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Williams gegen Scharapowa : „Ganz New York wird sich das anschauen“

  • -Aktualisiert am

Knalleffekt zum Start: Maria Schwarapowa (Bild) trifft auf Serena Williams. Bild: AP

Die US Open starten mit einem Knalleffekt. Serena Williams trifft in Runde eins auf Maria Scharapowa. Selbst die Konkurrentinnen sind elektrisiert. Die Frage nach der Siegerin ist aber nicht die einzige, die sich in New York stellt.

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          So jung und frech sieht sie aus auf den Bildern von damals, der Blick voller Neugier. Es war das letzte große Turnier des 20. Jahrhunderts, in dem Serena Williams in New York ihren ersten großen Titel gewann, und irgendwie ist es fast nicht zu glauben, dass sie nun immer noch im Spiel ist. Als sie 1999 nach dem Sieg im Finale gegen Martina Hingis den Pokal in den Armen hielt, waren sich alle sicher, dies sei das Sprungbrett in eine ebenso außergewöhnliche wie erfolgreiche Karriere.

          In den zwanzig Jahren danach gewann sie sechs Titel im größten Tennisstadion der Welt und spielte gegen alle mit großem Namen. Nur eine fehlte, doch damit ist es nun vorbei. Am Montagabend (1.00 Uhr MESZ in der Nacht auf Dienstag bei Eurosport) wird Serena Williams in der Night-Session der US Open 2019 gegen Maria Scharapowa spielen, und wenn das nicht als Anfang mit Knalleffekt durchgeht, was dann?

          Nüchtern betrachtet könnte man zwar einwenden, der Vergleich der beiden finde nach diversen Verletzungspausen der Russin nicht mehr auf dem früheren Niveau statt und zudem sei er eine recht einseitige Angelegenheit; von 21 Begegnungen verlor Williams nur zwei, darunter das denkwürdige Finale in Wimbledon vor einer Kleinigkeit von 15 Jahren.

          Es gibt Fragen, wie fit die Amerikanerin in dieses Spiel gehen wird, nachdem sie kürzlich beim Turnier in Toronto im Finale mit Rückenschmerzen aufgeben musste, doch selbst das trägt zur Spannung bei, und das sehen auch die Konkurrentinnen so. Naomi Osaka, die vor einem Jahr im Finale unter kompliziertesten Umständen gegen die polternde und protestierende Williams den Titel gewann, versichert: „Natürlich werde ich das anschauen; ganz New York wird es sich anschauen.“

          jung und frech und zwanzig Jahre her: Serena Williams bei ihrem ersten Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier 1999.

          Man kann die Sache abseits von Glamour und Geschichte aber sicher auch so sehen wie die Australierin Ashleigh Barty, Gewinnerin der French Open in diesem Jahr. Die sagt, es gebe viele erstklassige Spiele in der ersten Runde, das sei ja nicht die einzige Begegnung von Bedeutung im Tableau. Barty redet nicht gern um den heißen Brei herum, schönfärben ist nicht ihr Ding, und mit Privilegien hat sie auch nichts im Sinn. Und das passt irgendwie ganz gut zu der aktuellen Konstellation mit einer bemerkenswert großen Versammlung von Kandidatinnen auf den Titel.

          Im Frauentennis gibt es schon seit einer ganzen Weile kaum noch eindeutige Favoritinnen. Osakas Sieg vor einem Jahr und der nächste Titel ein paar Monate danach in Melbourne wirkten ebenso überraschend wie Bartys Triumph in Paris, und in gewisser Weise passt selbst Simona Haleps Titel in Wimbledon vor ein paar Wochen in diese Reihe. „Das ist so was von offen“, sagt Julia Görges, „es gibt keine Favoritin, wenn ich ehrlich bin.“ Ist es deshalb vielleicht gar nicht so verwegen, wenn man sich sogar vorstellen kann, dass am Ende eine Spielerin mit dem Pokal auf dem Podium stehen wird, die vor einem halben Jahr zumindest außerhalb Kanadas kaum jemand kannte?

          Ein bisschen Glamour spielt dank Sharapowa immer mit: Im Frauentennis gibt es schon seit einer ganzen Weile kaum noch eindeutige Favoritinnen.

          Doch dann gewann die 19 Jahre alte Bianca Andreescu mit einem Sieg im Finale gegen Angelique Kerber den Titel beim Turnier in Indian Wells, und nach einer mehrwöchigen Verletzungspause schnappte sie sich Anfang August in Toronto den nächsten. Sie habe nie erwartet, dass sich die Dinge so schnell entwickeln könnten, gibt sie zu, aber daraus zu schließen, sie sei überwältigt von den neuen Möglichkeiten, führt sicher in die falsche Richtung. Andreescus Kommentar zur Lage, mal ganz generell gedacht: „Ich glaube fest daran, dass ich große Dinge erreichen kann.“

          Und wo steht Angelique Kerber dieser Tage? Als sie 2016 in New York den Titel gewann, den zweiten bei einem Grand-Slam-Turnier in jenem Jahr, landete sie damit auch an der Spitze der Weltrangliste. Nach eher durchwachsenen Monaten und einer gewissen Findungsphase nach der Trennung von Trainer Rainer Schüttler lief es zuletzt nicht besonders gut, doch sie sagt, sie mache sich keine Sorgen. „Ich weiß, wie es ist, Favoritin zu sein, und ich weiß, wie es ist, keine Favoritin zu sein; ich kenne alle Positionen. Es gibt immer dieses Auf und Ab, bei mir extremer als bei anderen Spielern, aber das hat mich auch dazu gebracht, dass ich die großen Turniere gewonnen habe.“

          Nach dem ersten Ballwechsel mit der Französin Kristina Mladenovic wird es mit der ganzen Theorie, der ganzen Versammlung unterschiedlichster Variablen ohnehin vorbei sein. Deshalb zum guten Schluss noch mal zurück zu Julia Görges, die den anspruchsvollen Marsch bei einem Grand-Slam-Turnier nach zwölf Jahren und 46 Versuchen bestens kennt. Sie sagt: „Es gehört viel dazu; du wirst dich nicht jeden Tag gut fühlen, das ist wie im normalen Leben. Manchmal ist es ganz grottig, und du musst irgendwie durchkommen. Du kannst nur versuchen, das Beste zu geben, der Rest wird gespielt, eins gegen eins. Und am Ende gewinnt einer.“ Mit dieser Prognose, zumindest so viel ist sicher, kann nichts schiefgehen.

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