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US Open : Die unfassbare Aufholjagd der Sabine Lisicki

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„Das Match gewonnen zu haben, ist ein unglaubliches Gefühl. Kämpfen lohnt sich halt“: Sabine Lisicki. Bild: AP

Solch ein Match lässt niemanden kalt: Sabine Lisickis Sieg ist ein Paradebeispiel dafür, warum ein Tennisspiel erst nach dem Matchball entschieden ist. Die Gegnerin geht mit der Niederlage allerdings wenig souverän um.

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          Die schlechte Sabine Lisicki war auf dem direkten Weg Richtung US-Open-Aus, ehe sich die gute Sabine Lisicki mit einer unfassbaren Aufholjagd doch noch in das Achtelfinale katapultierte. Der 6:4, 4:6, 7:5-Sieg gegen Barbora Strycova nach einem 1:5-Rückstand im dritten Satz und Knieproblemen ließ am Samstagabend (Ortszeit) auf dem Grandstand in Flushing Meadows niemanden kalt.

          „Das Match gewonnen zu haben, ist ein unglaubliches Gefühl. Kämpfen lohnt sich halt“, meinte Lisicki, die zweieinhalb Sätze lang nicht überzeugte, nach dem 1:4 im entscheidenden Durchgang ein Pflaster auf das linke Knie bekam, danach alles riskierte – und noch gewann.

          Als das Happy End nach 2:44 Stunden perfekt war, ließ sich Lisicki unter dem Flutlicht und dem Jubel ihrer zahlreichen amerikanischen Fans mit einem spitzen Schrei auf den Betonboden fallen. Die Weltranglisten-24. weinte beim Dank an die Fans, ihr Team war außer sich.

          „Das war das Geilste, was ich jemals auf einem Tennisplatz gesehen habe, wie du dein Herz auf dem Tennisplatz gelassen hast“, rief Trainer Christopher Kas ihr zu. Die unterlegene Tschechin gratulierte widerwillig und soll laut Lisicki ebenso wie deren Trainer gar den Stinkefinger gezeigt haben.

          Sabine Lisicki konnte den dritten Satz noch für sich entscheiden

          Der bizarre Erfolg mit Willen und Herz bescherte der Berlinerin als erster und einziger Deutscher in diesem Jahr einen Platz unter den letzten 16 bei einem Grand-Slam-Turnier. Das Achtelfinale gegen die Weltranglisten-Zweite Simona Halep aus Rumänien ist an diesem Montag in New York die Belohnung für den Kraftakt.

          Allerdings: Drei der bislang vier Vergleiche gingen verloren, im vorigen Jahr gab es im Viertelfinale von Wimbledon eine regelrechte Klatsche. Und auch das erste Achtelfinale bei den US Open vor vier Jahren war unerfreulich. Lisicki erinnerte an ihren ersten Auftritt im Arthur-Ashe-Stadium: „Das war gegen Zwonarewa, wo ich paniert wurde.“

          Barbora Strycova verlor noch und ging damit wenig souverän um.

          An gleicher Stelle hatte Angelique Kerber am Samstag im bislang besten Damen-Match des Turniers weniger Fortune als Lisicki – obwohl sie über ebenfalls fast drei Stunden eine riesige Leistung gegen die ehemalige Weltranglisten-Erste Victoria Asarenka zeigte.

          Nach dem fünften abgewehrten Matchball schrie Kerber ihre Emotionen heraus und riss die 23.000 Fans noch einmal mit, doch wenig später war nach einer 5:7, 6:2, 4:6-Niederlage das erneute Scheitern in der dritten Runde eines Grand Slams in diesem Jahr besiegelt. Geplatzt war auch ein mögliches Duell im Mona Barthel, die nebenan im Louis-Armstrong-Stadium mit 6:1, 3:6, 4:6 gegen Varvara Lepchenko ihr erstes Grand-Slam-Achtelfinale knapp verpasste.

          Die Hitze ist zu viel für Andrea Petkovic. Die Deutsche scheidet in New York aus.

          „Traurig, enttäuscht, gerade völlig fertig mit der Welt“, zeigte sich Kerber. Die deutsche Nummer eins tröstete sich mit der Erkenntnis: „Ich würde sagen, ich habe es gar nicht verloren, sondern sie hat es gewonnen.“ Aus Sicht der Weltranglisten-Elften – 2011 in New York unter den letzten Vier - hätte es vom Niveau auch ein Halbfinale sein können, „war es aber leider nicht“. Die Kielerin will in den wichtigen Momenten künftig noch mehr selbst auf die Punkte gehen.

          Kerber bleibt wie der ebenfalls gescheiterten Andrea Petkovic für die vier großen Turniere im kommenden Jahr die Erkenntnis, sich auch künftig energiesparend und fokussiert vorzubereiten. Petkovic wachte am Samstag krank auf, hustete und war in der nicht mehr ganz so schlimmen Sommerhitze beim 6:7 (2:7), 3:6 gegen die britische Qualifikantin Johanna Konta nicht fit genug. „Manchmal will Dir das Leben zeigen, wer die Kontrolle hat“, sinnierte Petkovic.

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          Die Kontrolle hatte Roger Federer auch im zehnten Duell mit Kumpel Philipp Kohlschreiber, wenn es wichtig wurde. Am Ende standen ein 6:3, 6:4, 6:4-Erfolg und ein enttäuschter Kohlschreiber. „Er hat mich nicht weggeschossen. Ich habe mich selbst aus dem Turnier gekegelt“, sagte der Bayer, für den statt des nächsten US-Open-Achtelfinales die Davis-Cup-Relegation in der Dominikanischen Republik folgt.

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