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Petkovic und die US Open : „Der Kopf war am Ende dagegen“

  • -Aktualisiert am

Schwierige Entscheidung: Andrea Petkovics Verzicht auf die US Open Bild: dpa

Mit 32 Jahren gehört Andrea Petkovic zu den erfahrenen Spielerinnen auf der Tour. Im Interview spricht sie über ihren Verzicht auf die US Open, ihre Sehnsucht nach besonderen Momenten und Tennis zum Einschlafen.

          2 Min.

          Frau Petkovic, wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, auf die Teilnahme an den US Open in New York zu verzichten?

          Sehr schwer. Ich habe eine ganze Woche überlegt, was ich machen soll, ob ich fliege oder nicht. Ich habe trainiert, und dann ist mein Knie wieder ein bisschen angeschwollen, nicht schlimm, aber ich musste die Trainingsumfänge reduzieren, konnte nicht mehr zweimal am Tag spielen, sondern nur noch einmal. Das war am Ende einer der Gründe zu sagen, ich verzichte auf New York. Es war fifty-fifty. Wenn ich hundertprozentig fit gewesen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich anders entschieden, aber die Kombination aus Risiko, Corona, Langstreckenflug und dem Knie hat schließlich den Ausschlag gegeben. Wovor ich die meiste Angst hatte, war, dass ich dort aus welchen Gründen auch immer positiv getestet würde und in Quarantäne müsste, die stecken die Spieler im Fall der Fälle in räumliche Quarantäne für vierzehn Tage. Dann wäre ich nicht rechtzeitig nach Europa für die Sandplatzturniere gekommen, die ja mein Steckenpferd sind, vor allem die French Open, die ich unbedingt spielen will. Außerdem heiratet meine Schwester Mitte September, und da wollte ich auch nicht unbedingt in New York in Quarantäne sitzen.

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          Sie haben viele Freunde in New York, die Stadt ist im Lauf der Jahre eine Art zweite Heimat für Sie geworden. Wie hat dies Ihre Entscheidung beeinflusst?

          Vielleicht hat es die Entscheidung sogar ein bisschen leichter gemacht, weil ich wusste, wenn ich dort wäre, hätte das mit dem New York, das ich liebe, nichts zu tun. Ich hätte keinen meiner Freunde sehen können, ich hätte auch nicht bei meinem Freund in Brooklyn wohnen können, sondern hätte im Hotel in einer Blase gelebt.

          Sie hatten zuletzt in Berlin und in Prag gespielt, mit guten Ergebnissen. Womöglich hätten Sie bei den US Open weit kommen können, auch weil einige Spitzenspielerinnen abgesagt haben.

          Ja, ich habe gut spielt. In Prag habe ich Karolina Pliskova geschlagen (die Nummer drei der Weltrangliste, d. Red). Als dann immer mehr Spielerinnen für New York abgesagt haben, dachte ich: Hey, vielleicht hast du eine Chance, richtig weit zu kommen. Meine Emotionen wollten unbedingt spielen und die Chance nutzen. Aber der Kopf war am Ende dagegen. Es war ein knapper Sieg. Es ging um vielleicht 0,5 Prozent.

          Wie sehr leidet der sportliche Wert des New Yorker Turniers unter den vielen Absagen?

          Ich glaube, am Ende wird es so sein: Wenn jemand die US Open jetzt zum allerersten Mal gewinnt, jemand, den niemand auf der Rechnung hatte, sagen wir mal, ich hätte sie aus Versehen gewonnen, würden alle sagen: Das ist ja auch kein Wunder, weil so viele nicht mitgespielt haben. Wenn aber etablierte Spieler gewinnen, Djokovic oder Williams zum Beispiel, dann interessiert sich in fünf Jahren niemand mehr dafür, wer alles gefehlt hat.

          Sie werden Anfang September 33 Jahre alt und werden nicht mehr ewig auf der Tour spielen. Macht das den Verzicht auf eine möglicherweise große Chance noch schwerer?

          Wenn man älter wird und weiß, man spielt nicht mehr so lange, dann spielt man für besondere Momente. Matches in großen Stadien. Aber weil jetzt bei den US Open ja kein Publikum da sein wird, hat das für mich die Entscheidung einen Tick einfacher gemacht. Ich habe gesagt, okay, ich habe nicht mehr viele Grand Slams, aber ein Grand Slam ohne Publikum, muss das wirklich unbedingt sein?

          Wie ist das ohne Zuschauer, wie viel geht auf dem Platz ohne sie verloren?

          So ganz ohne Zuschauer? Ich habe das Cincinnati-Turnier verfolgt, wir haben ja dieses WTA-TV, wo wir alle Matches sehen können, und das war schon komisch, es wirkte so unwichtig, obwohl das für uns eines der wichtigsten Turniere in jedem Jahr ist. Diesmal bin ich teilweise eingeschlafen. Aber vielleicht gibt es da auch einen Gewöhnungseffekt, so wie beim Fußball auch.

          Wie geht es nun weiter?

          Ich mache ein paar Tage frei, auch damit sich mein Knie ein bisschen beruhigt. Anschließend fange ich an, auf Sand zu trainieren. Dann werde ich in Rom, Straßburg und bei den French Open Paris spielen. Das ist der Plan.

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