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US Open : Kommunizierende Dächer, ausgebaggerte Erinnerungen

  • -Aktualisiert am

Imposant: Des größte Tennisstadion der Welt hat nun ein ausfahrbares Dach. Bild: AP

Ungenutzt, aber mit Twitter-Account: Das Arthur-Ashe-Stadion ist regenfest – doch in New York herrscht zu Beginn der US Open Hochsommer. Zudem erschweren extreme Lichtverhältnisse das Spiel.

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          Irgendwie hätte man sich die Sache ja denken können. Nach Jahren mit Stürmen, Regenfällen, Ausfällen und verlegten Endspielen haben sie in Flushing Meadows nun endlich ein schließbares Dach über dem Arthur-Ashe-Stadion - und dann so ein Wetterbericht. Für die erste Woche der US Open sagen die Meteorologen weiterhin Hitze und reichlich Sonne voraus, allenfalls garniert von ein paar Wölkchen Mitte der Woche. Von Regen ist weit und breit nichts zu sehen. Genauso war es 2009 in Wimbledon, als das Dach über dem Centre Court bei bestem Sommerwetter in Betrieb ging. Über ihre Befindlichkeit und aufkommenden Gefühle von Nutzlosigkeit könnten die beiden Dächer über Twitter kommunizieren - beide haben einen eigenen Account.

          Schon im vergangenen Jahr war die Konstruktion über dem 24.500 Zuschauer fassenden Stadion in ihren Ausmaßen zu erkennen gewesen, jetzt ist alles fertig, und es sieht prima aus. Getragen von acht stählernen Säulen, thront das Dach auf einer Fläche von rund 160 mal 160 Meter, die Öffnung der beiden Hälften ist knapp 80 mal 80 Meter groß. 150 Millionen Dollar hat der Spaß gekostet, in weniger als zehn Minuten schließt sich das Dach ohne allzu lautes Geräusch.

          Kurios ist, dass das 1997 eingeweihte Arthur Ashe Stadium, das größte Tennisstadion der Welt, mit dem Dach, von außen betrachtet, nun so aussieht, als sei es nach fast zwei Jahrzehnten Betrieb endlich fertig geworden; die Architekten haben ganze Arbeit geleistet, immer bestimmt von der Maxime, dass die Konstruktion nicht zu schwer werden darf, weil die ganze Anlage auf relativ unsicherem, feuchtem Gelände steht.

          Die Spieler (Bild: Kevin Anderson) haben mit schwierigen Lichtverhältnissen zu kämpfen.

          Das alles scheint gelöst zu sein, aber es war schon im vergangenen Jahr abzusehen, dass es dennoch Probleme geben wird. Nicht oben, sondern unten, auf dem Platz. Bei schönem Wetter müssen die Spieler mit extremen Unterschieden in Licht und Schatten umgehen können, keine leichte Aufgabe beim rasanten Tempo moderner Tennisspiele. Und auch für Zuschauer und Fotografen wird es mit diesen krassen Gegensätzen nicht einfach sein.

          Uneingeschränkt positiv sind dagegen jetzt schon die Reaktionen auf den neuen Grandstand, mit 8125 Plätzen die drittgrößte Arena im Billie Jean King National Tennis Center. Ein attraktiver Platz im Südwesten der Anlage, kein Anhang mehr wie der alte Grandstand, der quasi wie ein Hinterhof zum Louis Armstrong Stadium gehört hatte, dem langjährigen Centre Court.

          Im vergangenen Jahr war der gute, alte Grandstand mit einiger Wehmut verabschiedet worden, umso überraschter fielen nun die Reaktionen aus, als er unter der Bezeichnung P6/Old Grandstand wieder als Spielort auftauchte. Der amerikanische Tennisverband (USTA) reagierte auf die allgemeine Verwunderung sogleich mit einer offiziellen Erklärung, in der steht, der alte Grandstand müsse quasi aushelfen, weil es auf einem anderen Turnierplatz noch ein paar Probleme mit der Oberfläche gebe.

          Die alte Wirkungsstätte wird abgerissen

          Aber nach dem Ende des Turniers wird sich P6 endgültig den Baggern stellen müssen, genauso wie sein geliebter großer Bruder, Louis Armstrong. Nach fast 40 Jahren im Betrieb, davon bis 1996 als Mittelpunkt der Anlage, wird die zweitgrößte Arena abgerissen und an gleicher Stelle in neuer Größe und Funktionalität wieder aufgebaut. Im nächsten Jahr soll die untere Hälfte des Stadions fertig und bespielbar sein, 2018 wird es komplett sein mit dem Oberring und einem weiteren beweglichen Dach und Platz für rund 14.000 Zuschauer.

          Ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde: Pete Sampras gewinnt die US Open im Finale gegen Andre Agassi.

          Es gibt also noch ein paar Tage Zeit, sich gerührt an die ereignisreiche Zeit im alten Louis Armstrong Stadium zu erinnern. An das letzte Grand-Slam-Finale in der Karriere des Schweden Björn Borg, der vor 35 Jahren auch im vierten Versuch nicht den Titel gewann und gegen John McEnroe verlor. An Boris Beckers einzigen Titel in Flushing Meadows nach einem Sieg im Finale gegen Ivan Lendl anno ’89. An Jimmy Connors’ völlig verrückte Auftritte 1991, als er mit 39 Jahren noch mal das Halbfinale erreichte.

          An das legendäre Spiel von Pete Sampras 1996 gegen Alex Corretja, als Sampras im Tie-Break des fünften Satzes am Ende seiner Kräfte siegte, oder an Steffi Grafs letzten Titel in New York im gleichen Jahr mit einer stimmungsvollen Siegerehrung im strömenden Regen. Erinnerungen, die dem Bagger widerstehen werden; eng verbunden mit der Geschichte des Turniers.

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