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Trainer Waske über Kerber : „Sie hat es gehasst“

  • Aktualisiert am

Trainer mit Anspruch: Alexander Waske hat dem Spiel von Angelique Kerber ein neues Niveau verliehen Bild: Picture-Alliance

Angelique Kerber ist die neue Nummer eins im Damentennis. Die Grundlage für ihren Aufstieg hat sie mit hartem Training in der Akademie in Offenbach gelegt.

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          Wie viel Offenbacher Tennisakademie steckt in der neuen Nummer 1 der Welt?

          Wir haben durchaus einen Anteil. Als sie damals zu uns kam, konnte man zwar ihr Talent sehen, aber sie war nicht fit, hatte kein Selbstbewusstsein, keine klare Spielstruktur und vom Kopf her auch keine großen Ansprüche. Als sie in Wimbledon 2011 in der ersten Runde ausgeschieden ist und in der Weltrangliste aus den Top 100 gefallen war, haben wir uns getroffen, und wir haben ihr klargemacht, dass sie erst mal richtig trainieren muss. Sie wollte damals für eine Woche zu uns nach Offenbach kommen, blieb dann noch eine und noch eine. Letztlich hat sie fünfeinhalb Wochen bei uns trainiert, weil sie gesehen hat, dass sie weiterkommt.

          Es hat ja zügig gewirkt damals.

          Nach dem Block bei uns hat sie aus der Qualifikation heraus das Halbfinale des WTA-Turniers in Dallas erreicht und dann bei den US Open das Halbfinale. Das war großes Kino. Damit war sie auf einen Schlag wieder unter den Top 40 der Welt, hat wieder Blut geleckt und sich gesagt: Ich will mehr. Sie hat dann damals als erste Profispielerin der Welt am 6. November bei uns mit der Vorbereitung auf die neue Saison begonnen. Es war ein riesiger, knapp siebenwöchiger Trainingsblock. Das war eine harte, zähe Phase für sie.

          Die Arbeit an Kraft und Kondition war ja nicht gerade ihre liebste Facette des Jobs, oder?

          Die „alte“ Angie: Wenn sie laufen gehen musste, war sie oft sehr unleidlich.

          Sie hat es gehasst - all die Laufarbeit, die Intervalle. Sie war in der Gruppe häufig hintendran, abgeschlagen. Und Angie ist emotional, oft lustig, aber auch mal bissig. Und wenn sie laufen gehen musste, war sie oft sehr unleidlich. Die neuen körperlichen Voraussetzungen, aber auch die Haltung, auf der Tour nachzuarbeiten, haben ihr sehr geholfen. Heute ist sie mit die fitteste Spielerin auf der Tour. Die Gegnerinnen wissen, dass Angie länger laufen wird als sie. Und die Erfolge haben sie natürlich auch selbstbewusst gemacht.

          Ging es bei Ihnen als Trainer nur um Fitness oder auch um Kerbers spielerisches und mentales Vorankommen?

          Natürlich auch. Angie ist damals oft negativ gewesen. Wir mussten sie in jeder Matchanalyse dahin führen, dass sie auch mal etwa Gutes an ihrem Spiel entdeckt. Auf die Frage „was hast du gut gemacht“, kam von hier häufig die Antwort: nichts, einfach nur Scheiße gespielt. Spielerisch haben wir viel an ihrer rechten Hand bei der Rückhand cross gearbeitet, an ihrem Slice-Aufschlag und an ihrer Taktik, variabler und geduldiger zu spielen.

          Und mental?

          Um große Ziele zu erreichen, musste sie auf dem Platz positiver werden, ihre Körpersprache verbessern. Sie hat früher oft die Schultern hängenlassen. Sie ist taff geworden. Und wenn man ein Grand-Slam-Turnier gewinnt, glaubt man natürlich daran, dass man es wieder schaffen kann.

          Ist Kerber auf dem Zenit ihres Könnens, hat sie ihr Potential ausgereizt?

          Das liegt vollkommen an Angie. Man hat ja gesehen, dass sie nach dem Sieg bei den Australian Open erst mal in ein Loch gefallen ist. Was vollkommen normal ist in all dem Trubel. Auf so einen Triumph folgt eine gewisse Zufriedenheit und man entspannt sich auch mal. Den Fokus sofort wieder hochzustellen ist unglaublich schwer. Aber auch das wird sie immer mehr lernen und ihren Turnierkalender anpassen. Früher musste sie auch kleinere Turniere spielen, heute performt sie bei jedem Turnier, das sie spielt.

          Kann sie das Damentennis noch auf Jahre hinaus mitprägen?

          Derzeit ist das Damentennis offener als zuvor, weil Serena Williams nicht mehr übermächtig ist. Angie zeigt aber von allen derzeit das konstant beste Tennis und ist am schwierigsten zu schlagen. Sie weiß jetzt, wie es funktioniert. Sie hat klar bewiesen, dass sie es nicht nur bei einem Turnier über zwei Wochen kann, sondern ein ganzes Jahr.

          Die Fragen stellte Alex Westhoff.

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