Slam-Turnier in Flushing Meadows im New Yorker Stadtteil Queens bereits fünfmal gewonnen, zuletzt 2008. Auf dem Weg zum angestrebten Titel Nummer sechs bekommt er es im Achtelfinale mit David Goffin zu tun. Gegen den an Nummer 15 gesetzten Belgier hatte Federer zuletzt im Endspiel beim ATP-Turnier in Halle/Westfalen gewonnen.

          Aggressiver Medwedew

          Die Nummer fünf der Welt, Medwedew, verärgerte die Zuschauer beim 7:6 (7:1), 4:6, 7:6 (9:7), 6:4 gegen Lopez unter anderem mit einer Mittelfinger-Geste und einem provozierenden Interview nach dem Spiel. Im ersten Satz hatte Medwedew einem Ballkind das ihm dargereichte Handtuch rüde aus der Hand gerissen. Als er dafür eine Verwarnung vom Schiedsrichter erhielt, warf der 23-jährige seinen Schläger auf den Court und tippte sich mit dem Mittelfinger an die Stirn. Die Szene wurde auf den Videoleinwänden des Louis-Armstrong-Stadiums gezeigt, Medwedew erntete Buhrufe der Zuschauer und hatte diese für den Rest der Partie gegen sich.

          Nach dem Spiel schoss der Russe im Court-Interview zurück. „Ich danke euch. Eure Energie hat mir den Sieg gebracht“, rief Medwedew dem Publikum unter lauten Buhrufen zu. „Wenn ihr heute Nacht schlafen geht, sollt ihr wissen, dass ich nur wegen euch gewonnen habe.“ Anschließend ruderte Medwedew aber zurück. „Ich kann nur sagen, dass ich an mir arbeite und ich mich nächstes Mal hoffentlich bessern werde“, sagte er. Bei Lopez und dessen Coach habe er sich entschuldigt.

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