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US Open : High-Speed-Zverev bereits im Viertelfinale

Machte kurzen Prozess mit seinem Gegner: Alexander Zverev in New York bei den US Open. Bild: dpa

Angelique Kerber ist im Achtelfinale der US Open ausgeschieden. Der Rasanz der Amerikanerin Jennifer Brady hatte die ehemalige Nummer eins wenig entgegenzusetzen. Nun hält allein noch Alexander Zverev die deutsche Fahne hoch.

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          Angelique Kerber konnte einem leidtun. In der Mittagssonne von New York kämpfte Deutschlands beste Tennisspielerin zunehmend verzweifelt gegen das drohende Aus bei den US Open. Sie versuchte viel, variierte den Aufschlag, spielte mit mehr Schnitt, mit spitzeren Winkeln in den Grundschlägen, mit mehr Risiko, mit weniger Risiko, mit Slice, mit Topspin und mit Stopps. Doch gegen eine zeitweise furios aufspielende Jennifer Brady half am Sonntag alles nichts. Nach knapp 90 Minuten Spielzeit unterlag Kerber 1:6, 4:6 und schied damit im Achtelfinale aus.

          Die deutsche Fahne hält bei dem Grand-Slam-Turnier damit nur noch Alexander Zverev hoch. Der 23-Jährige machte nämlich im Anschluss an Kerbers Partie kurzen Prozess mit dem Spanier Alejandro Davidovich Fokina. Nach einem 6:2, 6:2, 6:1-Erfolg in nur gut eineinhalb Stunden steht Zverev damit zum vierten Mal in seiner Karriere im Viertelfinale eines Major-Turniers. Sein extrem konzentrierter Auftritt gegen die Nummer 99 der Welt Davidovich Fokina weckt sogar noch größere Erwartungen. Bei den Australian Open im Januar hatte Zverev das Halbfinale erreicht.

          „Die ersten beiden Sätze hatten eine hohe Qualität“, bilanzierte Zverev anschließend zufrieden. „Ich habe immer noch Dinge, an denen ich zu arbeiten habe. Aber ich bin auf einem guten Weg.“ Der gebürtige Hamburger ist nun der ersten Deutsche in einem Viertelfinale der US Open seit Tommy Haas im Jahr 2007. Seinen nächsten Gegner ist der Kroate Borna Coric.

          Zverev hatte gegen Davidovich Fokina von Beginn an einen Klassenunterschied geltend gemacht. Der erste Satz war nach zwei Breaks eine klare Angelegenheit. Im zweiten Durchgang leistete sich der Deutsche dann einen kleinen Fehlstart, lag schnell 0:2 zurück. Danach jedoch gewann er sechs Spiele in Serie und war somit endgültig auf der Siegerstraße. Sein Gegner hatte anschließend auch mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, sodass Satz drei nach gut 30 Minuten ebenfalls klar an den Deutschen ging.

          Angelique Kerber beim Aufschlag: Profitieren konnte sie von diesem nur selten.
          Angelique Kerber beim Aufschlag: Profitieren konnte sie von diesem nur selten. : Bild: USA TODAY Sports

          Kerber und Brady waren ohne Satzverlust durch die ersten drei Runden marschiert. Mehr Selbstvertrauen hatte dieser Umstand aber offenbar der Amerikanerin beschert. Brady drosch kompromisslos auf jeden Ball, den ihr Kerber in die Vorhand servierte. Diese wiederum schien zu Beginn völlig überfordert mit der Wucht und der Rasanz im Spiel ihrer Gegnerin. Dazu hatte sie erhebliche Probleme mit dem ersten Aufschlag. Nach nicht einmal 22 Minuten war der erste Satz beendet. Kerber hatte nicht den Hauch einer Chance. „Ich habe alles gegeben auf dem Platz, sie hat ein wirklich gutes Match gespielt“, sagte die mittlerweile 32-Jährige. „Ich hatte meine paar Chancen, die ich nicht nutzen konnte. Trotzdem muss ich sagen, dass ich das Beste, was ich konnte, auf dem Platz gelassen habe.“ Nach der langen Turnierpause sei es ein „guter Start“ gewesen.

          Mit 25 Jahren ist Brady eigentlich zu alt, um noch als großes, unentdecktes Talent zu gelten. Vor einigen Jahren noch entschied sie sich, es zunächst mit College-Tennis zu versuchen anstatt direkt als Profi durchzustarten. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten war zu diesem Zeitpunkt noch nicht groß genug. Doch spätestens seit die Amerikanerin im Herbst 2019 den deutschen Trainer Michael Geserer verpflichtet hat, hat sie eine beeindruckende Entwicklung genommen. Die nun bei den US Open den vorläufigen Höhepunkt erreicht.

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          Geserer, der zuvor lange Deutschlands Nummer zwei Julia Görges gecoacht hatte, hat mit Brady deren Spiel stabilisiert und ihre tennistechnischen Waffen wie den wuchtigen Aufschlag noch weiter geschärft. Dazu hat sie mit dem ebenfalls deutschen Physiotherapeut Daniel Pohl ihre Athletik massiv verbessert. Unmittelbar vor den US Open gewann Brady in Lexington ihr erstes WTA-Turnier. Insgesamt stand vor dem Kerber-Match ihre Bilanz im Corona-Jahr 2020 bei starken 20 Siegen gegenüber nur sechs Niederlagen. Aufgrund der vielen Absagen im Vorfeld gehörte sie als Nummer 41 der Weltrangliste sogar erstmals zu den gesetzten Spielerinnen.

          Kerber bekam diese Formstärke schmerzhaft zu spüren. Auch in den zweiten Durchgang startete die Amerikanerin direkt mit einem Break. Kerber immerhin konterte. Nach sechs verlorenen Spielen in Serie und 0:40 aus ihrer Sicht drehte sie kurz auf und glich zum 1:1 aus. Doch eine echte Trendwende glückte ihr nicht. Brady machte weiterhin kaum Fehler und ging schnell wieder in Führung. Hoffnung machen durfte Kerber einzig, dass ihre Gegnerin plötzlich körperliche Probleme zu bekommen schien. Nach 52 Minuten Spielzeit nahm Brady eine medizinische Auszeit und ließ sich am rechten Oberschenkel behandeln.

          Kerber nutzte die Zeit, um sich zu sammeln. Sie hängte sich minutenlang ein Handtuch über den Kopf, versuchte die Welt auszublenden, ging in sich und suchte nach dem Ausweg. Tatsächlich war sie nach der Unterbrechung besser im Spiel, war mehrfach drauf und dran, das Momentum auf ihre Seite zu ziehen. Doch in den wichtigen Momenten spielte Brady wieder groß auf. Kerber konnte einem leidtun.

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