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Star verlässt Pressekonferenz : Zverev und die unangenehmen Fragen

Keine Lust auf unbequeme Fragen: Die Reife eines Champions lässt Alexander Zverev vermissen. Bild: dpa

Der Konfrontation mit öffentlicher Kritik geht der deutsche Tennisstar Alexander Zverev einmal mehr aus dem Weg. Stattdessen nährt er weiter sein flegelhaftes Image. Bei einer Pressekonferenz steht er kurzerhand auf und geht.

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          Als die Fragen unangenehm wurden, stand Alexander Zverev einfach auf. Zu seiner kurzfristigen Absage für das Schauturnier in Berlin wollte Deutschlands bester Tennisspieler nichts sagen. Ebenso wenig zu seiner unrühmlichen Rolle während und nach der „Adria Tour“, der nach einem Corona-Ausbruch vorzeitig abgebrochenen Turnierserie von Novak Djokovic. Die Video-Gesprächsrunde mit dem 23-Jährigen am Samstagabend endete deshalb abrupt. „Bis morgen“, raunte Zverev noch, ehe er aus dem Bild verschwand.

          Der anwesende Pressemitarbeiter hatte schon vor Beginn des obligatorischen Interviewtermins klargestellt: Keine Fragen zu anderen Themen als zum „Ultimate Tennis Showdown“. Das neue Turnierformat, bei dem auch Zverev am Start ist, versteht sich mit seinen mitunter revolutionär anmutenden Regeln selbst als Vision für die Zukunft des Tennissports. Unter anderem werden bei dem Wettbewerb unweit von Nizza vier Viertel von maximal zehn Minuten gespielt. Dazu gibt es für die Spieler die Möglichkeit, über Ereigniskarten Sonderpunkte zu holen.

          Für den deutschen Spitzenspieler wiederum markiert die Veranstaltung in der Akademie von Patrick Mouratoglou, dem Coach von Serena Williams, die Rückkehr in den Wettkampfmodus. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat Zverev lediglich bei der im Fiasko geendeten „Adria Tour“ in Serbien und Kroatien seine Form überprüft. Am Samstag bezwang er zum Auftakt Felix Auger-Aliassime 11:10, 15:14, 12:14, 11:14 und 2:1 durch sogenannten „sudden death“. Auch am Sonntag war der Kanadier wieder der Gegner – im Endspiel. Dort setzte sich 3:2 (19:10, 11:13, 11:18, 18:8, 2:1) ebenfalls durch und gewann das Schauturnier.

          Zverev zunächst auskunftsfreudig

          Trotz des offiziell erteilten Frageverbots hatte sich Zverev zu Beginn der anschließenden Interviewrunde noch recht auskunftsfreudig gezeigt. Etwa indem er offen über seine Bedenken sprach, Ende August in New York bei einem Grand-Slam-Turnier anzutreten. „Es ist ein bisschen verrückt, jetzt die US Open zu spielen“, sagte er. „Ich hätte es lieber, wenn die US Open nicht stattfinden würden und wir in Europa anfangen.“ Ein Verzicht, wie ihn am Sonntag der Australier Nick Kyrgios verkündete, komme für ihn aber dennoch nicht in Frage. „Wenn die US Open stattfinden, was sollen wir Spieler machen? Gerade wenn alle spielen. Es geht ja auch um Ranglistenpunkte.“

          Auch zu seinem neuen Trainer, dem ehemaligen spanischen Profi David Ferrer, äußerte sich Zverev bereitwillig. Nach knapp 15-tägiger Testphase habe man sich entschieden, dauerhaft zusammenzuarbeiten. „Wir verstehen uns unglaublich gut. Wir sind jetzt eine Mannschaft“, sagte er. Nach den jeweils geräuschvoll gescheiterten Engagements der Star-Coaches Juan Carlos Ferrero und Ivan Lendl soll diesmal vor allem ein harmonischeres Zusammenspiel mit Zverev senior entstehen. Dieser trainiert seinen Sohn seit frühester Kindheit. „David und mein Vater sind jetzt beide meine Haupttrainer“, erklärt Zverev die neue Konstellation: „Mein Papa wird ja auch nicht jünger. Beide sind extrem wichtig.“

          Abbruch der Konferenz

          Als die Sprache dann jedoch auf das Turnier in Berlin kam, brach Zverev das Gespräch sofort ab. Allen möglichen Fragen zu seinem wenig vorbildhaften Verhalten in den vergangenen Wochen ging er einmal mehr aus dem Weg. Zverevs eigene Wahrnehmung der Ereignisse bleibt damit weiter im Dunkeln. Ob er beispielsweise das sorglose Auftreten bei der Turnierserie auf dem Balkan bereut. Oder ob er den Bruch seiner vermeintlich reumütig selbstauferlegten Quarantäne inzwischen als Fehler erachtet – publik geworden durch ein Video, das ihn bei einer pompösen Strandparty in Monaco zeigt.

          Zverev will diese Themen offenkundig einfach aussitzen. Und nährt nebenbei weiter sein flegelhaftes Image, indem er Journalisten zum wiederholten Male brüskiert. Er lässt damit jene Reife und Souveränität vermissen, die die großen Champions seiner Zunft seit jeher auszeichnet. Ob ihm dies auch auf dem Platz häufiger zum Verhängnis wird, ist zwar Spekulation. Fakt ist aber, dass er dem auch von sich selbst auferlegten Erwartungsdruck bislang viel zu selten mental standgehalten hat.

          Inwiefern dieser Weg zum Erfolg führen kann, werden wohl erst die nächsten Jahre zeigen. Der Konfrontation mit öffentlicher Kritik setzt sich Zverev jedenfalls nur dann aus, wenn es nicht anders geht. Interviewanfragen blockt sein Management zuverlässig ab. „Sascha wird sich das nächste mal bei den US Open äußern“, heißt es derzeit nur. Bleibt abzuwarten, ob er dort auch einfach aufsteht, sobald es unangenehm wird.

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