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25 Jahre nach Boris Becker : Zverev kämpft sich ins Halbfinale der US Open

Siegerfaust: Alexander Zverev steht im Halbfinale der US Open Bild: AP

Als erster Deutscher seit einem Vierteljahrhundert spielt Alexander Zverev bei den US Open um den Einzug ins Endspiel. Mit mehr Kampf als Klasse ringt er den Kroaten Borna Coric nieder. Vor allem, weil er nach einem Satz die Taktik ändert.

          2 Min.

          Gebannt blickte Alexander Zverev dem Ball hinterher. Als er weit hinter der Grundlinie gelandet war, huschte ein breites Grinsen über sein Gesicht. Sein dritter Matchball hatte gesessen. Durch ein 1:6, 7:6 (7:5), 7:6 (7:1), 6:3 gegen den Kroaten Borna Coric ist Deutschlands bester Tennisspieler bei den US Open ins Halbfinale eingezogen. Zum zweiten Mal in seiner Karriere, zum zweiten Mal in Serie außerdem steht Zverev nun unter den letzten Vier bei einem Grand-Slam-Turnier. Bei den Australian Open im Januar war dort gegen Dominic Thiem Schluss gewesen. In New York spielt er nun gegen Pablo Carreno Busta aus Spanien.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          „Ich finde, ich habe nicht mein bestes Tennis gespielt. Aber manchmal muss man halt einfach einen Weg finden und sich durchbeißen“, sagte Zverev anschließend: „Ich bin sehr glücklich, jetzt hier im Halbfinale zu stehen. Wir Deutschen haben 25 Jahre darauf warten müssen und ich hoffe, dass das ab jetzt wieder regelmäßiger passiert.“ Letzter Deutscher im Halbfinale von New York war 1995 Boris Becker.

          Coric hatte Zverev in der Vergangenheit große Probleme bereitet. Vor zwei Jahren schied er bei den US Open überraschend als Nummer 4 der Setzliste gegen den in der Weltrangliste mehr als 50 Plätze tiefer stehenden Kroaten in Runde zwei aus. Insgesamt hatte er von zuvor vier Duellen drei verloren. Dazu hatte Coric in Runde drei bereits den hochgehandelten Griechen Stefanos Tsitsipas aus dem Turnier befördert. Zverev wusste also genau, was für eine schwierige Aufgabe ihm da bevorstand.

          Der Start in die Viertelfinal-Partie misslang ihm trotzdem komplett. Er machte viele einfache Fehler, ging außerdem aus den längeren Ballwechseln eigentlich nie als Sieger hervor. Zusätzlich attackierte Coric kompromisslos jeden zweiten Aufschlag des Deutschen. Nach dem Punkt zum 1:1 gewann dieser daraufhin kein Spiel mehr im ersten Satz. Nach nur 31 Minuten ging Coric in Führung.

          Das Momentum kippt

          Im zweiten Durchgang schien sich Zverev dann ein wenig zu stabilisieren. Dennoch lag er zwischenzeitlich wieder mit einem Break zurück. Allerdings nahmen nun mit jedem Schlag die Sicherheit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sichtbar zu. Zverev kämpfte sich zurück ins Match, brachte sich auch emotional in eine Angriffsposition. Im Tiebreak nutzte er einen kleinen Moment der Schwäche bei Coric zum Satzausgleich. „Ich bin aggressiver geworden. So wie ich angefangen habe, konnte das nicht weiter gehen“, sagte Zverev hinterher. „Ich dachte mir, was habe ich schon zu verlieren.“

          Das Match insgesamt bewegte sich dennoch inzwischen auf niedrigem Niveau. Coric versuchte seinen Gegner durch risikoarmes Spiel in lange Ballwechsel zu locken. Zverev ließ sich darauf ein, nahm ebenfalls viel Tempo aus den Grundschlägen. Zeitweise verstrickten sich beide in Rückhand-Slice-Duellen. Und leisteten sich trotzdem noch jeweils viele unerzwungene Fehler. Erst im nächsten Tiebreak drehte Zverev dann vorübergehend auf. Das genügte, um im Match auf die Siegerstraße einzubiegen. In Satz vier nämlich reichte ihm letztlich ein vorentscheidendes Break zum 5:3, um das Match nach rund dreieinhalb Stunden Spielzeit für sich zu entscheiden.

          Neben Zverev gibt es noch eine weitere deutsche Hoffnungsträgerin in New York. Denn im Doppel der Frauen erreichte Laura Siegemund gemeinsam mit der Russin Wera Swonarewa das Endspiel. Im Halbfinale am Dienstag setzt sich das Duo gegen die ebenfalls ungesetzten Anna Blinkowa/Weronika Kudermetowa aus Russland 5:7, 6:3, 7:5 durch. 2016 hatte Siegemund beim Grand-Slam-Turnier in New York bereits gemeinsam mit dem Kroaten Mate Pavić den Titel im Mixed gewonnen. Letzte Deutsche Grand-Slam-Siegerin im Damen-Doppel war allerdings Steffi Graf, die im Jahr 1988 gemeinsam mit ihrer Rivalin Gabriela Sabatini in Wimbledon triumphiert hatte.

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