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Taylor Townsend : Spektakuläres Angriffstennis – wegen eines Fitnessmakels

  • -Aktualisiert am

Taylor Townsend bei ihrer Paradedisziplin: dem Volley am Netz Bild: EPA

Taylor Townsend hat ein Problem: Sie gilt als übergewichtig. Dabei spielt die Amerikanerin einzigartig, bezwang mit ihrer Spielweise sogar Wimbledonsiegerin Simona Halep. Gelingt ihr endlich der Durchbruch?

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          Sie stand so dicht am Netz, dass kaum ein Blatt Papier im Zwischenraum Platz gehabt hätte, und sie schlug diese unfassbaren, gemeingefährlich guten Volleys. Immer und immer wieder. Den Freunden des Flugballspiels ging das Herz auf in Taylor Townsends großer Stunde, einer der besten Momente des Damentennis in diesem Jahr. Die meisten modernen Spiele ähneln einander ja sehr, dies war eine glorreiche Ausnahme; so verführerisch anders wie eine wilde Blume in einem Beet voller Eisenhut. Mit Angriffstennis der spektakulärsten Art spielte die Amerikanerin eine veritable Wimbledonsiegerin an die Wand, und diese Geschichte hat so viele Facetten, dass es schwer ist, Anfang und Ende zu finden.

          Simona Halep, die das Spiel in drei sehr speziellen Sätzen verlor, gehört zu den herausragenden Athletinnen in diesem Sport. Taylor Townsend eher nicht; sie wog schon immer deutlich mehr als die anderen. Ein halbes Jahr, nachdem sie mit 15 den Juniorentitel bei den Australian Open gewonnen hatte, schon damals mit Serve und Volley, stellte der amerikanische Tennisverband ihre Förderung mit der Begründung ein, sie sei nicht fit genug. Die Botschaft war eindeutig: Mit diesen Formen, liebes Kind, passt du nicht ins Konzept.

          Schnell-kräftig

          Townsend ist allerdings trotz ihrer Pfunde fix auf den Beinen – sonst hätte sie ja keine Chance, so schnell am Netz zu sein – , sie bewegt sich mit einer gewissen Geschmeidigkeit. Aber beeindruckend ist vor allem die Konsequenz, mit der sie nach vorn stürmt. 105 Mal in drei Sätzen tauchte sie gegen Halep am Netz auf, 63 Mal gewann sie den Punkt, und das sind Werte, die es nicht nur im Damentennis nur selten gibt. Zum Vergleich: Als Mischa Zverev 2017 bei den Australian Open gegen Andy Murray gewann, stürmte er 118 Mal nach vorn – in vier Sätzen. John McEnroe erklärte Zverev danach zu seinem Lieblingsspieler, aber auch Taylor Townsend hat prominente Bewunderer. Als sie vor fünf Jahren bei den French Open in Paris, ihrem ersten Grand-Slam-Turnier, die dritte Runde erreichte, meldete sich der bekannte Frauenversteher Andy Murray zu Wort und schwärmte vom Auftritt der damals 18 Jahre alten Amerikanerin.

          Sie mag nicht über alle Gründe reden, die eine Fortsetzung des vielversprechenden Starts verzögerten. Es sei ein langer Weg gewesen, erzählte sie nach dem besten Spiel ihrer Karriere, und sie habe am Wegesrand viel Hass zu spüren bekommen. „Mir wurde oft gesagt, dass ich es nie schaffen werde. Irgendwann habe ich es geschafft, von dieser Kritik zu profitieren, weil ich den Leuten zeigen wollte, wie falsch sie liegen. Ein paar Jahre lang kam ich mir verloren vor, wie mitten in einem Meer vieler Dinge. Aber jetzt ist es schön, dass ich oben treibe, dass ich schwimmen kann. Ich weiß, wer ich bin.“

          Und sie gönnt sich nicht nur auf dem Tennisplatz verrückte Dinge. Nachdem sie im März beim Turnier in Miami zügig in zwei Sätzen gegen ebendiese Simona Halep verloren hatte, ging sie im Umkleideraum auf die Rumänin zu und fragte, was sie besser machen könne. Die Rumänin sagt, sie sei ziemlich überrascht gewesen von dieser Aktion, irgendwie habe ihr die Sache aber gefallen, und so habe sie ein paar Sachen erzählt. In Wimbledon hätte es fast schon zu einem besonderen Sieg gereicht, doch Townsend verlor nach einem Matchball gegen die Holländerin Kiki Bertens. Das wirkte lange nach, doch nun spielt es keine Rolle mehr, weil es neue Bilder für das Gedankenkino gibt. Für Taylor Townsend war dieser Nachmittag in New York, an dem sie die Siegerin der French Open 2018 und Wimbledon 2019 schlug, wie sie es selbst ausdrückte, nichts weniger als „monumental“. Ein Nachmittag, in dem sie den Beweis erkennen kann, sie gehöre jetzt wirklich dazu.

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